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Josef Winkler

GRÜNE 14.03.2024 Sitzungen 18/63

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man an „Dritte Orte“ denkt, denken viele sofort an Helsinki. So auch ich. Am Rand der Innenstadt steht dort die Zentralbibliothek Oodi. Oodi ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Beispiele für einen „Dritten Ort“ weltweit. Auch in der Zentralbibliothek Oodi kann man, wie der Name schon sagt, Bücher ausleihen und lesen, aber man kann noch viel mehr. Es gibt einen Co-Working-Space und eine Bibliothek der Dinge, in der man zum Beispiel eine Bohrmaschine ausleihen kann. Im Ruhebereich kann man in gemütlichen Sesseln entspannt lesen oder dösen. Am anderen Ende des Gebäudes toben die Kleinsten im großzügigen Kinderbereich. Man kann Kaffee trinken, Bekannte treffen, mit Fremden ins Gespräch kommen oder einfach auf das Grün vor den großen Fenstern schauen. Auf einer Tafel im ersten Stock steht: Jeder hat das Recht, in dieser Bibliothek zu sein. Herumhängen ist erlaubt, ja sogar erwünscht. Rassismus und Diskriminierung haben in dieser Bibliothek keinen Platz. Oodi ist unser gemeinsames Wohnzimmer. – Vielleicht denken Sie jetzt, das klingt alles gut und schön, aber was hat das mit Rheinland-Pfalz zu tun? Mir geht es wie Frau Schneid. Wenn ich an „Dritte Orte“ in Rheinland-Pfalz denke, denke ich direkt an die Stadtbibliothek in Ludwigshafen. (Beifall des Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Danke. Fürs Protokoll, das war Herr Dr. Braun mit dem Applaus. (Vereinzelt Heiterkeit im Hause) Genau wie Oodi ist die Stadtbibliothek längst kein reiner Bücheraufbewahrungsort mehr. Auch dort gibt es eine Kinder- und Jugendbibliothek, einen Makerspace mit 3D-Drucker und Greenscreens für Videos. Es gibt eine Bibliothek der Dinge und viele Sitzgelegenheiten. Auch Bücher und Stille kann man in der Bibliothek finden, aber viel häufiger wird geredet, gespielt, gelernt und gelacht; ein zweites Wohnzimmer eben. Kollege Liguori hat schon den Soziologen Ray Oldenburg zitiert, der „Dritte Orte“ als Möglichkeitsräume, in denen Konversationen ausdrücklich erwünscht sind, definiert. Sie sollen allen Bevölkerungsschichten offenstehen und ihnen wie eine zweite Heimat sein. Die Räumlichkeiten sollten so gestaltet sein, dass man sich dort gerne aufhält und sie für viele Dinge nutzen kann. „Dritte Orte“ können also eine Chance sein, um Kultur und bürgerschaftliches Engagement in unseren Städten und Dörfern zu fördern. Das haben auch die Kulturschaffenden bei der Erarbeitung der Kulturentwicklungsplanung erkannt, über die wir heute schon gesprochen haben. Deshalb gibt es im Ergebnisbericht auch eine Handlungsempfehlung zur Förderung von „Dritten Orten“. Viele haben es heute Morgen schon betont und auch ich betone es an dieser Stelle noch einmal, Ziel ist es, die Handlungsempfehlungen aus dem Ergebnisbericht auch tatsächlich umzusetzen. Allerdings kann nicht alles sofort und gleichzeitig passieren. Bisher haben wir zusätzliches Geld im Kulturhaushalt immer prioritär in Köpfe und weniger in Steine, also in Gebäude, gesteckt. Ich denke, diese Priorität werden wir noch eine Weile beibehalten müssen, zumindest so lange, bis die Honoraruntergrenzen umgesetzt sind und stärkere hauptamtliche Strukturen geschaffen wurden. Das bedeutet nicht, dass Initiativen, die schon heute einen „Dritten Ort“ schaffen wollen, keinerlei Förderung bekommen können. Darauf wurde schon vom Kollegen Liguori hingewiesen. Die Stadtbibliothek Ludwigshafen hat beispielsweise für ihr neues Konzept und die Baumaßnahmen Landesmittel bekommen. Über das LEADERProgramm können im ländlichen Raum ebenfalls viele Projekte umgesetzt werden. Die Innenausstattung und Einrichtung von „Dritten Orten“ kann prinzipiell auch aus dem Strukturförderprogramm des Kulturministeriums finanziert werden. Es gibt also schon einige Finanzierungsquellen für mögliche „Dritte Orte“. Klar ist, diese Finanzierungsquellen wollen wir ausbauen. Wir werden in Zukunft sicherlich auch „Dritte Orte“ stärker fördern. Mutmaßlich ist das nach den aktuellen Planungen aber eher ein Projekt für einen etwas späteren Zeitpunkt. Vorerst liegt die Priorität noch voll und ganz auf der Förderung von Kulturschaffenden; denn nur solange wie wir aktive Kulturschaffende und funktionierende kulturelle Strukturen vor Ort haben, so lange können auch etwaige neue Räumlichkeiten bespielt werden. Vorerst gilt jedenfalls meiner Meinung nach, erst die Menschen, dann die Steine. Trotzdem ist es gut, dass wir über das Thema „Dritte Orte“ hier gesprochen haben. Sie werden in Zukunft wichtiger werden, als sie das derzeit bereits sind. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)

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