Marco Weber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Freie Demokraten sind wir der Meinung, dass alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen verdienen. Natürlich ist die deutsche Sprache der Schlüssel für Chancengerechtigkeit, für eine erfolgreiche Schullaufbahn, für die Integration in unsere Gesellschaft und für ein selbstbestimmtes Leben. Darüber sind wir uns in dieser Runde sicherlich einig. Gleichzeitig wissen wir um die Herausforderungen für das Bildungssystem, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Die Landesregierung ist aber handlungsfähig und hat bereits diverse Maßnahmen angestoßen. Rheinland-Pfalz setzt auf eine alltagsintegrierte Sprachförderung. Zum einen setzen wir früh in den Kindertagesstätten an, um bereits dort den Aufbau von Sprachkompetenzen sicherzustellen. Je früher wir die Kinder beim Sprachaufbau unterstützen, desto besser können sie sich später auf ihren Lernerfolg konzentrieren. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Diesen Ansatz unterstützen wir jetzt noch einmal mit einer früheren Schulanmeldung, um Kindern bedarfsgerecht einen Kitabesuch zu ermöglichen. Zum anderen verfolgen wir mit Blick auf die Grundschule oder die Sekundarstufe I das gleiche Prinzip der alltagsintegrierten Sprachförderung. Neben der gemeinsamen Beschulung gibt es Intensivklassen in unterschiedlichem Umfang für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse. Gleichzeitig arbeiten wir an der Verbesserung der Förderkulisse. Mit Blick auf die Ergebnisse vergangener IQB-Bildungstrends wurde der NeunPunkte-Plan zur Verbesserung der deutschen Sprachkompetenz entwickelt. Das bedeutet, dass wir mehr Geld für die Schulen bereitstellen, mehr Deutsch in den Grundschulen vorschreiben und mit regelmäßigen Erhebungen die Lernleistungen stärker kontrollieren. Mit dem Startchancen-Programm werden wir bedarfsgerecht Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler unterstützen. Es ist das erste Mal, dass ein Programm mit dieser Größe und Laufzeit im Bildungsbereich umgesetzt wird. Das zeigt doch, dass wir auf die Herausforderungen im Bildungssystem reagieren und für Kinder mit Migrationshintergrund eine umfassende Förderkulisse aufbauen, die das Erlernen der deutschen Sprache erleichtert. Wissenschaftliche Erkenntnisse stützen unsere Vorgehensweise und zeigen, dass es vor allem eine alltagsintegrierte Sprachbildung ist, die die sprachliche Entwicklung der Kinder fördert. Meine sehr geehrten Damen und Herren, andere Bundesländer setzen stattdessen auf die Einrichtung von Intensivklassen. Davon hat sich die CDUFraktion auch deutlich inspirieren lassen. Hessen etwa hat solche Intensivklassen bereits seit 2011 und verfolgt eine vergleichbare Strategie, wie sie im vorliegenden Antrag gefordert wird. Ausgehend von der CDU-Logik müsste es in Hessen daher erkennbar positivere Ergebnisse geben. Ich zitiere aus dem IQB-Bildungstrend 2022: Im Fach Deutsch werden zudem in Hessen in den Bereichen Lesen und Zuhören signifikant geringere Mittelwerte erreicht als in Deutschland insgesamt. – Im Vergleich zu Rheinland-Pfalz schneiden die Hessen in allen Bereichen im Fach Deutsch schlechter ab, trotz Intensivklassen. Beim Leistungsvergleich von Kindern mit Migrationshintergrund fallen die Ergebnisse insgesamt ebenfalls schlechter aus. Das wird auch durch weitere Forschungsergebnisse verdeutlicht. Getrennte Intensivklassen führen zu weniger erfolgreichen Lernergebnissen bei Kindern ohne Deutschkenntnisse. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn man die Ergebnisse des IQBBildungstrends also ernst nimmt, ist das Instrument der Intensivklassen zumindest nicht geeignet, einen signifikanten Wandel herbeizuführen. Aus Sicht der Freien Demokraten halten wir den Vorschlag der CDU-Fraktion dafür für nicht zielführend. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
