landtag-rlp.de ↗

Manuel Liguori

SPD 14.03.2024 Sitzungen 18/63

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! In den 1980erJahren hat der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg den Begriff des „Dritten Ortes“ geprägt. Er beschreibt damit Orte für Begegnungen und Austausch in Abgrenzung zum ersten Ort, dem Zuhause, und dem zweiten Ort, der Arbeit. „Dritte Orte“ sind mehr als nur physische Räume. Sie sind Orte der Begegnung, des Austauschs und der Kreativität. Sie sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um zu lernen, zu wachsen und um sich zu engagieren. Sie sind Orte, die das kulturelle Leben in unserem Land bereichern. Die Förderung von „Dritten Orten“ ist eine Investition in unsere Gemeinschaft und in die Zukunft unseres Landes. Sie ermöglicht es uns, leer stehende Ladenlokale oder Produktionsstätten, aufgegebene Dorfkneipen, Museen, Kirchen, aber auch Musik-, Kunst- und Volkshochschulen sowie Bibliotheken in lebendige, dynamische Orte der Kunst, Kultur und Begegnungen zu verwandeln. Viele positive Beispiele gibt es bereits. Die Schaffung von „Dritten Orten“ ist eine langfristige Verpflichtung. Es erfordert eine mehrjährige Förderung, um längerfristige Prozesse zu ermöglichen und nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Wir fördern dies schon in vielen Bereichen. Einige Förderbeispiele möchte ich nennen. Die finanzielle Förderung für den Chorverband Rheinland-Pfalz wurde erhöht. Von gestiegenen Landeszuschüssen profitieren auch die Musikschulen mit ihren rund 1.600 Lehrkräften. Davon haben wir heute schon gehört. Die großartige, oft ehrenamtliche Arbeit kleinerer und mittlerer Museen in Rheinland-Pfalz rücken wir mit der Auszeichnung „Museum des Monats“ in den Fokus der Öffentlichkeit. Programmkinos werden beim Eigenanteil für das „Zukunftsprogramm Kino I“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt. Diese Regelungen haben wir auf alle Kinos im ländlichen Raum ausgeweitet. Das Land hat für die Zukunftssicherung der professionellen darstellenden Künste ein neues Förderinstrument eingeführt, nämlich die sogenannte Konzeptionsförderung. Eine eigenständige Bibliotheksentwicklungsplanung wurde gestartet. Zukunftssicherung durch Förderung der kulturellen Infrastruktur ist bereits Teil unserer Förderprogramme. In diesem Zusammenhang möchte ich das Förderprogramm „Zukunft durch Kultur“ und das Strukturförderprogramm des Landes nennen. Folgende Themen werden wir mithilfe der Kulturentwicklungsplanung angehen: Vereinfachung der Kulturförderung, Ausbau von Vernetzungsangeboten, Förderung von Formaten ländlicher Räume, Förderung eines flächendeckenden Kulturangebots, verbesserte Verankerung und Sichtbarmachung von Kultur, Einführung von Honoraruntergrenzen. Das haben wir heute Morgen schon miteinander diskutiert. Meine Ausführungen machen deutlich, dass das Land bereits eine hohe Förderkulisse zur Förderung von „Dritten Orten“ bereithält. Die abgeschlossene Kulturentwicklungsplanung ermöglicht es uns, unsere Bemühungen zu steigern und auszuweiten. In manchen Reden wird das Land Nordrhein-Westfalen als gutes Beispiel bei der Förderung von „Dritten Orten“ angeführt. Bei allem Lob für unser Nachbarbundesland sollten wir aber bedenken, dass jede Region ihre eigenen Herausforderungen und Bedürfnisse hat. Was im dicht besiedelten Land Nordrhein-Westfalen funktioniert, kann nicht eins zu eins auf den ländlichen Raum in Rheinland-Pfalz übertragen werden. Lassen Sie uns also den Fokus auf die Bedürfnisse der Menschen in unserem Bundesland legen und gemeinsam daran arbeiten, „Dritte Orte“ in ganz Rheinland-Pfalz zu etablieren und so das kulturelle Leben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land zu stärken. Den Antrag der CDU-Fraktion benötigen wir dazu nicht. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Manuel Liguori Protokoll ↗