Philipp Fernis
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Frisch, Ihre Zwischenrufe sind und was Frau Nieland hier gesagt hat ist durchaus bemerkenswert. Herr Frisch, Sie haben die Frage gestellt, warum wir das aufbrechen wollen. Der Hinweis der Kollegin Demuth war, dass es bestimmte Rollenbilder gibt, die nach wie vor geprägt werden. Wir brauchen mit Blick auf die Frage, wo wir Nachwuchs haben und wo wir Nachwuchsprobleme haben, doch ein Stück weit zumindest eine Gesellschaft, die sich darum bemüht, dass Menschen möglichst offen an diese Frage herangehen. Es muss doch bitte ein Ziel einer gesellschaftlichen Orientierung in der Kindheit sein, Kindern nicht bestimmte Rollenbilder mitzugeben. Machen wir uns doch nichts vor, beim Begriff „Flugzeugmechanikerin“ stutzen wir noch ein Stück. Es ist doch eine Realität. Das ist doch eine Realität, dass bestimmte Berufsbilder bei uns nun noch relativ stark mit Geschlechtern verbunden sind. Ich halte es für ein durchaus sinnvolles Ziel zu sagen, wir möchten das ein Stück weit aufbrechen. Es gibt Felder, in denen uns das ganz gut gelungen ist. Rheinland-Pfalz liegt beim Frauenanteil bei der Polizei inzwischen bundesweit vorne. Bei den Anwärterinnen und Anwärtern haben wir annähernd Parität erreicht. Das ist ein Beruf, der lange für Frauen gar nicht zugänglich war. Da sehen Sie doch, dass man solche Dinge übrigens ohne jeden Druck und ohne jeden Zwang gesellschaftlich verändern kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass das auch Institutionen guttut. Deswegen ist auch das, was wir mit den Girls’- und den Boys’Days versuchen, genau zu sagen, wir nehmen das in den Blick, wir schaffen eine Möglichkeit. Niemand muss da mitmachen. Kein Unternehmen muss da mitmachen, keine Schülerin muss da mitmachen, kein Schüler muss da mitmachen, aber wir schaffen einfach einmal ein Angebot und eine gute Idee. An dieser Stelle ist die CDU-Fraktion hingegangen und hat ein Angebot, das es im begrenzten Umfang in Nordrhein-Westfalen gibt, kopiert und gesagt, das machen wir auch einmal in Rheinland-Pfalz. Ich habe da ganz offen Zweifel. Ich habe da ganz offen, was den Antrag konkret angeht – so sehr ich das Ziel teile, das will ich an der Stelle ganz klar sagen –, Zweifel zu sagen, es ergibt Sinn, hier einen Baustein, den man sich in einem anderen Land angesehen hat, in ein Land zu kopieren, in dem es auch eine Reihe von Maßnahmen gibt. Im Gegensatz zu dem Konzept aus Nordrhein-Westfalen gibt es zum Boys’- und zum Girls’Day eine Evaluierung. Diese Evaluierung zeigt, dass das durchaus Dinge sind, die eine gewisse Wirkung haben, wenn man sich anschaut, wie Menschen nach einem entsprechenden Einblick die Frage beantworten, ob sie sich für entsprechende Berufe interessieren und wie sie das vorher beantwortet haben. Immerhin ist der Anteil von Mädchen und jungen Frauen, die sich vorstellen können, einen der Berufe zu ergreifen, von 6 % auf 17 % gestiegen. Ich bin froh – das will ich an der Stelle sagen –, dass unter den Top-20-Studiengängen, die Frauen studieren, inzwischen immerhin sechs MINT-Fächer sind. Das sind alles auch Berufe, bei denen wir ein Interesse haben müssen, dass Menschen das ein Stück für sich entdecken. Es ist doch illusorisch, so zu tun – das sagt jemand, der nun wirklich Freiheit hochhält –, als seien das Entscheidungen, die junge Menschen vollkommen frei von Dingen, die sie aus der Gesellschaft mitbekommen, treffen. Dann hat Politik, die solche Fragen gesellschaftspolitisch ernst nimmt, den Auftrag, darüber zu diskutieren, wie wir an dieser Stelle Wahlfreiheit dadurch stärken, dass wir Menschen ihre Wahloptionen ein Stück weit stärker vor Augen führen, als es heute im Alltag noch ganz selbst verständlich stattfindet. Frau Nieland, Herr Frisch, wissen Sie, wir wissen alle, dass Sie zu einem Gesellschaftsbild zurückwollen, von dem wir uns zum Glück in Deutschland inzwischen sehr weit entfernt haben. Diesen Weg gehen wir mit Ihnen nicht mit, den Schnellschuss-Antrag der CDU allerdings auch nicht. Herzlichen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
