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Jennifer Groß

CDU 25.01.2024 Sitzungen 18/58

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wie fühlt sich ein junger Mensch, wenn er in ein fremdes Land kommt und die Sprache nicht spricht? Wie fühlt er sich, wenn er sich in einem neuen Setting befindet, in einem schulischen Umfeld Leistung zeigen will und Leistung zeigen muss? Oder wie fühlt sich ein Jugendlicher, ein Kind, genau selbiger junger Mensch, wenn er zwar in dem Land groß geworden ist, allerdings über ganz mangelnde Sprachkompetenzen verfügt und die Sprache seines Gegenübers nicht wirklich anwenden kann? Ich möchte Sie einladen, den folgenden Antrag der CDU-Fraktion zum Thema „Intensivklassen einrichten, die Sprachkompetenz steigern und damit den Schulstart in das deutsche Schulsystem erleichtern“ mit dem vorangestellten Blickwinkel zu betrachten. Für uns ist klar, wir wollen und wir möchten möglichst optimale Bildungschancen für alle jungen Menschen schaffen. (Beifall der CDU sowie der Abg. Sven Teuber, SPD, und Patrick Kunz, FREIE WÄHLER) Im Fokus unserer heutigen Debatte steht daher die grundlegende Neugestaltung des Einstiegs in das deutsche Schulsystem für Kinder und Jugendliche mit nicht deutscher Herkunftssprache und geringen Deutschkenntnissen. Als CDU-Fraktion haben wir das Wohl des Kindes im Blick, und genau dieses möchten wir mit dem heutigen Antrag stärken. Wir alle erkennen die Bedeutung der Sprache als Schlüssel zur Welt, auch in diesem Hohen Hause schon oft zitiert. Es ist die Grundlage und Voraussetzung für die Teilnahme an Beruf, an Gesellschaft, an Leben, an Ehrenamt. (Beifall der CDU) Die bisherige Praxis des Sprachbads – ich komme aus einem fremden Land oder habe grundsätzlich zu geringe Deutschkenntnisse, ein Kind in einen Klassenraum hineinzubringen und darauf zu hoffen, dass es irgendwie neben der Tatsache, dass es die Inhalte lernt, auch noch der deutschen Sprache bevollmächtigt wird – ist tatsächlich unzutreffend und in diesen immer heterogeneren Klassen, die auch mit multilingualen Schülerschaften zu tun haben, für einen Lehrer und vor allem für das Kind, das wir im Blick haben, schlicht nicht möglich. (Beifall der CDU) Wir sind mit dieser Meinung nicht allein. Bildungsexperten und natürlich auch die Praxis, mit denen wir die Gespräche führen, bestätigen diese These. Daher schlagen wir vor, Schülerinnen und Schüler, die neu in dieses Schulsystem kommen und entweder keine oder geringe Deutschkenntnisse aufweisen, in Intensivklassen zu fördern. (Abg. Daniel Köbler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Mit sechs Jahren kommen die alle neu in die Schule!) Sie sollen nicht nur in Intensivklassen den Spracherwerb fördern, sondern auch auf die Teilnahme am regulären Unterricht vorbereiten. Der Fokus liegt somit nicht nur auf dem Erlernen der Sprache, sondern auch auf schulischen Techniken und Arbeitsweisen und demokratischen Werten. (Beifall der CDU) Unsere Lehrerinnen und Lehrer leisten tagtäglich herausragende Arbeit, und wir möchten sie mit diesem Antrag in ihren Anstrengungen und Bemühungen einmal mehr unterstützen. Wir entlasten nicht nur das Lehrpersonal, sondern wir schaffen auch gute Rahmenbedingungen für echte Bildungserfolge von Schülerinnen und Schülern. Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen, die in unserem Schulsystem sind und für die wir froh und dankbar sind – Stichwort Fachkräftemangel und vieles weitere –, diese mitbekommen und entsprechend auch in ihrem schulischen und beruflichen Lebenslauf umsetzen können. (Beifall der CDU) Wir schlagen daher vor, einen Leitrahmen bzw. ein Konzept für die Intensivklassen unter Einbeziehung von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis zu entwickeln. Es braucht diesen fundierten Rahmen, sodass den pädagogischen wie didaktischen Maßnahmen adäquat Rechnung getragen werden kann. Die Intensivklassen müssen sachlich, personell und organisatorisch ordentlich gestaltet sein. Auch sind jahrgangs- oder schulartenübergreifende Klassen denkbar. Wie eine Ober- oder Untergrenze der Schülerschaft in sogenannten Intensivklassen aussieht und an welchen Schulzentren und Standorten sie eingerichtet sind, kann und soll von genau diesen Experten und Praktikern entschieden werden. Dass es aber im gesamten Land Intensivklassen braucht, ist für uns als CDU unbestritten. Es ist kein Thema für die Stadt, und es ist kein Thema nur für das Land. Beide brauchen sie dringender denn je. (Beifall der CDU sowie des Abg. Helge Schwab, FREIE WÄHLER) Für die erforderliche Umsetzung sind verpflichtende Sprachtests beim Einstieg in die und am Ende der Intensivklassenzeit für uns von großer Bedeutung. Sie dienen dazu, individuelle Defizite zu identifizieren und sicherzustellen, dass ausreichende Deutschkenntnisse für die Teilnahme am Regelunterricht vorhanden sind. Dort kann auch valide festgestellt werden, welches Sprachniveau – ist es A oder ist es B – erreicht ist. Die pädagogische Ausgestaltung der Intensivklassen sowie die Klassengröße, die Definition des Sprachlevels oder die Kriterien für Deutschsprachtests sollen durch diese Experten aus der Praxis erarbeitet werden. Die Anzahl an Personal oder die Dauer der Zeit in den Intensivklassen ist von dem Bedarf sowie von den Kriterien der Ausgestaltung der Klassen bzw. der Festlegung der Sprachlevels abhängig. Es kann so sein, dass es Schulen mit gar keiner Intensivklasse gibt. Es kann aber auch sein, dass es Schulen mit einer oder mehreren gibt. Auch soll ein Kind erst am Ende der Zeit in einer Intensivklasse einer Klassenstufe und einer Schulform zugeordnet werden. Unser Antrag zielt ganz bewusst eben nicht auf Ausgrenzung der betroffenen Schüler ab, sondern darauf, den Start in das deutsche Schulsystem so zu verbessern, (Beifall der CDU) dass sie entsprechende Erfolgschancen in der Schule und im späteren Berufsleben haben. Gemeinschaftliche schulische Veranstaltungen, Klassenfahrten, Feste, Veranstaltungen sowie die Teilnahme an geeigneten Fächern wie beispielsweise Sport oder musisch-künstlerischen Fächern sollen entsprechend Teil dieser Integration sein. Wir haben heute einmal mehr die Möglichkeit, mit diesem CDU-Antrag gemeinsam die Weichen für erfolgreiche Bildungserfolge von allen Schülerinnen und Schülern zu stellen. Bedenken Sie, was ich eingangs sagte, mit welchem Blickwinkel, mit welcher Brille Sie diesen Antrag betrachten sollen. Stellen Sie sich Kinder vor, die Sie vielleicht schon kennen und denen es so ergeht. Für sie wollen wir eine eklatante Verbesserung. Herzlichen Dank. (Beifall der CDU und bei den FREIEN WÄHLERN)

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