Dr. Jan Bollinger
Herr Präsident, meine Damen und Herren! „Die Zeit drängt“ schreibt die CDU in ihrem Antragstitel. Das trifft natürlich tatsächlich zu, wenn es um Maßnahmen geht, die die Energiepreise senken und unsere unter Druck geratene Industrie entlasten können. Trifft das aber auch auf die vorliegenden Vorschläge im CDU-Antrag zu? Wir sind als AfD für Technologieoffenheit. Dem Wasserstoff werden von Experten Chancen eingeräumt, wenn es um Energie für schwere Lkw, Gebäudeheizung und Busse geht. Wenn wir aber einmal die Welt der Science-Fiction-Romane verlassen und stattdessen in die Welt der mitunter harten wirtschaftlichen Realitäten hinabsteigen, dann müssen wir Folgendes feststellen: Die Herstellung von Wasserstoff aus grünem Überschussstrom, den die CDU in Punkt 3 ihres Antrags propagiert, ist aktuell nicht einmal ansatzweise wirtschaftlich. Wir bewegen uns zurzeit in Deutschland bei Kosten von 4 bis 6 Euro pro Kilogramm grünem Wasserstoff aus Elektrolyse. Umgerechnet auf die Kilowattstunde macht das durchschnittlich 15 Cent. Demgegenüber stehen im Moment Gasgroßhandelspreise von 4 Cent pro Kilowattstunde. Selbst diese 4 Cent sind bereits teuer; denn unsere Gasversorgung beruht inzwischen hauptsächlich auf teurem Flüssiggas. 4 Cent ist bereits ein Gaspreis, bei dem die deutsche energieintensive Industrie nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber zum Beispiel den USA ist. Wenn wir dann noch den teuren Wasserstoff rückverstromen wollen, kommen wir aufgrund des Wirkungsgradverlustes der Brennstoffzelle von etwa 40 % auf Produktionskosten von mehr als 25 Cent pro Kilowattstunde Strom. Demgegenüber stehen lediglich 3 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus den Kernkraftwerken, die nun irrsinnigerweise stillgelegt wurden. (Unruhe bei der SPD) Meine Damen und Herren, es geht darum, dass Wasserstoff nicht nur ein bisschen teurer ist, sondern gleich um das Vierfache oder Neunfache. (Zuruf des Abg. Benedikt Oster, SPD) Das ändert sich nicht über Nacht. Optimistische Studien gehen davon aus, dass wir durch die technologische Entwicklung bis zum Jahr 2030 den Wasserstoffpreis auf ungefähr 3 Euro pro Kilogramm senken können. Selbst dann aber – Herr Oster, sperren Sie die Ohren auf – ist Wasserstoff noch weit von einem Break Even entfernt. (Heiterkeit des Abg. Michael Frisch, AfD –
