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Nico Steinbach

SPD 25.01.2024 Sitzungen 18/58

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über den Waldzustandsbericht aus dem vergangenen Jahr 2023. Man kann ihn, wenn man ihn in verschiedene Facetten aufteilt, auch ein Stück weit als eine Art Seismograf zum Zustand unserer Umwelt in RheinlandPfalz machen. Dass Forst und Wald für uns bei einer Waldfläche von 42 % der Landesfläche in Rheinland-Pfalz einen besonderen Stellenwert haben, sei nur noch einmal wiederholt. Ich muss leider mitteilen, dass wir weiterhin in diesem Bericht schlechte Entwicklungen dokumentiert bekommen. Das macht sich darin bemerkbar, dass zum Beispiel der Anteil deutlich geschädigter Waldbäume gegenüber dem Vorjahr weiter um vier Prozentpunkte angestiegen ist. Der Anteil an den Probebäumen ohne sichtbare Schadmerkmale liegt auch um 4 % niedriger. Die mittlere Kronenverlichtung ist um 2,1 % höher, der Anteil starker Kronenschäden, abgestorbener Probebäume und infolge biotischer Schäden vorzeitig entnommener, also zwangsentnommener Probebäume ist weiter überdurchschnittlich hoch. Das Schadniveau über alle Waldflächen von RheinlandPfalz über alle Baumarten und Altersstufen hinweg hält damit nicht nur ein sehr hohes Niveau der Vorjahre, sondern überschreitet sogar den Höchstwert aus dem Jahr 2020. Der Anteil der Aufnahmepunkte ohne geeignete Waldbestockung in dieser Landesmatrix, die Grundlage des Waldzustandsberichts ist, ist mit 9 % so hoch wie nach den Sturmwürfen im Jahr 1990. So weit eine kleine Zusammenfassung. Ja, wir wissen, die Kalamitäten in den letzten Jahren, Dürre, Borkenkäferbefall und vieles mehr, haben unserem Wald sehr stark zugesetzt. Das ist die Aufnahme der kurzfristigen Vergangenheit. Wir wissen aber auch, dass im Zeitstrahl der letzten Jahrzehnte insbesondere die Entwicklung der Luftschadstoffbelastung immer noch ein großes Thema ist. Da ist vieles verbessert worden. An dieser Stelle muss man gerade in den aktuellen Zeiten, in denen so laut nach Bürokratieabbau, nach Vereinfachung gerufen wird und manchmal vielleicht auch der Stellenwert des Umweltschutzes dabei unter die Räder geraten vermag, feststellen, dass Schwefel, Stickstoffeinträge aus Verbrennungsmotoren, aus der Industrie, auch aus der Landwirtschaft und von allen, die damit zu tun haben, immer noch dazu beitragen, dass Böden versauert sind, übersäuert sind und trotz aller Verbesserungen in allen Bereichen, zum Beispiel beim gemessenen Regenwasser, was pH-Werte angeht etc., immer noch zu sauer und die Kraftanstrengungen immer noch vonnöten sind. Wenn man so etwas hört – manchmal denkt man im Alltag darüber nach, ob jetzt zum Beispiel die nächste Euro 6 im Pkw-Bereich oder schon wieder eine neue Bundesimmissionsschutzverordnung kommen muss –, dann kann man, wenn man sich diese vielen Seiten des Waldzustandsberichts einmal zu Gemüte führt, praktisch erleben, warum das doch alles einen Hintergrund, ein Fundament und auch eine Notwendigkeit hat. Wir wissen nämlich alle, dass das Waldsterben vor den Kalamitäten, die ich eben angesprochen habe, durch Schadstoffeinträge und durch Menschenhand gemacht ist. Manchmal tut es dann gut, wenn man diese praktischen Beispiele vor Augen geführt bekommt, auch wenn sie unschön sind. Deswegen ist es unsere weitere Aufgabe, unseren Wald zu schützen. Dazu gehören weitere Kraftanstrengungen für den Umwelt- und Klimaschutz, aber auch wichtige Instrumente wie zum Beispiel die Bodenkalkung. Sie ist ein Instrument, um den Schaden etwas zu minimieren. Sie bekämpft nicht die Ursache, sondern ist quasi wie ein Medikament für den Wald, um über die Zeit zu kommen. Trotzdem sind Kalkungen wichtige Instrumente, um Säureund Basenwerte in den Griff zu bekommen. Eine weitere große Baustelle, die wir hinsichtlich der gegenwärtigen Kalamitäten kennen, ist der Bereich der Wiederbewaldung. Wir wissen alle, dass die großen Schadflächen – oft von Fichtenmonokulturen, insbesondere im Westerwald, aber auch in der Eifel und anderen Regionen – eine große Herausforderung für Landesforsten sind. Unser Gemeinschaftsforstamt in der Kombination aus Kommunalwald, Staatswald und Privatwald (Glocke des Präsidenten) hat die Expertise, diese Dinge anzupacken, aber wir wissen, diese große Herausforderung geht nur mit klimastabilen Mischwäldern. Ich empfehle diese Lektüre ausdrücklich und bedanke mich abschließend ganz herzlich beim Ministerium, aber auch bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt für dieses aussagekräftige Werk. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)

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