Bettina Brück
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Dieser Antrag ist ein bisschen so, als würde kurz vor dem Anpfiff des Fußballspiels der Schiedsrichter auf den Platz stürmen und sagen, bevor es losgeht, habe ich drei Forderungen: Erstens. Gespielt wird mit den Füßen. Zweitens: Das Spiel hat 90 Minuten. Drittens: Der Ball ist rund. Das kann man so machen. Das ist aber vollkommen unnötig, weil alle Beteiligten sowieso wissen, wofür sie auf dem Platz sind. (Zuruf des Abg. Martin Brandl, CDU) Sehr geehrter Herr Schwab, genauso verhält es sich mit Ihrem Antrag, Er fordert eins zu eins das, wofür der Anpfiff im neuen Schuljahr längst bevorsteht und was Ministerin Dr. Hubig im Rahmen des Neun-Punkte-Plans schon im letzten Jahr vorgestellt hat und im Übrigen unserem Konzept einer durchgängigen Sprachförderung von Anfang an entspricht. Das entwickeln wir stetig weiter. Sehr geehrte Abgeordnete, insofern verstehe ich den Antrag vor allem als zusätzliches Anfeuern für den Ausbau der Sprachförderung, den wir seit vielen Jahren betreiben. Es ist absolut richtig – da sind wir uns einig –, Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, zu Chancengleichheit und zu Teilhabe. Um diesen Schlüssel zu schmieden, muss man so früh wie möglich anfangen. Es gelingt besser, je früher es beginnt. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr ein langfristiges Sprachförderkonzept weiter ausgebaut, das in der Kita beginnt und bis zum Schulabschluss trägt. Innerhalb dieses Gesamtkonzepts kann und wird die vorgezogene Sprachstandserhebung helfen, mehr Kindern den Schlüssel zur Sprache an die Hand zu geben. Das bewährte Verfahren zur Einschätzung des Sprachförderbedarfs wird gerade unter wissenschaftlicher Begleitung weiterentwickelt. Das alles ist im Bildungsausschuss schon lange erwähnt. Sprachförderung setzt an der entscheidenden Stelle im Bildungsweg der Kinder an, an dem wir Sprachförderung auch seit vielen Jahren ausbauen. Rheinland-Pfalz hat deshalb auch seit Langem die Grundlagen dafür gelegt, dass Kinder so früh wie möglich ohne Hürden täglich in der Kita Sprachförderung bekommen können. Es ist schon vieles genannt: die Beitragsfreiheit, die altersintegrierte Sprachförderung. Nur durch unsere guten Kitas kann Sprachförderung auch wirken, weil es zunächst einmal eine Bestandsaufnahme ist, wenn wir Sprachstandseinschätzungen durchführen. Die Förderung erfolgt dann gezielt in der Kita. Die wichtige Grundlage dafür – das hat Herr Abgeordneter Köbler genannt – ist die Beobachtung, Dokumentation und Sprachbildung durch unsere kompetenten pädagogischen Fachkräfte. In jeder rheinland-pfälzischen Kita wird es eine Sprachförderbeauftragte zu diesem Thema geben, die das besonders im Fokus hat; auch das ist Teil unseres Sprachförderkonzepts. Wir haben die Sprachförderung in Kita und Grundschule verzahnt. Beide Bereiche, Kita und Grundschule, arbeiten mit dem gleichen landeseigenen, bundesweit anerkannten Sprachförderkonzept. Das gehört mit dazu. Wie in allen anderen Ländern in Deutschland arbeiten wir weiter daran. Es gehört dann dazu, dass zu Beginn der ersten Klasse noch einmal festgestellt wird, was Kinder können und welchen individuellen Förderbedarf sie haben, damit man da weiter gezielt ansetzen kann. All das geht nicht von heute auf morgen, wenn es gut sein soll. An dem Übergang von der Kita in die Grundschule schließen sich die Maßnahmen des Neun-Punkte-Plans an. Dazu gehört, wie schon erwähnt, die eine Stunde mehr Deutsch genauso wie die zusätzliche tägliche Leseförderung, aber auch Diagnose- und Förderinstrumentarien wie „Lesen macht stark“ oder „2P“. Daneben setzen wir auf 15 Stunden Deutschintensivkurse und den verpflichtenden Grundwortschatz. Wir haben Feriensprachkurse und Hausaufgabenhilfe, und wir holen die Kinder individuell ganz gezielt dort ab, wo sie stehen. Die vorgezogene Schulanmeldung wird sich in dieses Gesamtkonzept genau einpassen, weil damit noch mehr Zeit für die Sprachförderung in der Grundschule bleibt. Wenn der Sprachförderbedarf festgestellt wird, auch das ist schon erwähnt, erfolgen 15 Stunden pro Woche Sprachförderung in einer Kita. Perspektivisch sehen wir deshalb vor, dass alle Kinder – das ist mehrfach im Bildungsausschuss erwähnt worden und steht auch im Neun-Punkte-Plan –, das heißt auch diejenigen, die im Alter von viereinhalb Jahren keine Kita besuchen, verbindlich ein Einschätzverfahren durchlaufen, um den Sprachstand festzustellen. Dafür erarbeiten wir gerade ein Konzept gemeinsam mit der Praxis, sodass wir in den kommenden zwei Jahren eine Sprachstandserhebung für alle Kinder auf den Weg bringen können, (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) an die sich dann direkt auch die Förderung anschließt. Sonst nutzt es nichts. Meine sehr geehrten Damen und Herren, der richtige Weg ist, die Stärken in der Kita und die Stärken in der Grundschule miteinander zu verzahnen. Deshalb geht auch der Antrag der CDU-Fraktion an der Sache vorbei. Sie wollen sozusagen das Vorschuljahr haben, aber Sie beschreiben in Ihrem Antrag selbst, dass Sie noch kein Konzept haben, das müsse erst erarbeitet werden. Konzeptlose Bildungsexperimente wollen wir nicht. Wir brauchen nämlich beides, wir brauchen Konzepte, und wir brauchen die jeweiligen Akteure, die sie umsetzen mit ihren Kernkompetenzen, nämlich die Kita und die Grundschule. Es ist schon erwähnt worden, deshalb haben wir jetzt die Grundschulordnung und auch die Verwaltungsvorschrift für die Unterrichtsorganisation geändert. Ich darf zum Abschluss vielleicht den VBE-Vorsitzenden zitieren, der das so kommentiert: „Endlich werden die Lehrkräfte an den Grundschulen deutlich entlastet und erhalten mehr Zeit für die Erfüllung ihrer Aufgaben.“ Auch das ist wichtig, mehr Zeit für das Lernen der wichtigen Kompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen. Daran werden wir weiterarbeiten. Deshalb sehe ich den Antrag weiter als Bestätigung dieses Wegs. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
