Dr. Erwin Manz
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Dass der Klimawandel bereits Realität ist, führt uns seit mittlerweile mehreren Jahren der Waldzustandsbericht in erschreckender Klarheit vor Augen. Unsere Wälder leiden unter den Folgen von Jahren der extremen Witterung mit ihren Begleiterscheinungen. Das sind Hitze und Dürre mit einer explodierenden Borkenkäferpopulation und einer steigenden Gefahr von Waldbränden. Die Klimawandelfolge Waldsterben ist zugleich eine Herausforderung für den Klimaschutz; denn unser Wald ist als Kohlenstoffsenke von entscheidender Bedeutung, um der Atmosphäre CO zu entziehen und so in Zukunft unvermeidbare Emissionen zu kompensieren. Wir begegnen mit unseren Maßnahmen zum klimaresilienten Waldumbau, zum Wasserrückhalt im Wald und zur Waldbrandprävention den Folgen der Klimakrise im Wald. Doch Waldentwicklung ist ein Generationenprojekt. Deswegen ist es wichtig, dass wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen und weiterhin in einen zukunftsfähigen Wald investieren, und zwar mit Landesund Bundesmitteln zum Waldumbau genauso wie mit einer Politik, die Klimaschutz als Querschnitts- und Schwerpunktaufgabe versteht und konsequent umsetzt. Die Waldzustandserhebung stützt sich auf den Kronenzustand als Indikator für die Vitalität der Waldbäume. Veränderungen des Kronenzustands sind eine Reaktion auf Belastungen wie die klimawandelbedingten Extremwetterphänomene. Die seit 1984 durchgeführte Stichprobenaufnahme liefert statistisch abgesicherte Aussagen über den gesamten Wald auf Landesebene. In der Verantwortlichkeit unserer Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landesforsten insgesamt circa 3.700 Stichprobenbäume in 152 Wäldern sorgfältig begutachtet. Diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt mein besonderer Dank. Sie liefern die Datengrundlage, auf der wir fundierte Entscheidungen treffen können. Insgesamt sind 85,2 % der Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern geschädigt. Der Anteil der deutlich geschädigten Waldbäume erreicht mit rund 46 % den höchsten Wert, der in den vergangenen 39 Jahren erhoben wurde. Dabei stieg der Anteil der stark geschädigten und abgestorbenen Bäume von 5,1 % im Vorjahr auf nunmehr 6,3 %. Vor dem Jahr 2018 lag er immer unter 2,5. Insgesamt wurden nur noch an 11,9 % der Buchen keine Schadmerkmale gefunden. Bei der Eiche liegt dieser Anteil bei 7,7 %. Die Eiche ist aus verschiedenen Gründen dennoch weiterhin ein Hoffnungsträger im Wald der Zukunft. Vor allem ihre Trockenresistenz erscheint im voranschreitenden Klimawandel wichtig. Ihr ist daher im diesjährigen Bericht ein Sonderkapitel gewidmet. Extrem belastet wird die aktuelle Situation in unseren Wäldern durch den menschenverursachten Klimawandel, sich ausbreitende ökosystemfremde Arten und das beschleunigte Artensterben. Auch die Belastung durch Luftschadstoffe wirkt langfristig destabilisierend, und die Stickstoffeinträge übersteigen weiterhin vielerorts die Schwellenwerte der Ökosystemverträglichkeit. Unsere Konsequenz heißt klimaresiliente Waldentwicklung durch naturnahe Waldwirtschaft. Dafür überführen wir Nadelbaumbestockungen in naturnähere Mischwälder, und wir begleiten die Wiederbewaldung der großen Borkenkäfer-Freiflächen durch kleinflächige Ergänzungspflanzungen, damit gemischte produktive und möglichst klimaresiliente Wälder aufwachsen können. So wurde in den letzten drei Jahren die Wiederbewaldung im Kommunalund Privatwald auf einer Fläche von circa 3.500 ha durch die finanzielle Förderung aus GAK-Mitteln von Land und Bund in Höhe von 21 Millionen Euro unterstützt. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Anhaltend Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)
