Dr. Anna Köbberling
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! (Heiterkeit im Hause) – Ich habe heute Morgen noch nicht in ein Mikro gesprochen. Ich höre meine Stimme auch gerade zum ersten Mal. Es tut mir leid. Gut, dass wir Mikros haben. Also, guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der 17. November dieses Jahres, als bei einer gemeinsamen Pressekonferenz die Ansiedlung von Eli Lilly verkündet wurde, war ein Freudentag für Rheinland-Pfalz. Schon im kommenden Jahr soll mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte in Alzey begonnen werden. (Die Rednerin erhält ein Glas mit Wasser) – Schönen Dank! Drei Jahre später soll sie in Betrieb gehen. Das Unternehmen wird dafür mehr als 2 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Die Aufträge sollen ausdrücklich an die heimische Bauindustrie gehen. Geschätzt wird, dass für den Bau rund 2.000 Arbeitskräfte notwendig sein werden. Die Produktion soll CO -frei geschehen, und die Anlage wird komplett mit Photovoltaik bedeckt. Später, wenn sie fertig ist, werden 1.000 Fachkräfte dort arbeiten. Hergestellt werden sollen injizierbare Diabetesmedikamente und die dazugehörigen Injektionspads. Die Erfahrung zeigt, dass es bei einer solchen Ansiedlung nicht bleibt, sondern eine solche große Maßnahme Folgeinvestitionen nach sich zieht, zum Beispiel von Verpackungsunternehmen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ansiedlung von Lilly war kein Zufall. Sie war vielmehr das Ergebnis eines guten Zusammenspiels zwischen kommunaler, Landes- und Bundesebene. Zum einen hat hier die kommunale Erschließungsgesellschaft zusammen mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister Steffen Jung einfach eine sehr gute Arbeit gemacht und die vorhandenen Flächen strategisch hervorragend vermarktet. Laut Aussage des Vizepräsidenten von Eli Lilly, Edgardo Hernandez, fiel die Entscheidung aber auch wegen der Nähe zu anderen Firmen der Pharmaund Biotechnologiebranche und der sehr gut ausgebildeten Fachkräfte. Die Entscheidung der Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz, auf ein Biotechnologiecluster zu setzen, trägt hier sichtbare Früchte. Die im Juli veröffentlichte Biotechnologie-Studie der Roland Berger GmbH, die wir kürzlich im Wissenschaftsausschuss mit Minister Hoch besprochen haben, hat belegt, die Landesregierung ist auf dem richtigen Weg. Die Studie liefert eine detaillierte Standortbestimmung und gibt einen Überblick über die Potenziale im Land sowie Hinweise für eine Profilbildung und zur nationalen und internationalen Verortung. Die Biotechnologie-Studie zeigt auch, dass Rheinland-Pfalz in Lehre und Forschung sowie bei Ausbildungsmöglichkeiten sehr stark aufgestellt ist. Sie weist auf Alleinstellungsmerkmale durch die Spitzenstellung im Bereich mRNA und Stärken in angrenzenden Forschungsbereichen hin, insbesondere der Immuntherapie, der Alternsforschung sowie der Künstlichen Intelligenz. Bis Ende 2026 stellt das Land bis zu 800 Millionen Euro für die Biotechnologie und die Lebenswissenschaften in Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Das hat dieser Landtag beschlossen. Die Mittel sollen in die universitäre und außeruniversitäre Forschung investiert werden. Hinzu kommen Mittel der Wirtschaftsförderung, ebenfalls für Lebenswissenschaften und Biotechnologie, aber – dritte Ebene – auch auf der Bundesebene liegen Gründe vor, die Lilly nach Deutschland gezogen haben. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat zwei wichtige Gesetzentwürfe vorgelegt, die das Ziel haben, die Attraktivität des Pharmastandorts Deutschland weiter zu steigern und eine zuverlässige Versorgung mit Medikamenten sicherzustellen: das Medizinforschungsgesetz und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz, das übrigens heute in zweiter und dritter Lesung im Bundestag beraten wird. Mit beiden sollen die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und international wettbewerbsfähige Pharmaindustrie in Deutschland und Europa verbessert werden. Der Pharmagigant Lilly kennt diese Diskussionen natürlich. Also kurz gesagt, das Gelingen eines solchen Megaprojekts ist nur möglich, wenn die Partner aller Ebenen miteinander an einem Strang ziehen. Das wurde hier von der kommunalen Ebene bis zum Bund sehr gut umgesetzt. Nicht nur das Wirtschaftsministerium, sondern auch die Staatskanzlei, Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer, haben den Ansiedlungsprozess mit Gesprächen sehr eng begleitet. (Beifall bei der SPD) Die Biotechnologiestrategie in Rheinland-Pfalz scheint aufzugehen. Danke schön. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie vereinzelt bei der FDP)
