Steven Wink
Verehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Viele kennen das Gefühl, alleine zu sein. Die erste Freundin, der erste Freund macht Schluss. Man kommt in eine neue Klasse. Man zieht in eine neue Stadt, fühlt sich allein und einsam, oder auch in den Zeiten des Lockdowns. Wir alle wissen – jeder hat diese Erfahrung schon einmal gemacht –, das ist kein schönes Gefühl, aber meistens hat man dann doch Freundinnen und Freunde und Familie, die ein solches Gefühl und einen persönlich in der Situation abfangen. Es gibt aber Menschen, die täglich mit diesem Gefühl leben, keine Freunde und keine Familie mehr haben, gerade im hohen Alter, aber auch in jedem Alter. Wichtig ist es, gerade hier über das Thema zu sprechen und bei diesem Thema aufzuklären. Es ist zudem wichtig zu unterscheiden, einsam zu sein ist nicht immer gleich allein zu sein. Viele Menschen suchen auch temporär bewusst die Einsamkeit, um rauszukommen. Einsam sein ist aber nicht immer alleine sein. Das ist wichtig an dieser Stelle. Dass Einsamkeit heute überhaupt noch in unserer Gesellschaft zugegen ist, die mit Handys immer schneller wird, man immer schneller in Kontakt treten kann, über soziale Medien mit anderen Nachrichten schreibt und alles im Internet sofort verfügbar ist, zeigt doch, wie wichtig dieses Thema ist und dass wir es weiter im Fokus behalten sollten. Das Wichtige ist, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und Strategien zu entwickeln, die dies in Zukunft weiter stärken. Es gibt eine Vielzahl von Projekten in Rheinland-Pfalz, die mit Geld unterlegt sind. Ich möchte die Gemeindeschwesterplus noch einmal erwähnen. Wir hatten eine Anhörung im Ausschuss, in der diese sehr löblich hervorgehoben und durchweg positiv erwähnt wurde, ob mit präventiven Hausbesuchen im sozialen Umfeld oder durch Unterstützung das soziale Umfeld zu halten. Der Evaluationsbericht hat gezeigt, dass sie nicht mehr wegzudenken ist, und deshalb auch der Rollout durch diese Ampelkoalition. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es gibt aber auch Projekte wie „Smart Surfer“ zur Förderung der digitalen Teilhabe. Das ist ein Punkt. Wichtig ist hier auch, dass man unsere analogen Angebote nachher mit den digitalen Angeboten koppelt und miteinander vereint, um generationsübergreifend zu diesem Punkt der Einsamkeit zu arbeiten, Jung und Alt, Mann und Frau zusammenzuführen und nachher auch präventiv zu arbeiten. Es gibt Lesebotschafter, es gibt Literaturspaziergänge, viele analoge Angebote, die Menschen zusammenführen. Ergänzt um Seniorencafés und Nachbarschaftsinitiativen – Kollegin Anklam-Trapp hat es angesprochen – fördern wir soziale Teilhabe und Teilhabe an der Gesellschaft, und das oftmals auch mit hohem ehrenamtlichen Engagement. Ich habe es angesprochen, wichtig für die FDP-Fraktion ist, dass wir das generationsübergreifend als herausfordernd ansehen und in der Prävention in dieser rasant wachsenden Gesellschaft noch besser und noch aktiver werden. Generationsübergreifend gibt es Projekte wie „Radeln ohne Alter“. Es gibt Onlineangebote und Vor-Ort-Angebote. Wichtig ist aber, dass wir diese Angebote verknüpfen, verzahnen und in einer, ich sage einmal, Landkarte aufzeigen, was es alles gibt, wohin sich die Menschen wenden können, und in der generationsübergreifenden Tätigkeit auch die Medienkompetenz fördern, damit alle diese digitalen Medien nutzen können. Zur Prävention selbst – auch das hat Kollegin Anklam-Trapp angerissen, aber ich möchte es trotzdem noch einmal erwähnen – gehört das Thema der Armut; denn Armut fördert Einsamkeit und fördert Ausschließung. Viele arme Menschen schämen sich, darüber zu sprechen, dass sie arm sind. Das fördert Einsamkeit in der Gesellschaft. Mir ist die Thematisierung der Altersarmut sehr wichtig, aber wir müssen schon bei der Kinderarmut anpacken. Deshalb freut es mich – übrigens eine Idee der rheinland-pfälzischen Ampel –, dass im Bund die Kindergrundsicherung umgesetzt wird, (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und ich freue mich, dass sie in ordentlich kalkulierten und geplanten Maßnahmen umgesetzt wird; denn Empfänglichkeit für Einsamkeit entsteht oftmals schon in der Kindheit, wenn die Kinder von der Gesellschaft ausgegrenzt sind. Verbesserung geht natürlich immer, mehr machen kann man immer. Wichtig zum Schluss noch einmal, die Vernetzung der Angebote, die Verschmelzung der analogen und digitalen Angebote und die Prävention vor Einsamkeit, egal in welchem Alter, in Rheinland-Pfalz. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
