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Florian Maier

SPD 25.01.2024 Sitzungen 18/58

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Sommer 2022 wurde in die dritte Grundschulklasse meiner Tochter ein Junge aus der Ukraine aufgenommen. Im Herbst 2022 wurde der Junge, wie der Rest der Klasse, zu uns nach Hause zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Die Kommunikation – das können Sie sich, glaube ich, alle hier vorstellen – war damals noch sehr schwierig. Ein Jahr später, letzten Herbst, war die Klasse wieder bei uns. Der Junge hat wahnsinnige Fortschritte gemacht. Das war total beeindruckend, und er ist unfassbar gut in die Klasse integriert. Genau das hätte nicht so gut funktioniert, wenn wir ihn zunächst einmal jahrelang von gleichaltrigen Kindern aus seinem Wohnort getrennt unterrichtet hätten, wie Sie uns das heute vorschlagen. Der Gedanke mit den Sprachklassen ist natürlich verführerisch, und ich unterstelle Ihnen da tatsächlich auch nur guten Willen, aber die Vorstellung, dass es sinnvoll wäre, dass wir am Ende 6-jährige, 9-jährige, 13-jährige und 16-jährige Schülerinnen und Schüler für eventuell ein oder zwei Jahre gemeinsam beschulen, nur weil sie auf dem gleichen Sprachstand sind, finden wir nicht so attraktiv, wie Sie es finden. (Zuruf des Abg. Gordon Schnieder, CDU) Wir haben doch selbst auch alle einmal Sprachen gelernt. Man lernt doch Englisch oder Französisch am besten, wenn man es wirklich spricht, wenn man es mit Muttersprachlern, also mit Engländern und Franzosen, spricht. Man lernt logischerweise Deutsch am besten, wenn man sich mit Gleichaltrigen unterhält und sich auch gemeinsam über interessante Themen unterhält. Da reicht es uns nicht, wenn man ab und zu einmal im Sportunterricht oder im Musikunterricht mitmachen darf. Im Gegensatz zu Ihnen kennen wir, ehrlich gesagt, völlig andere Studien. Die Sprachwissenschaftler bestätigen unsere Annahmen und lehnen eigentlich komplett separierende Modelle total ab und sind da eher skeptisch. (Beifall bei der SPD) Man geht auch davon aus, dass gerade der tägliche Umgang mit den deutschsprachigen Mitschülern sehr, sehr viel bewirken kann. Es hilft uns nichts, die Schülerinnen und Schüler sehr lange in Extraklassen zu lassen. Besser ist es, sie teilweise in den Regelunterricht zu integrieren. Genau das wird in Rheinland-Pfalz gemacht. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP) Wenn man Ihren Antrag liest und auch das hört, was Sie heute gesagt haben, Frau Groß, dann bekommt man ein bisschen den Eindruck, in Rheinland-Pfalz würde es gar keine Sprachförderung geben, als würden wir die Kinder einfach in die Klasse hineinsetzen und hoffen, dass es irgendwie funktioniert, und wir davon ausgehen, sie würden Deutsch lernen, wenn sie dabeisitzen, aber das ist überhaupt nicht so. (Beifall des Abg. Sven Teuber, SPD) Wir verfolgen ein differenziertes, integratives Modell. Die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und Sprachförderbedarf brauchen eine ihrem Alter entsprechende Klasse. Dadurch können sie soziale Kontakte knüpfen und sich schnell integrieren. Gleichzeitig nehmen sie die ganze Zeit während des normalen Unterrichts oder teilweise auch einmal außerhalb des normalen Unterrichts an DeutschIntensivkursen teil. Dadurch erwerben sie Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Im Umgang mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern können sie dann genau diese alltagssprachlichen Kenntnisse erproben und vertiefen. Das ist unwahrscheinlich wichtig, wenn man eine Sprache lernt. (Beifall der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP) Je nach Sprachstand wird in der Regel nach ein bis zwei Jahren die zusätzliche Förderung in Deutschkursen oder integrierten Fördermaßnahmen fortgesetzt. Das Konzept in Rheinland-Pfalz ist also nicht so starr wie das, das Sie vorschlagen, sondern sehr flexibel, weil alle Schulen die Möglichkeit haben, über die Schulaufsicht Sprachfördermaßnahmen zu beantragen. Übrigens bildet die Sprachförderung in Schulen und Kindertagesstätten einen Schwerpunkt im Haushalt des Bildungsministeriums. Im Jahr 2024 sind knapp 68 Millionen Euro vorgesehen, davon 23 Millionen Euro für die Kitas. Gerade im Kitabereich ist die frühe Sprachförderung sehr wichtig. Wir dürfen uns nicht nur auf die Schulen konzentrieren. Wir sind immer bereit, darüber zu sprechen, ob es im Rahmen unseres Konzepts Anpassungen geben kann. Ja, ich weiß wirklich, wie groß da momentan die Herausforderungen bei den Kolleginnen und Kollegen sind. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich genau das selbst gemacht habe, aber reine Sprachklassen sind der falsche Weg. Das zeigen übrigens auch die Erfahrungen von Bundesländern, die solche Sprachklassen haben und dann richtig Probleme bekommen, wenn sie danach versuchen, die Schülerinnen und Schüler in den normalen Unterricht zu integrieren. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Philipp Fernis und Marco Weber, FDP)

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