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Dr. Lea Heidbreder

GRÜNE 28.09.2023 Sitzungen 18/51

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor zwei Tagen sind bei uns in der Straße Bauarbeiten durchgeführt worden, und das Wasser wurde für fünf Stunden abgestellt. (Abg. Marco Weber, FDP: Oi, oi!) Manchmal merkt man erst, wenn etwas fehlt, was man an einer Sache hat, und was für einen Wert manche Selbstverständlichkeiten haben, wenn man den Wasserhahn aufdrehen kann und frisches Trinkwasser dabei herauskommt. Wenn man im Moment in die Zeitung schaut und in der Zeitung liest, dass in Südfrankreich gerade das Trinkwasser knapp wird oder auch Kommunen in Rheinland-Pfalz gerade Restriktionen erlassen, was die Gartenbewässerung oder das Füllen von Planschbecken angeht, dann sieht man, dass wir handeln müssen, um uns diese Selbstverständlichkeiten zu bewahren. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Aufgrund der Klimakrise verändert sich unser gesamter Wasserhaushalt. Wir kennen das vom Haare Föhnen, bei höheren Temperaturen verdunstet das Wasser schneller, und ähnlich ist es auch beim Thema „Regen“. Wenn wir höhere Temperaturen haben, dann verdunstet das Wasser entsprechend schneller, (Abg. Johannes Zehfuß, CDU: Deswegen müssen wir vorsorgen!) es sickert nicht in den Boden herab, und die Grundwasserneubildung geht zurück. Wir haben gestern die Zahlen gehört, minus 25 % oder sogar minus 50 % in einigen Regionen. Ich glaube, das sollte uns aufrütteln, weil wir wissen, dass 97 % unseres Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen wird. Gleichzeitig sehen wir auch, die Luft speichert mehr Wasserdampf. Man kann ungefähr sagen, bei 1 Grad Temperaturanstieg wird 7 % mehr Wasserdampf in den Wolken gehalten. Es kommt also zu mehr Starkregenereignissen. Es kommt zu heftigeren, öfteren Regenfällen in sehr kurzer Zeit. Wasser wird also in Zukunft entweder knapper, oder es wird bei Hochwasserund Starkregenereignissen im Überfluss vorhanden sein. Auf all diese Szenarien müssen wir uns vorbereiten. Das Umweltministerium hat diese Herausforderungen im Blick und entwickelt gemeinsam mit allen Akteuren den Zukunftsplan Wasser, eine klimaangepasste Strategie für die Sicherung der Wasserversorgung in ganz Rheinland-Pfalz. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Die Resonanz letzten Freitag hat gezeigt, das Thema trifft den Nerv der Zeit. Über 170 Menschen sind in Ingelheim zusammengekommen und haben beraten, wie wir die Wasserwirtschaft der Zukunft gestalten können. 124 Maßnahmen wurden vorgestellt. Das Ganze soll in einer Gesamtstrategie münden. Ich möchte auf drei übergreifende Punkte eingehen. Es gilt erstens, die Grundwasserneubildung in der Fläche zu unterstützen. Im Rahmen des Forschungsprojekts Klimawald 2100 werden schon jetzt Maßnahmen vorgestellt, wie wir den Wasserrückhalt im Wald optimieren können. Man kann in den Soonwald fahren, nach Adenau oder nach Hachenburg. Überall dort kann man diese Erprobung eindrücklich beobachten. Das Ziel muss sein, den Oberflächenabfluss zu reduzieren und mehr Wasser in der Fläche versickern zu lassen. (Abg. Johannes Zehfuß, CDU: Wo Sie recht haben, haben Sie recht!) Es gilt zweitens, einen sparsamen Umgang mit unserer Ressource Wasser zu finden. Wir haben gestern über das Thema „Landwirtschaft“ gesprochen, und natürlich gilt das auch für die Privathaushalte. Ein Drei-Personen-Haushalt verbraucht ungefähr so viel Wasser am Tag, wie in zwei Badewannen passt. Die Tendenz ist sogar seit einigen Jahren steigend. Die Kommunen haben die Möglichkeit, zum Beispiel Satzungen zu erlassen und damit Anreize zu setzen, das Niederschlagswasser mehr zu nutzen oder auch im eigenen Garten Regenwasser zurückzuhalten. Drittens sollte das Wasser nicht nur in der Fläche, nicht nur im Wald, nicht nur auf dem Acker zurückgehalten werden, auch die Dorf- und die Stadtentwicklung kann natürlich einen Beitrag leisten. Wir haben in der EnqueteKommission schon gemeinsam diskutiert, welche Rolle an dieser Stelle auch die wassersensible Stadt spielen kann. Mit der Aktion Blau Plus und der Aktion Grün bietet das Land mehrere Möglichkeiten, wie Kommunen im Land grüne blaue Oasen vor Ort umsetzen können. Wir haben gestern schon KIPKI erwähnt. 250 Millionen Euro stehen für Klimaschutz bereit. Ein großer Anteil kann auch für das Thema „Klimaanpassung“ bereitgestellt werden, zum Beispiel für die Begrünung von Schulhöfen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Nico Steinbach, SPD) Auch die Förderrichtlinie der Wasserwirtschaftsverwaltung wurde überarbeitet, damit die Förderkonditionen für Hochwasserschutz und Wasserrückhalt nun besser sind. Ich glaube, wer einmal in südeuropäischen Ländern im Urlaub die Erfahrung mit gechlortem Wasser gemacht hat, der weiß die Qualität unseres Trinkwassers hier vor Ort sehr zu schätzen. Damit Trinkwasser in einwandfreier Qualität in ausreichender Menge zur Verfügung steht, müssen Land, Kommunen und Wasserversorger Hand in Hand zusammenarbeiten. Deshalb ist es so wichtig und richtig, dass das Umweltministerium den Pakt der resilienten Wasserversorgung und ein Sonderförderprogramm mit 30 Millionen Euro auf den Weg gebracht hat, um die Verbindungen von Leitungsnetzen auf den Weg zu bringen. Resiliente Netze bedeuten, sich bei regionalen Bedarfen auch untereinander aushelfen zu können. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Nico Steinbach, SPD) Unsere Wasserwirtschaft im Land ist stark aufgestellt. Aufgrund der anhaltenden Klimakrise sind aber umfassende Anpassungen in der Trinkwasserversorgung und im Schutz unserer wertvollen Grundwasserreserven notwendig geworden. Ich glaube, man muss keine Prophetin sein, um zu sagen, Wasser wird in den nächsten Jahren ein Dauerthema für uns werden. (Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) Das hat auch unsere Große Anfrage „Trinkwasserversorgung in der Klimakrise“ zum Ausdruck gebracht. Umso wichtiger ist es, dass wir hier alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Das Land hat sich auf den Weg gemacht, die Trinkwasserversorgung zukunftssicher aufzustellen und die Selbstverständlichkeit der Wasserversorgung für uns alle zu bewahren. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Benedikt Oster, SPD, und Marco Weber, FDP)

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