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Dr. Stefanie Hubig

25.01.2024 Sitzungen 18/58

Vielen Dank. – Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich würde sagen, wir können eines feststellen: Im Ziel sind wir uns alle einig. Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche, die in Rheinland-Pfalz aufwachsen, die bei uns in die Schulen gehen, gut Deutsch können. Das brauchen sie, das ist der Schlüssel für ihre Bildung. Dies ist es nicht nur für Deutsch, sondern das ist es auch in Mathematik und in allen anderen Fächern. Anders können sie sich nicht integrieren, und wir möchten, dass sie sich integrieren. Über den Weg dahin streiten wir. Der Vorschlag der CDU ist unterm Strich in vielem ganz ähnlich wie das, was wir ohnehin schon machen. Das hat uns ein bisschen gewundert, als wir es gelesen haben. Er ist in einem zentralen Punkt aber anders, und dazu komme ich gleich. Wo ist er ähnlich? – Er ist darin ähnlich, dass wir eigentlich das machen, was die CDU fordert. Die Kinder bei uns, die kein Deutsch können, die in die Schule kommen, bekommen Deutsch-Sprachintensivkurse bis zu 20 Stunden die Woche. Das ist hier schon mehrfach gesagt worden. Sie nehmen dann aber in der Klasse, in der sie sind, mit den anderen Kindern am Fach Mathe, am Fach Musik, am Fach Sport teil, also an den spracharmen Fächern, dort, wo das schon geht. Das ist das, was die CDU auch fordert. Wir integrieren sie aber von Anfang an in eine Klasse. Sie sind nicht in einer Klasse, alle zusammen getrennt von den anderen, sondern sie sind in einer Klasse mit den Kindern zusammen und gehen dann zeitweise aus dieser Klasse heraus. Sie haben dadurch die Gelegenheit, in der Pause mit allen anderen zusammen zu spielen, mit ihnen zu sprechen. Sie fühlen sich einem Klassenverband angehörig, in dem andere Kinder sind, in dem Kinder sind, die schon ganz lange hier leben, die deutsch sind, die Deutsch sprechen und die ihnen eben auch nicht nur Sprache, sondern auch gemeinsame Werte und vieles andere vermitteln und ihnen auch sagen, Mensch, komm mit in meinen Sportverein, weil Du da auch mit Fußball spielen kannst, auch wenn Du noch nicht gut Deutsch kannst. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Dabei lernen sie Deutsch. Das ist unser Weg, und das ist der richtige Weg. Das sagt uns die Wissenschaft, die ganz klar Stellung dazu nimmt. Sie sagt, dass der Weg einer integrativen Sprachförderung das Richtige ist. Das sehen wir auch bei den anderen Ländern, die das anders machen. Es wurde hier immer wieder Hessen als gutes Beispiel genannt. In Hessen gibt es tatsächlich Intensivklassen. Was sieht man da? – Beim letzten IQBBildungstrend bei den 9. Klassen hat Hessen in der Domäne Deutsch deutlich stärker verloren als Rheinland-Pfalz, obwohl sie Intensivklassen haben. (Zurufe von der AfD) Man sieht auch, dass es jetzt in der Situation, in der nach zwei Jahren Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine die Kinder zwei Jahre hier sind und in die Regelklassen sollen – auf einen Schlag viele Kinder –, erhebliche Probleme gibt. Da werden Klassenverbände auseinandergerissen, da muss die Gruppe derjenigen, die seit zwei Jahren in einer Gruppe sind, auseinandergerissen werden. Die Kolleginnen und Kollegen sagen mir, das ist eine ziemlich schwierige Situation. Wir haben das anders gemacht. Bei uns sind die Kinder von Anfang an in den Klassenverbänden mit drin. Das ist der richtige Weg, und dabei wird es auch bleiben. (Beifall bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich möchte noch etwas zu dem sagen, was Herr Schwab gesagt hat. Herr Schwab, die Kinder haben hier Deutschintensivkurse. Um in Ihrem Schwimmbadbild zu bleiben: Während die einen im großen, tiefen Becken bleiben und schwimmen, sind die anderen im Nichtschwimmerbecken und lernen das Schwimmen. Wenn sie dann aber gemeinsam an der Bude Pommes essen wollen, dann gehen sie gemeinsam hin. Da können sie sich unterhalten und Pommes essen. Das ist unser System. Das funktioniert hervorragend, und ich hoffe, dass Sie das jetzt auch so verstehen. Wir werfen niemanden in ein Schwimmerbecken, der noch nicht schwimmen kann. (Beifall bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die CDU fordert noch andere Dinge in ihrem Antrag, Sprachtests und Lernstandserhebungen. Dazu möchte ich noch einmal ganz klar sagen, wir haben dahin gehend ganz stark nachgelegt. Bei uns gibt es jetzt neben den Deutschintensivkursen auch viele Methoden, viele Tools zur Diagnostik, zur individuellen Sprachförderung. Spezielle Programme und Analyseinstrumentarien haben wir den Schulen bereitgestellt mit den zusätzlichen Fortbildungen, die sie brauchen, um den Sprachstand festzustellen, um aber auch festzustellen, wo Kinder, die noch nicht Deutsch können, in anderen Fächern kognitiv stehen; denn auch das ist erheblich, um zu schauen, wie man die Kinder bestmöglich fördern kann. Wir geben viel Geld für die Sprachförderung aus. Es sind 68 Millionen Euro in den letzten fünf Jahren. Vor fünf Jahren waren es noch 40 Millionen Euro. Daran sehen Sie, dass die Deutschintensivkurse zunehmen, wenn mehr Kinder da sind. Auch stellen wir immer mehr Sprachförderlehrkräfte ein. Davon können wir noch mehr brauchen, und wir freuen uns, wenn sich viele dafür qualifizieren und in unseren Schulen mit unterrichten. Das ist der Weg, den wir gehen und der der richtige Weg ist. Ich sage das nicht, weil wir das so glauben, sondern weil wir das sehen und uns das außerdem die Wissenschaft bestätigt. Ich war kürzlich in Frankreich, die schließlich viel Ahnung auch von Integration haben und viel Wert auf die französische Sprache und das Beherrschen der französischen Sprache legen. Raten Sie einmal, wie sie es machen? Sie machen Regelklassen mit Intensivkursen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)

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