Lisett Stuppy
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuhörende! Viele von uns sind Eltern, und wir wissen, was Kinder und Jugendliche brauchen. Das sind zum einen das Dach über dem Kopf, Kleidung oder Essen, aber nicht nur der Bauch will gefüllt werden, sondern auch der Kopf und das Herz. Dafür brauchen Kinder Zuwendung und ehrliche Gespräche, und sie brauchen Zeit zum Lernen und für Freunde, Zeit, um ihren Interessen nachzugehen. Leider haben aber nicht alle Familien das Glück, das so zu ermöglichen. Ich habe es in der Nachbarschaft selbst erlebt. Die große Schwester kümmert sich über Stunden um die Jüngeren, müsste aber für ihre Ausbildung lernen. In unserem gemeinsamen Antrag legen wir als Koalitionspartnerinnen und Koalitionspartner den Fokus auf genau diese jungen Menschen. Ihr Antrag, liebe CDU, und Ihre Ausführungen, Herr Wäschenbach, gehen deshalb völlig am Thema vorbei. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Wir reden hier über die Perspektiven dieser jungen Menschen, die ihre Angehörigen pflegen müssen, und stellen sie in den Mittelpunkt und das, was sie brauchen und wie wir ihnen helfen können; denn sie sind sehr stark belastet. Wie andere gehen sie zwar zur Schule, aber zu Hause können sie nicht mehr Kind oder Jugendliche sein. Dort erfüllen sie Rollen von Erwachsenen. Sie kümmern sich um den Haushalt, koordinieren Behörden- oder Arzttermine und organisieren das Familienleben. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich, aber die Auswirkungen sind sehr ähnlich: Schwierigkeiten in der Schule und wenige soziale Kontakte. Wir möchten sie in Zukunft besser unterstützen, damit auch sie sich in Zukunft frei entfalten können; denn die Kindheit und die Jugend prägt für das ganze Leben. Deshalb wollen wir, dass alle jungen Menschen in Rheinland-Pfalz gut aufwachsen können, auch wenn die Voraussetzungen zu Hause schwierig sind. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Das Familienministerium arbeitet schon seit einiger Zeit an Möglichkeiten, um junge Pflegende zu stärken. Es gab im Jahr 2022 einen Fachtag zu dem Thema. Ebenso wurden die Hilfen für Kinder von psychisch kranken und suchterkrankten Eltern ausgebaut, weil es die angesprochenen jungen Menschen häufig betrifft. Also gehen wir jetzt einen Dreischritt. Erstens sammeln wir weitere Informationen über junge Pflegende, um passgenauer unterstützen zu können. Wir wollen auch auf Bundesebene eine groß angelegt Studie. Zweitens machen wir die Situation öffentlichkeitswirksam, um mehr Verständnis für die Lebenssituation dieser jungen Menschen zu erreichen. Drittens machen wir Unterstützungsangebote für die Betroffenen wie im Rahmen der Frühen Hilfen oder innerhalb des Projekts „Pausentaste“ bekannter. Wir wollen damit erreichen, dass die Betroffenen die Hilfe, die ihnen theoretisch zusteht, auch praktisch in Anspruch nehmen. Die UN-Kinderrechtskonvention macht unmissverständlich deutlich, alle Kinder und Jugendlichen haben Rechte. Das sind natürlich die vordringlichen Rechte wie das Recht auf Leben und das Recht auf Gedanken- oder Religionsfreiheit, aber die Konvention schreibt auch fest, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf Ruhe, Freizeit und altersgemäße Erholung haben. Natürlich haben sie auch ein Recht auf Bildung. Alle Maßnahmen, die wir jetzt mit dem Antrag treffen wollen, haben das Ziel, Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz sollen sich nach ihren Fähigkeiten, Interessen und Potenzialen entfalten können. Das gilt auch und ganz besonders für diejenigen, die in schwierigen Lebensverhältnissen aufwachsen. Wir wollen sie besonders in den Blick nehmen. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)
