landtag-rlp.de ↗

Dr. Stefanie Hubig

08.11.2023 Sitzungen 18/53

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Gute frühkindliche Bildung in Rheinland-Pfalz ist ein zentrales Ziel der Landesregierung. Die frühe Förderung legt das Fundament für die Bildungskarrieren, den späteren Bildungserfolg unserer Kinder, und sie ermöglicht vielen Menschen, Familie und Beruf miteinander zu vereinen. Deshalb haben wir schon vor vielen Jahren dafür gesorgt, dass die frühkindliche Bildung in Rheinland-Pfalz gebührenfrei ist, damit Kinder dort in Gemeinschaft soziales Lernen und vieles andere miteinander erleben können. Die Kita-Landschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten fast vollständig verändert. Die Kinder kommen früher in die Kita, sie bleiben länger dort, sie kommen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsfamilien, und sie bringen ganz unterschiedliche Stärken und Voraussetzungen mit. Das bedeutet erstens, Erzieherinnen und Erzieher sind hoch professionelle pädagogische Fachkräfte, die jeden Tag enorme Herausforderungen stemmen. Zweitens: Wir brauchen mehr Erzieherinnen und Erzieher denn je. Obwohl die Anzahl der Fachkräfte in den letzten zehn Jahren um 43 % gestiegen ist – ich glaube, es gibt kaum einen Bereich, in dem wir solche Personalzuwächse haben wie im Bereich der Kitas –, haben wir immer noch nicht genug Fachkräfte. Vor dem Hintergrund dieses Bedarfs und der fachlichen Anforderungen müssen wir einen besonderen Fokus auf Qualität und natürlich auch auf die Anzahl der Auszubildenden legen, und das tun wir. Der Antrag der CDU spricht ein wichtiges Thema an, ohne Zweifel, aber er ist leider, wie so oft, gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Warum? (Abg. Johannes Zehfuß, CDU: Oh! Das sagt gerade die Richtige!) – Doch, das ist so. Uns tut es auch leid, aber so ist es eben. (Heiterkeit im Hause) Die meisten Vorschläge im Antrag – auch das klang schon bei den Kollegen Teuber und Köbler an – sind bereits umgesetzt; Sie hätten einfach einmal ein bisschen schauen müssen. Andere haben wir als Landesregierung schon lange erwogen, fachlich begründet verworfen, und weitere berücksichtigen überhaupt nicht das, was bundesrechtlich geregelt ist und was auch auf Bundesebene schon passiert. Dazu möchte ich vielleicht vorab etwas sagen, auch zu den Verhandlungen auf Bundesebene. Wir haben vor knapp einem Monat eine wirklich historische Sitzung gehabt; die Kultusministerkonferenz und die Jugend- und Familienministerkonferenz haben zusammen getagt. Wir sagen, frühkindliche Bildung ist wichtig und hat vor allen Dingen viel mit Bildung zu tun. Wir haben gleichzeitig gesagt, wir müssen uns überlegen, wie wir mit dem Fachkräftemangel umgehen. Wir haben beraten, wie der Ausbildungsweg in die sozialpädagogischen Berufe und wie die Situation insgesamt verbessert werden können, und haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis kommenden Sommer Vorschläge für alle Länder vorbereitet. Ich glaube, es ist wichtig, darauf zu achten, wie wir bundeseinheitlich vorgehen können. Mit der Stoßrichtung Ihres Antrags rennen Sie nicht nur offene Türen ein, ich würde sagen, Sie rennen eigentlich dem Prozess ein bisschen hinterher. Lassen Sie mich zu den Punkten kommen, die in Ihrem Antrag auf die Zukunft gerichtet sein sollen. Wenn Sie also fordern, die dreijährige duale Ausbildung soll Standardausbildung werden, dann sehen Sie gar nicht, welche Entwicklung wir gemacht haben. Wir haben in Rheinland-Pfalz das berufsbegleitende Modell seit 2020, also seit drei Jahren, neben der vollzeitschulischen Form in die Fläche gebracht. Wir hatten 2013 noch 325 Schülerinnen und Schüler in diesem berufsbegleitenden Modell, heute sind es 2.500. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass es weiterhin eine Nachfrage nach dem klassischen Modell gibt. 60 % der Schülerinnen und Schüler wählen immer noch diese Variante. Deshalb bieten wir sie auch an, damit diese jungen Menschen uns nicht verloren gehen, sondern dass wir sie später als Erzieherin, als Erzieher in der Kita begrüßen können. Forderungen, die Sie stellen – auch das klang schon an –, sind schlicht schon erfüllt. Der qualifizierte Sekundar I-Abschluss ist heute schon im Bereich der allgemeinbildenden Schulabschlüsse die grundsätzliche Mindestzugangsvoraussetzung. Was sollen wir also daran ändern? Ihre zweite Forderung ist ebenfalls nicht sinnvoll; denn Sie lassen die Gruppe der Schülerinnen und Schüler, die einen Berufsreifeabschluss haben, komplett außer acht. Das sind viele von denen, die später Erzieherin und Erzieher werden. Wir haben im Rahmen der Sozialassistenz heute schon die Möglichkeit, die Fachhochschulreife zu ermöglichen und zu erwerben. Wir können davon ausgehen, dass rund 50 % der Schülerinnen und Schüler die HBF-Sozialassistenz besuchen, und sie wollen entweder die Fachhochschulreife erwerben, oder sie wollen Erzieherin oder Erzieher werden. Genau das wollen wir ermöglichen, dass diese jungen Menschen in die Ausbildung kommen und dann auch in der Kita arbeiten. Wir wollen sie nicht ausschließen. Staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher haben – das hat Herr Kollege Teuber schon gesagt – bereits heute mit ihrem Abschluss in Rheinland-Pfalz direkt eine Hochschulzugangsberechtigung entweder an die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften oder fachgebunden an die Universitäten in Rheinland-Pfalz. Die Ausbildungskapazitäten haben wir ebenfalls erhöht. Wir haben heute 6.000 Menschen in der Erzieherinnenausbildung, vor zehn Jahren waren es knapp 4.700, also ungefähr 30 % weniger. Zusammenfassend möchte ich sagen, es tut sich viel, wir tun viel. Wir kommen voran. Es ist und bleibt ein wichtiges Thema, aber der Antrag der CDU hilft uns nicht weiter. Vielen Dank. (Beifall der SPD, der FDP und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Protokoll ↗