Alexander Schweitzer
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Vielen Dank an die beantragende Landtagsfraktion der SPD, dass sie diese Aktuelle Debatte beantragt und es damit ermöglicht hat, das Thema „Gesundheitsfachberufe“ und damit zusammenhängend auch das Thema „Pflegenachwuchs“ in den Mittelpunkt unseres heutigen Austauschs zu stellen. Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit die Fachschule des BFW in Mainz besucht und mich dort mit jungen und schon länger nicht mehr so jungen Menschen getroffen. Sie haben mir gesagt: Ich habe durch die Schulgebührenfreiheit, die Ihr als Sozialministerium in Rheinland-Pfalz eingeführt habt, auch für mich persönlich die Entscheidung treffen können, in meinen Traumberuf zu wechseln. Ich habe das mit der Familie besprochen. Ich habe vorher schon etwas gemacht. Ich hatte eine Ausbildung, ich hatte ein Studium, aber war nicht wirklich immer happy. Ich habe aber gedacht, eigentlich würde ich gern etwas anderes machen. Ich sehe auch den Bedarf, ob es PTA oder MTA ist, ob es die weiteren Berufe sind, die schon geschildert wurden. Ich sehe den Bedarf, aber wie soll ich das denn machen, wenn ich mir schon ein Leben aufgebaut habe und dann skurrilerweise sogar noch Geld mitbringen muss, um einen Mangelberuf zu ergreifen? Da habt Ihr mir tatsächlich geholfen. – So war die Rückmeldung. Ich glaube, das ist etwas, das uns leiten sollte, über diese Fragen nicht sehr statisch nachzudenken und zu diskutieren, wie es teilweise auch passiert ist, sondern sich zu fragen: Was können wir in Rheinland-Pfalz auf der Landesebene dazu beitragen, dass Menschen tagtäglich sagen können, ich gehe in diese Berufe? Ich weiß, sie werden gebraucht, aber die Hürde ist mir womöglich noch zu hoch. Meine Damen und Herren, wir haben diese Hürde abgebaut, und ich will noch einmal das unterstreichen, was von meinen Vorrednern bereits gesagt wurde. Tatsächlich haben wir sie abgebaut und dabei nichts weniger als einen Boom bei den Gesundheitsfachberufen in Rheinland-Pfalz erreicht, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Natürlich ist es so, dass auch über Bereiche nachgedacht wird. Was passiert denn mit der Pflege? Ich will zunächst einmal unterstreichen, dass wir tatsächlich in diesen einzelnen Berufssparten teilweise eine Steigerung von bis zu 50 % der Absolventinnen und Absolventen und der Ausbildungszahlen haben. Auch im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege und der allgemeinen Pflege, die zwischenzeitlich in die Generalistik überführt ist, also bei den Pflegefachpersonen, haben wir mit unserer Fachkräfteinitiative nicht nachgelassen und können deshalb heute sagen, niemals gab es mehr Menschen, die in den Pflegeberuf, in die Gesundheitsfachberufe gehen, als zurzeit. Wir haben auch im Bereich der Krankenpflegepersonen allein vom letzten auf dieses Jahr einen Aufwuchs von über 4 % erreicht. Wir haben mehr Menschen, die in den Pflegeberuf der Generalistik eintreten. Wir haben in den ganzen Mangelberufen, die geschildert wurden, aufwachsende Zahlen zu verzeichnen. Meine Damen und Herren, wir haben inzwischen in Rheinland-Pfalz ein Luxusproblem, mit dem ich mich als Sozialminister beschäftigen darf, nämlich dass die Schulen zu mir kommen und sagen, wir haben so viele Menschen, die zu uns kommen und die Ausbildung machen wollen, dass die Räume nicht mehr reichen. Wir haben inzwischen sechs Ausgründungen und Neugründungen von Gesundheitsfachschulen in Rheinland-Pfalz. Das hätte noch vor einigen Jahren keiner geglaubt. Inzwischen ist das aber das Ergebnis unserer Politik, und natürlich freue ich mich darüber, dass Sie sich mit uns freuen. Ich verstehe auch – jetzt habe ich insbesondere Herrn Wäschenbach im Blick –, dass Sie so etwas machen wie den doppelten Oppositionsrittberger, einerseits den Erfolg ein bisschen kleinreden, ihn aber andererseits gleichzeitig für sich beanspruchen. (Zuruf des Abg. Michael Wäschenbach, CDU) Unterm Strich ist das aber nichts anderes als ein Kompliment an die Landesregierung. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zuruf des Abg. Michael Wäschenbach, CDU) – Natürlich ist das so. Wir sind in einer gesellschaftlichen Situation, in der wir froh sein müssen, wenn die jungen Menschen sagen, ich gehe in einen Beruf, in dem ich mich um andere kümmern darf und in dem die wichtigste Ressource die Ressource Mensch ist. Wir müssen doch gemeinsam froh darüber sein, dass die junge Generation, auf die manchmal auch ein bisschen scheel geschaut wird, sagt, ja, in Rheinland-Pfalz kann ich das tun, und ich kann es an viel mehr Stellen tun als noch vor wenigen Jahren. Deshalb bin ich sehr froh darüber, und ich freue mich über die Komplimente. Ich will aber auch deutlich sagen, wir werden nicht nachlassen. Ich setze natürlich auf die Unterstützung des Parlaments; denn die Ressourcen werden wir auch in Zukunft brauchen, was die Ausstattung unserer insbesondere privaten Gesundheitsfachschulen angeht. Meine Damen und Herren, in diesem Sinne vielen Dank für die Gelegenheit, dass wir das besprechen und damit natürlich das Signal aussenden: Wer in Rheinland-Pfalz lebt oder nach Rheinland-Pfalz kommt und in einen dieser wichtigen Berufe eintreten möchte, der findet hervorragende Verhältnisse, und das ist gut so. Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
