Fabian Ehmann
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! RheinlandPfalz ist das waldreichste Bundesland in ganz Deutschland. Damit brüsten wir uns immer. Ich glaube, deswegen haben wir auch in Rheinland-Pfalz noch einmal einen ganz anderen Bezug zum Wald; denn wir haben, jeder von uns, wahrscheinlich einen Wald vor der Haustür, in dem man gerne joggen geht, spazieren geht, wandern geht, seinen Sonntagsspaziergang macht oder sich auch einfach einmal die Beine vertritt, um den Kopf frei zu bekommen. Wir haben wirklich tolle Wälder in Rheinland-Pfalz, auf die wir stolz sein können, den Soonwald, den Hunsrück, den Pfälzerwald, die Eifel, den Westerwald usw. usf. Unsere Wälder sind auch ein Stück unserer Heimat geworden, und deswegen haben wir auch eine besondere Beziehung zu ihnen. Unsere Wälder sind aber nicht nur Erholungsgebiet, sondern in RheinlandPfalz hängen auch 50.000 Arbeitsplätze am Wald und am Forst. Deswegen möchte ich auch noch einmal die Aussprache zum Waldzustandsbericht nutzen, um unseren Försterinnen und Förstern von Landesforsten, von den Gemeinschaftsforstbetrieben, die wir haben, und allen, die mit dem Wald arbeiten, zu danken; denn sie machen großartige Arbeit. Im Wald kämpft man auch gegen die Klimakrise an, und an keinem anderen Ort in Rheinland-Pfalz sieht man die Auswirkungen der Klimakrise wahrscheinlich so krass wie in unseren Wäldern, in denen Dürre und Trockenheit den Wäldern und unseren Bäumen wirklich zu schaffen machen. Deswegen ist der Schutz unserer Wälder – Klimaschutz ist auch Waldschutz, und Waldschutz ist auch Klimaschutz – so essenziell für uns; denn die Wälder speichern Wasser für Dürrezeiten. Sie fangen aber auch Starkregen auf, schützen so vor Überschwemmungen und sind natürlich ein wichtiger und essenzieller Speicher für Treibhausgase. Wir kennen alle den LULUCF-Sektor, der in den Klimazielen dafür sorgt oder bei dem auch angerechnet wird, dass Wälder durch die Fotosynthese wieder CO aufnehmen. Deswegen ist der Wald auch unser stärkster Verbündeter oder ein starker Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Der Waldzustandsbericht – es ist Tradition, dass wir im Januar den Waldzustandsbericht des letzten Jahres aussprechen – zeigt uns, dass die Lage noch schlechter geworden ist. Wir hatten zwar letztes Jahr ein sehr regenreiches, ein nasses Jahr, aber der Zustand unserer Wälder hat sich leider trotzdem verschlechtert. Acht von zehn Bäumen in unseren Wäldern sind krank oder geschädigt. Fast die Hälfte unserer Bäume gilt sogar als deutlich geschädigt. So schlecht stand es um unsere Wälder in den letzten 40 Jahren nicht. Die Wälder leiden unter der Klimakrise, und die heißen, trockenen Sommer der letzten Jahre haben nicht nur den Menschen zugesetzt, gerade in den Städten, wo es sich richtig aufheizt, sondern auch an den Kräften und Ressourcen unserer Wälder gezehrt. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir den Kopf in den Sand stecken sollten, sondern wir müssen motiviert an die Arbeit gehen und vor allem unsere Försterinnen und Förster im Kampf gegen die Klimakrise und in der Arbeit für die Wälder unterstützen. Das machen wir bei Landesforsten mit der naturnahen und der ökologischen Waldwirtschaft schon seit über 30 Jahren, wodurch wir die Wälder zu klimaresilienten Mischwäldern umbauen. Wir haben in Deutschland deswegen auch den höchsten Laubholzanteil und den höchsten Mischwaldanteil. Wir haben nicht diese Nadelholzplantagen, wie Sie sie in Brandenburg vorfinden, die auch ein enormes Waldbrandrisiko darstellen. Das hat auch zur Folge, dass wir in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren von großflächigen Waldbränden weitestgehend verschont geblieben sind. Es ist auch eine Vorsorge für einen klimaresilienten Wald, wenn wir den Waldbrandschutz hier intensivieren. Wir müssen daran arbeiten, dass wir den Wasserrückhalt in unseren Wäldern verbessern. Die Arbeit der Enquete-Kommission hat ergeben, dass wir die ganzen Drainagen, die gebaut wurden, hier rückbauen, sodass auch das Wasser in den Wäldern verbleiben und hier versickern kann. Wir müssen natürlich weiter daran arbeiten und schauen, welche Bäume auch in Zukunft hier wachsen können. Die Naturverjüngung, das heißt das Anwachsen der Samen der Bäume, die herunterfallen, ist natürlich der beste klimaresiliente Mischwald. Deswegen müssen wir die Arbeit so leisten, dass sich unsere Bäume und die Wälder natürlich verjüngen können. Dazu gehört natürlich auch ein angepasstes Wildmanagement. Darüber werden wir bei der Debatte um das Landesjagdgesetz sicher noch einmal ausführlicher reden, aber es ist klar, ohne angepasstes Wildmanagement werden wir keine klimastabilen Mischwälder bekommen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Dasselbe gilt natürlich für die Landwirtschaft. Ohne angepasste Wildbestände können in der Landwirtschaft keine Saaten richtig ausgebracht werden; denn die Wildschäden hinterlassen auch hier ihre Spuren. Insgesamt können wir sagen, (Glocke des Präsidenten) wir danken Landesforsten für die Arbeit, für die gute Arbeit, die die Gemeinschaftsforstämter für die kommunalen Wälder machen. Wir sehen uns wahrscheinlich in einem Jahr wieder, wenn wir über den Waldzustandsbericht 2024 reden, und ich hoffe, dann haben wir positivere Nachrichten zu vermelden, dass es dem Wald dann schon besser geht und die Arbeit Früchte trägt. Danke schön. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP)
