Jennifer Groß
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Grundlagen für die Sprach- und Lesekompetenz eines Kindes werden bereits in den jüngsten Jahren gelegt. Die Fähigkeit zur deutschen Sprache, zur Kommunikation ist von großer Bedeutung und trägt maßgeblich zur Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Kindes bei. Liebe Kollegen, mit Blick auf diese Tatsachen stellen sich dann aber wichtige Fragen für die CDU-Fraktion. Warum werden spezielle Förderungen für genau diese Altersgruppen gestrichen? Warum werden beispielsweise Sprachkitas personell nicht mehr entsprechend unterstützt? Frau Ministerin, wenn Sie Ihre Aussagen vom Juni dieses Jahres ernst nehmen, Deutschkenntnisse seien der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft und Integration, dann sollten Sie die Bildungspolitik überdenken und gezielte Unterstützungen für den Erwerb der Deutschkenntnisse anbieten. (Beifall der CDU) Offenbar – das sagen die Experten, die Studien, die Wirtschaft und die Ausbildungsbetriebe – reichen die bisherigen Programme und Projekte nicht aus. Dies ist ebenfalls eine Erkenntnis aus der Anhörung Anfang des Jahres. Ob IGLU, PISA oder vieles Weitere, wir schneiden nirgends brillant ab. Die kürzlich auf der Kultusministerkonferenz vorgestellten Studienergebnisse für Neuntklässler sind erneut alarmierend. Immer mehr Schüler in RheinlandPfalz haben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Im Bereich Rechtschreibung erreicht mehr als jeder Fünfte nicht den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss. Rund 37 % der Schülerinnen und Schüler verfehlen die Mindeststandards im Zuhören und mehr als 36 % im Lesen. Wichtig ist jedoch, dass Kompetenzen von Beginn an gelernt und gestärkt werden. (Beifall der CDU) Nicht allerdings erst ab der fünften Klasse muss eine Förderung erfolgen, sondern ab dem Kindergarten. Wir dürfen hier kein einziges Kind verlieren. Die aktuellen Ergebnisse der Studie sind leider aber ein weiterer Schlag in das bildungspolitische Kontor und in die Misere des Landes. Wir können und dürfen uns einfach Nichts schönreden und mit dem Finger auf andere Bundesländer zeigen oder sagen, es sei nur ein gewisser Corona-Effekt. Wir müssen unsere Hausaufgaben hier und heute in diesem Hause erledigen und uns darum kümmern. Nicht ständig neue Projekte sind die Antwort, sondern das konsequente Stärken des Deutschunterrichts für alle Kinder und Jugendliche, mehr Personal und verpflichtende Sprachstandserhebungen. Der im Sommer vorgestellte 9-Punkte-Plan sieht eine zusätzliche Deutschstunde für die zweiten Klassen ab dem nächsten Schuljahr vor. Eine lobenswerte Idee, aber bei Weitem nicht ausreichend. (Abg. Sven Teuber, SPD: Ist auch nicht alles!) Warum wird dies nicht auf weitere Klassenstufen ausgedehnt, um langfristig Wirkungen zu haben? (Beifall bei der CDU) Ein weiterer Aspekt in dieser Debatte: Was bedeuten diese Ergebnisse für die berufliche Ausbildung unserer Schülerinnen und Schüler? (Abg. Michael Frisch, AfD: Allerdings!) Welchen Einfluss haben sie auf die Ausbildungsbetriebe? – Die nachlassende Deutschkompetenz der Schulabgänger hat nämlich schwerwiegende Konsequenzen für ihre berufliche Zukunft und belastet die Ausbildungsbetriebe bereits seit Jahren massiv. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels eine weiterhin unhaltbare Situation. Unternehmen beklagen bereits heute, dass sie ihren Auszubildenden Nachhilfeunterricht geben müssen, Bewerbungen bekommen, in denen teilweise Anschriften oder Adressen fehlen, und dann haben wir noch nicht über die Orthographie gesprochen. (Heiterkeit des Abg. Michael Frisch, AfD) Sie haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze mit qualifizierten Schülerinnen und Schülern zu besetzen. Es kann tatsächlich nicht sein, dass hier Rheinland-Pfalz seine Hausaufgaben nicht macht. Mitunter hört man auch den Begriff der Ausbildungsunfähigkeit in diesem Bereich. (Abg. Joachim Paul, AfD: Wahnsinn!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist die Aufgabe unseres Schulsystems und es liegt damit in der Verantwortung der Landesregierung sicherzustellen, dass Schulabgänger angemessen auf das Berufsleben vorbereitet werden. Es reicht daher nicht aus, Programme mit wohlklingenden und wohlfeilen Namen wie „Lesen macht stark“ oder „Mit Kindern im Gespräch“ zu starten, wenn sie insgesamt nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. (Heiterkeit des Abg. Michael Frisch, AfD) Das erleben wir in den letzten Jahren immer wieder. Egal welches Programm, egal welches Projekt in Rheinland-Pfalz kommt, wir schneiden nirgends gut ab. (Abg. Michael Frisch, AfD: Entscheidend ist, was hinten rauskommt!) Die Evaluation dieser Programme ist also mit Blick auf die Studienergebnisse umso wichtiger. Wir diskutierten das Thema der Sprach- und Grundkompetenzen unserer Kinder schon häufiger in diesem Hause. Für die CDU-Fraktion geht es heute nicht mehr nur um Sprachförderung und Testergebnisse für das Fach Deutsch, nein, es geht darum, Probleme frühzeitig zu erkennen und lösen zu wollen, bevor es überhaupt soweit kommt und das berühmte Kind im Brunnen ist. Vielen Dank. (Beifall der CDU sowie des Abg. Martin Louis Schmidt, AfD)
