Katharina Binz
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete! Ich bin den Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP wirklich sehr, sehr dankbar, dass sie dieses wirklich wichtige Thema heute mit diesem Antrag auf die Tagesordnung gesetzt haben. Wir haben zu den Zahlen gerade viel gehört. Es ist eben keine kleine Gruppe von jungen Menschen, von Kindern und Jugendlichen, die von diesem Thema betroffen sind. Diese jungen Menschen, die Young Carer, übernehmen oft Aufgaben und Verantwortungen, die weit über das hinausgehen, was von Menschen in dieser Altersgruppe in unserer Gesellschaft gemeinhin erwartet wird. Wir haben auch das schon gehört, sie erscheinen dann nach außen hin oftmals unzuverlässig und können durch diese Doppelbelastung normalen Leistungsanforderungen oft nicht mehr entsprechen. Deshalb will ich an dieser Stelle noch einmal ganz bewusst darauf eingehen, welche große Leistung diese jungen Menschen jeden Tag zu Hause mit der Pflege ihrer Angehörigen leisten und was für einen großen Verdienst sie damit leisten, ihren Familien, ihren Angehörigen, aber insgesamt auch uns als Gesellschaft gegenüber. Ich glaube, das muss man heute auch einmal dazusagen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP) Was können wir diesen jungen Menschen an Unterstützung bieten? – Das sind aus meiner Sicht folgende Dinge: Das ist natürlich – dazu trägt der heutige Antrag schon bei – eine stärkere öffentliche Sensibilisierung für das Thema, das vielen Menschen in unserer Gesellschaft schlicht unbekannt ist, von dem sie noch nie gehört haben und mit dem sie noch nie konfrontiert wurden. Damit einher gehen eine Qualifizierung von Fachkräften, damit auch Fachkräfte erkennen, wenn sie Kinder und Jugendliche vor sich haben, die pflegende Angehörige sind, Informationen für Familien über die bestehenden Unterstützungsangebote, das ist in der Debatte ganz deutlich geworden, und natürlich – ganz wichtig – Hilfsangebote, möglichst niedrigschwellige Angebote, die den jungen pflegenden Menschen eine Entlastung geben und Unterstützung bieten. Mein Ministerium führt neben den Maßnahmen, die schon im Antrag genannt sind, bereits weitere Maßnahmen durch. Mit Blick auf die Qualifizierung von Fachkräften wird das Thema „Pflegende Kinder und Jugendliche“ in Veranstaltungen thematisiert und diskutiert, beispielsweise wird das auf der nächsten Landeskinderschutzkonferenz im Jahr 2024 ein Thema sein, aber auch beim Jahrestreffen der Kinderschutzdienste und beim jährlichen Arbeitstreffen der Netzwerkkoordinierenden nach dem Landeskinderschutzgesetz ist dieses Thema präsent. Wir werden zudem unsere Öffentlichkeitsarbeit dazu verstärken. Auf unseren eigenen Seiten und Unterseiten wollen wir öffentlichkeitswirksam auf das Thema und vor allen Dingen auf die schon bestehenden Hilfs- und Unterstützungsangebote und Einrichtungen hinweisen. Das ist beispielsweise das Projekt „Pausentaste“ des Bundesministeriums, das ist auch die Nummer gegen Kummer, die eine wichtige Anlaufstelle sein kann, oder natürlich auch die Selbstorganisation, der Verein Young Carers e. V., an den sich die jungen Menschen wenden können. Darüber hinaus planen wir derzeit die Umsetzung eines Projekts, das einen Austausch zwischen den betroffenen Kindern und Jugendlichen ermöglicht, um also ebenfalls eine Vernetzung herzustellen, das Gesprächsangebote macht und das auch Freizeit- und Erholungsmaßnahmen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen vorsieht. Wir wollen dieses Thema zudem bundesweit diskutieren, weswegen wir es im Jahr 2024 auf die nächste Jugend- und Familienministerkonferenz bringen wollen. Dort soll es aufgegriffen werden im Rahmen eines Antrags zur Unterstützung von Kindern psychisch und suchterkrankter Eltern. Hierzu ist die Landesregierung bereits in der Abstimmung mit den anderen Bundesländern, damit es auf der Konferenz auf die Tagesordnung kommt. Es ist eben schon angesprochen worden: 2020 gab es eine Änderung im Landeskinderschutzgesetz. Es wurde ein neuer Schwerpunkt „Kinder psychisch oder suchterkrankter Eltern“ eingeführt. In der Tat ist es so, wie die Abgeordnete Müller sagt, an der Stelle gibt es eine große Schnittstelle zu diesem Thema „Young Carers“. Deshalb ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass im Rahmen dieses Schwerpunkts seit 2020 ganz viele Projekte umgesetzt werden, die vor allen Dingen auch diesen Kindern und Jugendlichen zugute kommen. Das sind Gruppenangebote für gleichaltrige Betroffene. Das sind Gruppen- und Einzelgesprächsangebote, Internetauftritte, Chat-Angebote, Telefonsprechstunden, Infoangebote auch in Schulklassen, und das alles eben vor Ort organisiert, lokal. Ich glaube, auch das ist ein wichtiger Ansatz, weil dann die Erreichbarkeit um ein Vielfaches besser ist. Das sind genau die richtigen Schritte, die wir gemeinsam mit den im Antrag stehenden Maßnahmen, die ich allesamt sehr, sehr begrüße, weiter angehen wollen; denn dieses Thema verdient wirklich mehr Aufmerksamkeit. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD)
