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Susanne Müller

SPD 28.09.2023 Sitzungen 18/51

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren heute über die Frage der Notwendigkeit einer Girls’- oder Boys’ Academy in Rheinland-Pfalz, um vorhandene Geschlechterklischees bei der Berufswahl zu überwinden. Wenn wir uns die Geschichte des Girls’Days anschauen, dann wurde dieser ins Leben gerufen, um mehr junge Frauen für Ausbildungs- oder Studienberufe zu begeistern; denn noch immer sind Frauen in diesem Sektor unterrepräsentiert und können ihre Arbeitsmarktkarriere, aber auch ihre Verdienstmöglichkeiten nicht voll ausschöpfen. Während des Girls’Days sollen Mädchen die Möglichkeit erhalten, Einblicke in diese Berufe zu erhalten, aber auch eine Orientierung für ihre Berufs- oder Lebensplanung soll ermöglicht werden. Das Projekt „Boys’Day-Zukunftstag“ hingegen gibt Jungen die Möglichkeit, Berufe kennenzulernen, in denen Männer unterrepräsentiert sind. Das sind vor allem Berufe aus dem erzieherischen Bereich. Schnupperpraktika und Workshops können dies unterstützen. Rheinland-Pfalz beteiligt sich seit 2002 an der Durchführung. Unterstützt wird die Landeskoordinierungsstelle für den Girls’Day von 21 regionalen Arbeitskreisen, vielen teilnehmenden Institutionen und Unternehmen. Klar ist, Mädchen und junge Frauen brauchen geschlechtersensible Angebote bei der Unterstützung ihrer Lebensplanung. Der Girls’- und Boys’Day kann dabei ein wichtiger Baustein sein. Ein weiterer wichtiger Baustein, der die geschlechtssensible Förderung mit einschließt, ist die MINT-Förderung in Rheinland-Pfalz. Das ist die Förderung im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Hier hat sich Rheinland-Pfalz auf den Weg gemacht, Ideen, Konzepte und Empfehlungen zu einer geschlechtersensiblen MINT-Förderung zu entwickeln, um so unter anderem den Frauenanteil von nur 13,6 % in den MINT-Berufen zu erhöhen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Ada-Lovelace-Programm. Hier geht es gezielt darum, Mädchen und junge Frauen für die MINT-Fächer zu begeistern und sie für eine selbstbestimmte und reflektierte Studien- und Berufswahl starkzumachen. In Kooperation mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und anderen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wird daran gearbeitet, durch Mentoring traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und geschlechtergerechte MINT-Förderung zu entwickeln. Doch es geht noch weiter. Im letzten Dezember haben die BASF und das Bildungsministerium für Rheinland-Pfalz vereinbart, weiter und enger zusammenzuarbeiten. Die gemeinsame Finanzierung von mobilen Laboren oder das Projekt „Kinder entdecken Technik“ sind nur einige Beispiele. Abgesehen von diesen Projekten gibt es in Rheinland-Pfalz den Praxistag, ein deutschlandweit einmaliges Projekt, das seit 2007 durchgeführt wird. An diesem werden fachliche, aber auch überfachliche Kompetenzen gefördert für Schülerinnen und Schüler in den Klassen 8, 9 und 10 im Bildungsgang der Berufsreife. Doch es gibt noch mehr: Tage der Berufs- und Studienorientierung, Praktika, Schnuppertage an den Universitäten, eine App mit dem Namen „zukunft läuft“, das Projekt Übergangscoach, das Kompetenzanalyseverfahren Profil AC, nicht zu vergessen das rheinland-pfälzische Schulprojekt „Keine/r ohne Abschluss“, das seit 2009 an den Realschulen durchgeführt wird, um es Schülerinnen und Schülern ohne Abschluss zu ermöglichen, diese Qualifikation nachzuholen; denn ein außerschulisches Angebot lässt viele Schülerinnenund Schülergruppen außen vor und kann beispielsweise in NRW auch nur an fünf Standorten angeboten werden, weil dies durchaus mit einem hohen administrativen Aufwand und hohen Kosten verbunden ist. Uns geht es darum, dieses Angebot allen Schülerinnen und Schülern über das ganze Jahr verteilt anzubieten und nicht nur an den Standorten, an denen sich Kommunen das leisten können. Das beinhaltet aber auch, dass wir die bestehenden Bausteine weiter ausbauen und neue entwickeln werden. Aus den dargelegten Gründen lehnen wir den Antrag der CDU daher ab. Lassen Sie uns an dieser Stelle ehrlich sein. Natürlich sollen soziale, erzieherische und auch pflegerische Berufe Anerkennung und Aufwertung verdienen, aber nicht aus dem Grund, dass sich neuerdings Jungen dafür begeistern sollen, sondern weil sich Schülerinnen und Schüler frei dafür entscheiden. Es geht um das Aufbrechen verschiedenster Geschlechterstereotypen, nicht nur im beruflichen, sondern auch im sozialen Kontext. Das funktioniert zum einen über Vorbilder, aber auch über rechtliche Vorgaben im Arbeits- oder Steuerrecht, die diese Geschlechterstereotypen stützen oder auch aufbrechen lassen könnten. Solange wir hier über einen Gender-Pay-Gap, Entgelttransparenz oder über ein Führungspersonengesetz diskutieren müssen, wird es weiterhin erhebliche Probleme geben, junge Menschen für soziale, erzieherische oder Berufe im Gesundheitssektor zu begeistern. Daran ändert auch keine Girls’ und Boys’ Akademie etwas. Vielen Dank. (Beifall der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP)

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