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Dr. Stefanie Hubig

18.04.2024 Sitzungen 18/65

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, wir sind uns weitgehend einig, was die Ziele anbelangt. Wir möchten, dass die Kinder, die in einen neuen Lebensabschnitt gehen, die von Kitakindern zu Schulkindern werden, für die dieser Lebensabschnitt und das, was kommt, aufregend und wichtig ist, bestmöglich vorbereitet sind, wenn sie in die Schule gehen. Wir möchten auch, dass der Übergang gut gelingt, dass er für die Kinder ein angenehmer Übergang ist und sie dann in der Schule starten können. Ich möchte aber zwei Dinge sagen. Erstens: Die Kita ist keine Schule. Natürlich sind die Kitas Stätten frühkindlicher Bildung. Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist wirklich hervorragend. Da kann man einfach nur Danke sagen. (Beifall bei der SPD sowie der Abg. Pia Schellhammer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Unsere Kinder sind auch keine kleinen Erwachsenen. Kita und Schule sind unterschiedliche Systeme. Weil es unterschiedliche Systeme sind und weil sie auch einen unterschiedlichen Zugang zur Bildung haben, haben wir als Landesregierung schon sehr früh gesagt – das steht schon in unserem Koalitionsvertrag –, das Thema „Übergang Kita/Grundschule“ ist eines unserer Schwerpunkte. Wir wollen, dass er gelingt. Deshalb ist die Regelung, dass die Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule verpflichtend ist – das ist hier schon mehrfach angesprochen worden –, und die Kinder sollen natürlich gut diesen Übergang schaffen. Die Ziele sind klar. Was uns aber trennt ist das, was Sie vorschlagen. Sie formulieren Ziele, aber Sie formulieren eigentlich überhaupt keine Maßnahmen. Sie haben als Vorschlag einmal das Bildungsportfolio. Was das ist, bleibt wage. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, was Sie konkret damit meinen. Das soll auch erst einmal die Wissenschaft ausarbeiten. Das Zweite ist, dass Sie sagen, Sprachstandserhebung für alle ab viereinhalb Jahre. Wir haben das schon vorgesehen, erst einmal für die Kinder, die nicht in der Kita sind. Das ist uns ganz wichtig; denn gerade bei diesen Kindern müssen wir schauen, ob sie Sprachförderbedarf haben, aber wir wollen das perspektivisch auch auf die anderen Kinder ausdehnen. Das kann man aber alles nicht von einem Tag auf den anderen machen. Deshalb sind wir guter Dinge, dass wir das zeitnah weiter vorantreiben. Jetzt kommen erst einmal die Kinder, die nicht in der Kita sind. Die Eltern werden verpflichtet, wenn ihre Kinder Sprachförderbedarf haben, diese zu entsprechenden Sprachfördermaßnahmen anzumelden. Sprachliche Förderung, das Erlernen von Sprache, ist für uns ein ganz zentrales Anliegen. Sprachbildung und -förderung ist kein Anhang zum Kitaalltag. Der ganze Kitaalltag muss Sprachförderung sein, vom Bringen der Kinder bis zum Abholen, von der Spielsituation, von der Interaktion mit den Fachkräften, alles muss Sprachbildung und Sprachförderung sein. Deshalb haben wir, weil das auch in der Verantwortung unserer Fachkräfte liegt, Sprachbeauftragte für die Kitas vorgesehen, und wir wollen aber auch, dass die alltagsintegrierte Sprachförderung gelingt. Deshalb gibt es Fortbildungen dazu; deshalb gibt es ein Kompendium und ein Landescurriculum. Das Landescurriculum „Mit Kindern im Gespräch“ ist eines, das für das gesamte Land gilt, für alle Kitas, übrigens wie die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen. Ich kann nachvollziehen, was Sie sagen, Frau Groß, wir wollen, dass es überall im Land gleich ist. Das wollen wir bei den Schulen übrigens genauso wie bei den Kitas. Diese Voraussetzung gibt es. Wir sind dabei, dass wir diese Voraussetzungen vor Ort konkret umsetzen. Das Curriculum „Mit Kindern im Gespräch“ ist immer wieder in Evaluationsstudien. Es bekommt sehr, sehr gute Ergebnisse. Wir sind auch von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission positiv hervorgehoben worden. Ich glaube, dass genau das schon einmal ein großer Bestandteil ist; denn es gilt in den Kitas genauso wie es in den Grundschulen gilt. Damit Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer miteinander arbeiten und zusammenarbeiten können, bieten wir Fortbildungen für beide an; denn es ist tatsächlich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, und es gehört viel dazu, dass strukturiert und regelmäßig in allen Kitas, in allen Schulen dieser Übergang klappt. Die Forderung nach einem Bildungsportfolio für die Kitas ist eine – ich habe es gerade schon gesagt –, bei der wir nicht wirklich wissen, was dahinter stecken soll. Was wir aber tun, ist, dass wir den Weg mit der Wissenschaft gemeinsam gehen. Wir investieren über 1 Million Euro in den Übergang Kita/Grundschule für Modelle, für verschiedene Arten, für gute Ideen, wie man das gestalten kann, aber auch für Wissenschaft. Wir haben ein Projekt, das heißt „Diskursive Qualitätsentwicklung bedarfsgerechter Übergänge“, kurz DebÜ. Das klingt kompliziert, hat aber ein klares Ziel. Wir schauen uns an: Welches Wissen brauchen wir? Welche Erfahrungen können wir nutzen? Welche Impulse brauchen wir, wie man in Kitas und in Grundschulen im ländlichen, aber auch im städtischen Gebiet die Strukturen für den Übergang weiter ausbauen kann? Wie kann man sie festlegen? Wie kann man es verankern, damit sie genau vor Ort passen? Es gäbe noch viel zu dem Thema zu sagen. Es ist in der Tat ein wichtiges Thema. Ich bin auch froh, dass wir heute darüber sprechen können. Zum Schluss würde ich gerne noch etwas zur AfD sagen. Abgeordnete Nieland hat, fand ich, heute wieder einmal die komplette bildungspolitische Inkompetenz der AfD dargestellt. Sie haben das beschränkte Weltbild der AfD auch heute wieder vorgezeigt, ihre ideologisch nationalen Vorstellungen, die Sie haben. Es ist immer wieder die alte Leier. Sie haben keinen Ton darüber verloren, wie Sie mit den Kindern umgehen, die hier sind und die natürlich in der Kita sind und in die Schule sollen, die Sprache lernen sollen, die mit anderen Kindern umgehen sollen. Diese Kinder sind hier. Ich weiß, wie Ihre Fantasien darüber sind. Sie wollen, dass diese Kinder verschwinden. (Zuruf des Abg. Dr. Jan Bollinger, AfD) Das werden sie nicht. Sie machen keine Bildungspolitik, sondern Sie machen nur Vertreibungspolitik. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zuruf des Abg. Dr. Jan Bollinger, AfD)

Protokoll ↗