Fabian Kirsch
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Eines ist in der heutigen Debatte mehr als deutlich geworden: Es geht hier eigentlich nicht um Rechtschreibung, sondern es geht um eine gesellschaftspolitische Debatte. Eine geschlechtergerechte Sprache, eine geschlechtersensible Sprache ist eine inklusive Sprache. Sie grenzt niemanden aus, nimmt aber auch niemandem etwas weg. Deswegen bin ich persönlich immer verwundert, mit welcher Vehemenz diese Debatte geführt wird. Es werden zwei Themen im Antrag angesprochen, auf die ich in der gebotenen Kürze eingehen will. Das eine ist das Thema „Schule“. Für ein Schreiben an die Schulleitungen gibt es einfach keine Notwendigkeit. Das ist nicht erforderlich; denn es gibt in den Schulen einen Umgang mit der Frage. Schülerinnen und Schüler sowie die Schulleitung gehen sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema um, und Schülerinnen und Schüler können auch sehr gut unterscheiden, was Rechtschreibung und was Gesellschaftspolitik ist. Weil es hier angesprochen wurde, will ich auf einen Umstand eingehen. Der Staat kann niemandem vorschreiben, wie er zu sprechen oder zu schreiben hat. (Beifall des Abg. Sven Teuber, SPD, und Zuruf: Das ist auch gut so!) Das bedeutet konkret, wenn in einem Brief oder einer Publikation eine Firma, eine Privatperson oder irgendjemand Genderzeichen verwenden will, nur kleinschreiben will oder nur großschreiben will oder was auch immer tun will, dann darf diese Person das tun. Darauf hat der Staat – das ist auch gut so – keinen Einfluss. Deswegen gibt es auch keine sprachpolitischen Unsicherheiten in irgendeiner Form. Zum Thema „geschlechtergerechte Sprache in der Landesverwaltung“ habe ich ausführlich im zuständigen Ausschuss Stellung genommen. Es gibt eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Überarbeitung einer bestehenden Verwaltungsvorschrift befasst, die geändert werden sollte. Im Übrigen geht diese Verwaltungsvorschrift schon seit über 20 Jahren auf das Thema „geschlechtergerechte Sprache“ ein. Ich glaube, über eines gibt es Einigkeit: Wir würden uns alle wünschen, wenn es eine Verständigung gäbe, wie geschlechtergerechte, inklusive Sprache funktioniert, sodass es keine unterschiedlichen Formen gibt. Deswegen würde ich es persönlich für sehr wünschenswert halten, wenn sich der Rat für deutsche Rechtschreibung dafür entscheiden könnte, eine entsprechende Empfehlung abzugeben. Sprache ändert sich. Wenn hier immer wieder auf einen vermeintlichen Wille von Menschen rekurriert wird, dann will ich einmal ein einfaches und eingängliches Beispiel bringen: Wenn Sie vor 40 oder 50 Jahren gefragt hätten, ob das sprichwörtliche Fräulein zeitgemäß und notwendig wäre oder ob man darauf verzichten könne, dann hätten viele wahrscheinlich gesagt: Ja, das ist zeitgemäß. Ich habe doch schon immer die Bedienung im Café als Fräulein gerufen. Warum soll ich das denn ändern? – Die Zeit ist einfach darüber hinweggangen. Das hat sich einfach entsprechend geändert. Wenn der Rat für deutsche Sprache eine Empfehlung zur Verwendung von Wortbinnenzeichen abgeben sollte – in welcher Form auch immer –, dann wäre ich persönlich gespannt, ob diejenigen, die jetzt so vehement die Empfehlung des Rats verteidigen und als allein gültig angesehen haben, das auch tun, wenn es so weit ist, oder ob es nur solange getan wird, solange diese Empfehlung so ist, wie sie vermeintlich dem Willen derer entspricht, die dazu gesprochen haben. Vielen Dank. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Marco Weber, FDP)
