Dr. Katrin Rehak-Nitsche
Sehr geehrte Präsidentin, sehr verehrte Damen und Herren! Was haben die Wi-Fi-Technologie, die LEDs und die Corona-Impfung gemeinsam? – All diese Technologien werden heute flächendeckend eingesetzt. Alle befinden sich wahrscheinlich hier in unserem Hohen Hause, und alle sind nur möglich gewesen mit jahrzehntelanger Forschung. Wi-Fi zum Beispiel wurde von einem australischen Astronomen entwickelt, der eigentlich – er wollte keine TikTok-Videos schauen – ultraschwache Radiosignale finden wollte, die aus schwarzen Löchern kommen. Die schwarzen Löcher hat er nicht gefunden, aber Wi-Fi benutzen wir heute alle. Die Geschichte der LEDs ist nicht minder spannend. Es gab schon länger rote und gelbgrüne LED, aber das blaue Licht fehlte. Man dachte lange, es wird nie gefunden, aber es wurde letztendlich durch eine unkonventionelle Idee erforscht. 2014 gab es den Durchbruch und den Nobelpreis für Physik. Zur Corona-Impfung muss man in Rheinland-Pfalz wenig sagen. Für die entsprechende Grundlagenforschung gab es letztes Jahr den Medizinnobelpreis für Katalin Karikó und Drew Weissmann. Karikó war bis vor Kurzem in Mainz tätig. Ihre Versuche gehen bis in die 80er-Jahre zurück. Ihren Durchbruch Anfang der 2000er-Jahre hat zunächst niemand bemerkt, nicht einmal die renommiertesten Wissenschaftsjournale, nämlich Science und Nature. Das zeigt genau das Wesen von Forschung. Wenn man anfängt zu forschen, weiß man nie, ob man irgendwo hinkommt oder was dabei herauskommt. Selbst wenn man es geschafft hat, weiß man manchmal noch nicht, dass man es gerade geschafft hat. Ohne diese Anfänge wird es nie Durchbrüche geben, und deswegen sind sie so wichtig. Deswegen brauchen wir sie so dringend. Studien zeigen, nahezu alle großen technologischen Errungenschaften in den letzten Jahrzehnten sind nur durch öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung möglich gewesen. Aus diesem Grund fördern wir in Rheinland-Pfalz die ganze Bandbreite von Forschungen, von den Grundlagen bis zu neuen Anwendungen, legen dabei einen besonderen Fokus auf Biotechnologie und Lebenswissenschaften und verknüpfen diese mit den vielversprechenden Ansätzen aus anderen Disziplinen, zum Beispiel der Künstlichen Intelligenz. Damit bauen wir auf jahrzehntelangen Erfahrungen auf und machen das Leben von Millionen von Menschen besser; denn Biotechnologie hat enorme Potenziale, was Leben und Altern, Nachhaltigkeit, Bioökonomie und vieles andere angeht. Allerdings ist solch hochkomplexe Forschung, zum Beispiel Biotechnologie, wie eine Diva, könnte man sagen. Sie geht nicht überall hin, sie macht ein bisschen, was sie will. Der Erfolg ist wirklich sehr voraussetzungsreich. RheinlandPfalz kann genau hier punkten; denn hier findet sich bereits ein sehr gutes und sich weiterentwickelndes, hochspannendes Biotech-Ökosystem, in dem Forschung auf fruchtbaren Boden fallen kann, wie wir gesehen haben. In der Debatte vorhin konnten wir schon einiges hören. Neue Firmen siedeln sich an, neue Laborflächen entstehen. Tatsächlich sind Laborflächen oft ein Nadelöhr in dieser Forschung. Es kommen viele schlaue Menschen dazu. Um diese tobt ein Wettbewerb, im Übrigen nicht nur um die Köpfe – das ist immer ein witziger Spruch –, sondern es sind die ganzen Menschen, die kommen. Wir müssen uns nicht verstecken, im Gegenteil. Zum Beispiel TRON, Translationale Onkologie, hat den Auftrag schon im Namen. Was heißt Translation? – Translationale Forschung – das wurde ich im Vorfeld gefragt – hat mit Sprachübersetzung nicht viel zu tun, mit Übersetzung aber schon. Es bedeutet die Implementierung von Forschung, also quasi die Übersetzung von medizinischer Grundlagenforschung, von Forschungsergebnissen in die konkrete Gesundheitsversorgung. Dafür arbeiten viele Menschen zusammen, aus der Grundlagenforschung, patientenorientierten Forschung und der Patientenversorgung. Man könnte sagen, aus dem Labor an die Betten und dann in die Gesellschaft. Für TRON wurde für die Forschung an Wirkstoffen zur immuntherapeutischen Behandlung von Krebs gerade der Grundstein für ein neues Gebäude mit 10.000 Quadratmeter Labor- und Forschungsfläche gelegt. Hauptanteilseigner ist das Land, und hier nehmen wir 170 Millionen Euro in die Hand, um das zu fördern. (Beifall der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Wir stärken die Forschungs- und Lehrinfrastruktur in den anderen, für die Biotechnologie relevanten Bereichen mit mehr als 200 Millionen Euro. Zum Beispiel gibt es die Neubauvorhaben für die Pharmazie an der JGU oder den Reinraum am Campus Zweibrücken der Hochschule Kaiserslautern oder die bauliche Neuaufstellung von Chemie und Biologie an der RPTU am Standort Kaiserslautern. Nicht zu vergessen ist unsere Universitätsmedizin. Über 2 Millionen Euro haben wir für die Baumasterplanung eingestellt. Die Baumasterplanung ist angeschoben. Das ist keine Investition in Beton, sondern in neue Infrastruktur für medizinische Lehre, Forschung, Translation zum Wohle der Patienten und der Bürgerinnen und Bürger. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Das ist die Basis für künftige biotechnologische Durchbrüche. Dafür nehmen wir bis 2026 800 Millionen Euro in die Hand, gut begleitet durch den Biotechkoordinator Eckhard Thines und eine Roadmap zur Orientierung. (Glocke der Präsidentin) Ich hoffe, dass wir alle in ein paar Jahren sagen können, die Corona-Impfung war erst der Anfang. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
