Dr. Herbert Drumm
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! „Der Mensch ist von Natur aus böse. Wenn er dennoch gut ist, so ist dies die Frucht der Kultur.“ Dieses Zitat wird dem chinesischen Philosophen Hsün-Dse zugeschrieben, der von 286 bis 238 vor Christus lebte. Gerade in den heutigen Zeiten wirkt diese Erkenntnis aktueller denn je. Kultur verbindet, Kultur fördert die Selbsterkenntnis, Kultur trägt dazu bei, den sozialen Frieden zu bewahren, unabhängig vom Jargon. Musik, Schauspiel, bildende Kunst, Prosa und Lyrik, Kabarett, Filmkunst, Vorträge, Ausstellungen und mehr, gerade in Rheinland-Pfalz ist das Angebot vielfältig. Sehr oft sind es kleine und kleinste Initiativen, die dafür sorgen, dass die Szene in unserem Bundesland so vielfältig ist. Deshalb begrüßen wir es, dass die CDU-Fraktion im heutigen Plenum den Blick auf den ländlichen Raum lenkt, auch wenn wesentliche Punkte mit dem Kulturentwicklungsplan abgedeckt werden. Lassen Sie mich die Perspektive auf die lokalen Zentren und Kulturstadtteile erweitern, die oft im Schatten der großen Einrichtungen in unseren Oberund Mittelzentren stehen, die von den Kommunen, dem Land oder finanziell gut ausgestatteten Stiftungen getragen werden. Oft tragen diese Initiativen ihr Programm an die im Antrag angesprochenen sogenannten Dritten Orte, die Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten und dann zu verfallen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das b-05 Kunst- und Kulturzentrum Montabaur, das saisonal betrieben wird und in einem ehemaligen NATO-Munitionslager angesiedelt ist. Hier steht ein Verein in der Verantwortung. Ein weiterer Verein – ebenfalls in Montabaur – sorgt im Rahmen von „Kultur im Keller“ für ein vielfältiges Programm. Als weitere Beispiele von vielen nenne ich auch das Theater Mittelrhein im Kultur-Gut Urbar oder das Theater am Ehrenbreitstein. Im letztgenannten Fall agieren die Akteure als Kleinunternehmer in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Für das gleiche Modell haben sich die Betreiber des Kultursalons Casa Una in Bad Kreuznach entschieden. In allen Fällen haben sich die Initiatoren einen Traum verwirklicht. Sie übernehmen das unternehmerische Risiko und sind bereit, mit allem zu haften, was sie haben. Trotz der begrenzten Mittel ist die Qualität des Kulturangebots oft erstaunlich gut und alles andere als provinziell. Oft fragt man sich: Wie machen die das bloß? – Das wird ganz besonders am Beispiel des Provinzkinos Simmern deutlich. Das ist Programmkino im besten Sinne, in dem große und kleinere Produktionen ein Forum finden. Um den Reigen abzuschließen, erinnere ich an die vielen Vereine, die Heimatmuseen betreiben und das historische Erben pflegen. Zur Wahrheit gehört aber auch, die Vielfalt des Kulturlebens in unserem Land ist bedroht. Das liegt vor allem an den beschränkten finanziellen Mitteln. Oft läuft es nur, weil die Akteure bereit sind, ganz oder teilweise auf Gagen und Honorare zu verzichten oder zumindest Sonderkonditionen anzubieten. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass dies ein Dauerzustand ist. Ein anderer Punkt ist, dass die Bereitschaft der Bürger, sich ehrenamtlich zu engagieren, nachgelassen hat. In der Regel ruht die Last auf den Schultern weniger, die oft im Rentenalter sind. Wie können wir das Problem lösen? – Sicherlich kann die Verbesserung bestehender Netzwerke die Identifikation verbessern und damit die Motivation zur Mitarbeit stärken. Ich erinnere an die guten vorbereitenden Veranstaltungen zum Kulturentwicklungsplan Rheinland-Pfalz, doch das reicht nicht. Das bestehende Beratungs- und Bezuschussungsangebot, wie das im Rahmen des Kultursommers, wird perspektivisch ebenfalls nicht ausreichen. Viele Akteure wissen trotz des Engagements des Kulturbüros Rheinland-Pfalz nicht, wie und wo sie an Zuschüsse kommen. Kritisiert werden auch sehr oft die bürokratischen Hürden und die erforderliche Unterordnung in ein Leitthema, das womöglich im ländlichen Raum besonders schwer ist. Die wenigen Beispiele mögen an dieser Stelle genügen. Wir als FREIE WÄHLERLandtagsfraktion stimmen dem Antrag der CDU-Fraktion zu. Vielen Dank. (Beifall der FREIEN WÄHLER)
