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Dr. Stefanie Hubig

08.11.2023 Sitzungen 18/53

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Vielen Dank für die teilweise wirklich differenzierte Debatte bei einem schwierigen Thema. Es gibt nichts zu deuteln, Deutschland muss besser in Deutsch werden. Das gilt für alle Länder, und es gilt damit auch für Rheinland-Pfalz. Was nicht für alle Länder, aber für Rheinland-Pfalz gilt, ist, wir haben uns schon vor fünf Jahren auf den Weg genau dahin gemacht. Wir wissen, wohin wir wollen, und wir wissen auch, wohin wir müssen. Dazu sage ich gleich etwas. Nur eines vorweg: Es gibt nicht die eine Lösung. Die Dinge sind nicht einfach, und es gibt auch nicht die eine Erklärung. Wir brauchen aber keine einfachen Lösungen. Wir brauchen Maßnahmen. Wir brauchen ein Maßnahmenpaket. Das haben wir, und das erweitern wir kontinuierlich. Bevor ich dazu komme, möchte ich genau wie meine beiden Vorredner vielleicht auch einmal auf die positiven Ergebnisse des IQB-Trends schauen und sie unterstreichen, weil es sie sehr wohl gibt und sie auch wichtig sind. Englisch ist schon genannt worden. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind in Englisch besser geworden. Sie sind mittlerweile ziemlich gut darin. In Rheinland-Pfalz sind sie ganz besonders gut. Insgesamt fallen in Rheinland-Pfalz die Ergebnisse in Englisch deutlich über dem Durchschnitt aus. Das ist in einer global vernetzten Welt für unsere Kinder wichtig. Zweitens zeigt sich in Deutsch, rheinland-pfälzische Schülerinnen und Schüler können besser Rechtschreibung als ihre Altersgenossinnen und Altersgenossen in Deutschland. Den Regelstand in deutscher Rechtschreibung erreichen erfreulicherweise in Rheinland-Pfalz mehr Schülerinnen und Schüler als in Deutschland insgesamt. (Abg. Michael Frisch, AfD: Auf welchem Niveau?) Ich erinnere mich an manche Debatte hier über Orthografie. Es gibt in Rheinland-Pfalz deutlich weniger Neuntklässlerinnen und Neuntklässler, die nicht den Mindeststandard in Rechtschreibung erreichen, als in den meisten anderen Bundesländern. An diesem guten Ergebnis wollen wir uns festhalten. Wir wollen es ausbauen. Wir wollen vor allem – ich komme jetzt zu den anderen Punkten – einen Fokus auf das Lesen und das Zuhören legen. In diesen beiden Kompetenzbereichen müssen wir uns unbedingt verbessern, nicht nur in Deutschland, sondern ganz besonders in Rheinland-Pfalz. Ein Satz zu den IQB-Bildungstrends. Man kann die absoluten Werte sehen. Sie sind nicht gut, und daran gibt es überhaupt nichts zu rütteln. Die IQBBildungstrends haben aber noch eine zweite Aussage. Deshalb haben wir sie auch als Kultusministerkonferenz beschlossen. Wir müssen sehen, wie sich Länder entwickeln. Wenn wir uns in Rheinland-Pfalz im Vergleich zu den anderen Bundesländern anschauen, wie die Entwicklung ist, ist sie eine andere, weil Maßnahmen greifen, die wir erreichen. Wir werden in vielen Bereichen nicht schlechter. Wir haben uns in manchen Bereichen gesteigert. Wir sind im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern in einer besseren Situation. Das ist wichtig, und das zeigt, dass die Maßnahmen greifen. Was können wir tun, und was tun wir? – Wir verfolgen schon seit Jahren einen dreigleisigen Ansatz. Erstens stärken wir den Deutschunterricht als Ganzes. Kollege Teuber hat es bereits erwähnt. Wir wollen, dass Deutsch mehr Verbindlichkeit hat. Dafür gibt es einen Grundwortschatz in den Grundschulen. Dafür gibt es künftig im nächsten Schuljahr eine Stunde mehr Deutsch in der zweiten Klasse in der Grundschule. Dafür gibt es künftig eine verpflichtende Lesezeit; denn das Lesen ist ganz wichtig und ganz zentral. Es ist in der Tat so, die Eltern lesen viel zu wenig vor. Auch die Eltern müssen mit ins Boot und ihren Kindern vorlesen. (Abg. Michael Frisch, AfD: Wann sollen sie das denn noch machen?) Wir haben außerdem vorgesehen, dass das Programm „Lesen macht stark“, ein wissenschaftlich fundiertes Programm, künftig verbindlich in unseren Grundschulen ist. (Zurufe des Abg. Michael Frisch, AfD, und von der SPD – Glocke des Präsidenten) Zweitens ist unser Ziel, dass Schüler und Schülerinnen mithilfe von Leistungsmessungen und angepasstem Fördermaterial gezielt gefördert werden. Ich habe gerade schon über „Lesen macht stark“ gesprochen. Wir haben aber weitere Programme für die Schulen vorgesehen, die Diagnose- und gleichzeitig Förderangebote machen. Das ist 2P. Dabei geht es vor allem auch darum, bei Jugendlichen mit Deutsch ohne Muttersprache die Kompetenzen in Lesen, Zuhören und Orthografie zu messen. VERA-Vergleichsarbeiten wollen wir noch einmal deutlich stärken, und zwar so, dass sie besser in den Unterricht integriert werden können, damit es weniger Aufwand für die Lehrkräfte ist. Wir brauchen diese wiederholten Leistungsmessungen. Wir werden künftig noch einmal mehr einen Fokus darauf legen, weil wir schauen müssen, wo die Schülerinnen und Schüler stehen. Dann ist es aber auch wichtig, wie wir sie fördern können. Das dritte Gleis unserer Strategie ist, dass wir Schülerinnen und Schüler und übrigens auch Schulen, die besondere Unterstützung brauchen, besonders unterstützen. 14,5 Millionen Euro als Corona-Aufholpaket hat das Land noch einmal eigens gestemmt. Anders als die meisten anderen Bundesländer haben wir gesagt, wir wollen und brauchen noch einmal zusätzliche Unterstützung unserer Schulen, damit Schülerinnen und Schüler die Basiskompetenzen schaffen. Wir unterstützen Grundschulen in herausfordernder Lage ganz besonders mit Schulgesundheitsfachkräften; ganz wichtig, ein gutes Programm mit Schulsozialarbeit, damit es mehr multiprofessionelle Teams gibt. Auch die Familiengrundschulzentren sind schon angesprochen worden. Es ist wichtig, dass wir uns hier insgesamt auch stärker in den Sozialraum öffnen. Wir haben viele Maßnahmen im Primarbereich vor fünf Jahren angestoßen. Natürlich können sie jetzt noch nicht wirken, aber sie haben eine Auswirkung auf die Schülerinnen und Schüler, die irgendwann einmal in die achte und neunte Klasse kommen. Wir werden uns aber auch noch einmal die Sekundarstufe ganz genau ansehen; denn im Lesen und Zuhören muss Rheinland-Pfalz, aber Deutschland insgesamt viel, viel besser werden. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)

Protokoll ↗