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Philipp Fernis

FDP 17.04.2024 Sitzungen 18/64

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Biotechnologie ist eine der Technologien, in denen das größte Potenzial liegt, um das Leben der Menschen in Zukunft nachhaltig zu verbessern. Kurz nach der Debatte zur Corona-Aufarbeitung darf man in der Tat noch einmal daran erinnern, dass die Corona-Pandemie das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, die auch, weil Viren Teil der Natur sind, eine Geschichte von Seuchen ist, von Seuchen, die zum Teil schwerwiegende Folgen hinterlassen und erhebliche Anteile der Bevölkerung in der Vergangenheit das Leben gekostet haben, eine Pandemie war, die der Mensch beendet hat, die der Mensch beendet hat durch Technologie, und die Menschen beendet haben, die innerhalb kürzester Zeit mit einer zu diesem Zeitpunkt in der Breite noch nie angewendeten Technologie einen Impfstoff entwickelt haben, und zwar mit einer Technologie, die maßgeblich hier an der Universität in Mainz entwickelt wurde. Diese Geschichte ist übrigens eine Geschichte, wie Geschichten von wissenschaftlicher Innovation ganz oft laufen. Am Anfang stand ein Wissenschaftler, den viele Kolleginnen und Kollegen für verrückt gehalten und die ihm gesagt haben, der Ansatz, das kann nicht funktionieren. Das ist eben dann die Rolle, sage ich an dieser Stelle ganz klar auch als Freier Demokrat, die staatliche Hochschulen haben: solche Forschung trotzdem zu ermöglichen, auch wenn sie noch sehr, sehr weit weg davon ist, dass es ein anwendungsfertiges Produkt geben könnte, dass es etwas geben könnte, was die Forschungskosten refinanziert. Das sind Dinge, die Unternehmen, die im Wettbewerb, die im Markt stehen, eben nicht tun können, wenn der Abstand zwischen der wissenschaftlichen Forschung und dem Produkt noch so groß ist. Genau das wurde in Mainz ermöglicht. Dann traf diese wissenschaftliche Forschung auf ein Umfeld, das unternehmensfreundlich ist. Dann wurde die Ausgründung ermöglicht. Dieses Unternehmen mit dem Namen BioNTech, das kennen wir jetzt alle. Die Landesregierung arbeitet mit der Unterstützung der sie tragenden Fraktionen konsequent daran, dass diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wird und dieser Erfolgsgeschichte eine ganze Reihe weiterer Erfolgsgeschichten folgen. Es ist dann eine tolle Nachricht, dass sich mit Kadans ein Unternehmen in Mainz ansiedeln wird, das genau da auch einen Schwerpunkt hat, nämlich Menschen Möglichkeiten, Technologiemöglichkeiten, zur Verfügung zu stellen, die eine Idee aus der Wissenschaft umsetzen wollen in ein Produkt. Wir haben es damit zu tun, dass wir vielfältige Herausforderungen haben. Es gibt noch viel zu viele Erkrankungen, die wir nicht adäquat behandeln können und bei denen die Biotechnologie große Potenziale hat. Wir sehen aber auch, dass der Klimawandel es notwendig macht, dass wir uns in der Art und Weise unserer Nahrungsmittelproduktion anpassen. Hier hat grüne Biotechnologie ebenfalls ein Zukunftsfeld, ein Feld, das es uns ermöglichen wird, in Zukunft deutlich schneller, deutlich zielgerichteter Pflanzen vor Erkrankungen zu schützen, ihnen dabei zu helfen, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Alles das unterstützt die Landesregierung sehr breit und maßgeblich mit drei zentralen Bausteinen für den Erfolg einer solchen Technologie. Das ist Infrastruktur. Ich habe das angesprochen. Das ist zunächst einmal eine Wissenschaftsinfrastruktur, bei der wir in diesem Haushalt die Milliardengrenze der Hochschulfinanzierung überschritten haben, wo wir sehr, sehr viel Geld zur Verfügung stellen für wissenschaftliche Forschung und zugleich – der Spatenstich von TRON ist hier zu Recht angesprochen worden – Strukturen bereitstellen. TRON ist maßgeblich eine Gesellschaft, die direkt und indirekt dem Land Rheinland-Pfalz gehört, die hier wieder Möglichkeiten schafft, dass sich Menschen, die aus Forschung Produkte entwickeln wollen, außerhalb des universitären Feldes in Richtung des Markts begeben können. Daniela Schmitt hat vor Kurzem die Innovationsagentur als Wirtschaftsministerin an den Start gebracht, die dafür sorgen soll, die Verzahnung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu stärken, gerade die mittelständische Wirtschaft dabei zu unterstützen, näher dran zu sein und zu stärken bei der Umsetzung von Dingen, die an unseren Hochschulen entwickelt werden, weil das der nächste zentrale Baustein ist. Der weitere Baustein sind Fachkräfte. Die bilden wir an unseren Universitäten, an unseren Hochschulen, aber eben auch in der ganzen Breite der Bildungslandschaft aus. Dieses Thema gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig – man fragt manchmal, warum denn ein Unternehmen wie Elli Lilly jetzt da hingeht, wo es schon Pharmaunternehmen gibt – ist das ein Vorteil, wenn es um die Themen der Fachkräftegewinnung geht, weil Leute lieber in eine Region kommen, in der sie, wenn sie feststellen, dass sie sich in einem Unternehmen nicht so entwickeln können, wie sie das möchten, wenn sie eine andere Idee haben, wechseln können, ohne dass sie mit der Familie umziehen müssen, andere Arbeitgeber finden, bei denen ihr Wissen gefragt ist. Das nennt man Clusterbildung. Das ist etwas, das wir hier sehr erfolgreich forcieren und uns im Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte in Rheinland-Pfalz hilft. Zuletzt will ich erwähnen, dass sich auch der Bund hier neu aufgestellt hat mit der Bundesagentur für Sprunginnovationen unter einer liberalen Bildungsund Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger, die sich dafür einsetzt, dass das, was in der Vergangenheit zu oft passiert ist (Glocke der Präsidentin) – die Beispiele kennt jeder, der sich damit beschäftigt, dass Dinge in Deutschland entwickelt, aber im Ausland kommerzialisiert wurden –, in Zukunft nicht mehr stattfindet, sondern wir hier auch den ökonomischen, den Wachstumserfolg von Technologie, die hier entwickelt wird, gemeinsam einfahren können. Herzlichen Dank. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)

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