Susanne Müller
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die deutsche Sprache und fundierte Deutschkenntnisse sind der Schlüssel zum Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen. Sie ermöglichen Teilhabe und schaffen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht. Es muss also unser Ziel sein, diese Kenntnisse bei all unseren Schülerinnen und Schülern auszubauen und bestmöglich zu fördern. Dass wir hier besser werden müssen, zeigen die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022. Hier zeigen alle Bundesländer in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Zuhören Verschlechterungen im Vergleich zum Jahr 2015. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es im Bereich Lesen mehr Schülerinnen und Schüler, die in Bezug auf den mittleren Schulabschluss den Mindeststandard nicht erreichen. Spiegelbildlich sind dabei die Ergebnisse im Fach Englisch äußerst erfreulich, und das in fast allen Ländern. Rheinland-Pfalz ragt aus diesem positiven Trend sogar noch ein bisschen heraus, und es gilt festzustellen, dass rheinland-pfälzische Schülerinnen und Schüler die Rechtschreibung besser beherrschen als der Durchschnitt ihrer Altersgenossinnen und Altersgenossen, meine Damen und Herren. Klar ist, wir können mit den Ergebnissen im Lesen und Rechtschreiben nicht zufrieden sein und müssen alles daran setzen, besser zu werden. Das war auch eines der Learnings, die wir aus dem Abschneiden beim IQBBildungstrend 2015 gezogen haben. Diese Förderung setzt zu Beginn der Grundschulzeit an. Über die Förderung der basalen Kompetenzen haben wir uns schon hinlänglich ausgetauscht. Wir setzen auf den verbindlichen Grundwortschatz, auf individuelle Förderung und auf eine frühere Eingangsdiagnostik und haben so auch auf Empfehlung der Wissenschaftlichen Kommission in der 2. Klasse eine Stunde mehr Deutsch auf dem Programm, wie Sie es auch in dem Programm in dem Punkt begrüßen. Mit den Diagnose- und Förderprogrammen legen wir die Grundlagen, die zum Beispiel im Bereich des Zuhörens in der ersten und zweiten Ausbildungsphase für Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz konsequent aufgegriffen werden; denn sprachliche Bildung ist ein Querschnittsthema für alle Lehrerinnen und Lehrer und damit verbindlicher Studieninhalt, Inhalt des Vorbereitungsdienstes und Teil der Lehrkräftefortbildung, und das nicht erst seit gestern, meine Damen und Herren. Sie fordern in einem weiteren Punkt des Antrags weitere Analysetools neben ILeA plus und dem Paket „Potenzial & Perspektive“. Ich erläutere Ihnen gerne, was wir bereits machen. So wurde 2P inzwischen auch durch den Baustein Lernstand Deutsch speziell für die Kompetenzbereiche „Sprechen und Zuhören“, „Lesen“ und „Sprache und Sprachgebrauch“ erweitert, wissenschaftlich fundiert und geprüft. Ein weiteres Tool für den zweiten Punkt ist das Lerntool Deutsch 2P Xploria, das es auch in der DaZ-Variante gibt und die Förderung des Lesens und Zuhörens ergänzt, ebenso wie das Programm KERMIT, das neben Leseverstehen auch die Rechtschreibung erfasst, ebenso wie Englisch, Mathematik und die Naturwissenschaft und damit auch den fächerübergreifenden Aspekt Ihres vierten Forderungspunkts abdeckt. Nun zu Ihrem dritten Punkt. Was Sie beschrieben haben, machen wir eigentlich schon längst bei der Zusammenarbeit mit der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK, bei der Erarbeitung von Lehrplänen mit Wissenschaft, Studienseminaren, Lehrerinnen und Lehrern und Fachberaterinnen und Fachberatern. Ob sich ein Buch zur Lektüre eignet, entscheidet immer noch die Lehrerschaft; denn dies fällt auch unter den Begriff der didaktischen Freiheit. Kommen wir zum letzten Punkt einer gemeinsamen Qualitätsinitiative für Deutsch analog zur Offensive Mathematik. Die Stärkung der Basiskompetenzen ist ein zentrales Anliegen der Abstimmungsprozesse innerhalb der KMK, das auch durch das geplante Startchancen-Programm deutlich wird, an dem sich alle Länder beteiligen. Zur Stärkung der Basiskompetenzen gibt es auch hier ein neues Papier der KMK, das sukzessive geprüft und dann hoffentlich zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt wird. Aus den dargelegten Gründen sehen Sie, dass viele Ihrer Anmerkungen und Wünsche bereits berücksichtigt oder in Bearbeitung sind. Aus diesem Grund lehnen wir den Antrag ab. Ich möchte jedoch noch eines zu bedenken geben. Neben dem Leistungsdruck, den evidenzbasierten Verfahren und Diagnosetools muss auch genug Zeit und Raum sein, um Schule zum sozialen Erfahrungsraum zu machen. Bei Schülerinnen und Schülern muss neben der Wissensvermittlung auch die Persönlichkeitsentwicklung, Reflexion und Entwicklung der sozialen Kompetenzen im Fokus stehen; denn Schule ist so viel mehr. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
