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Damian Lohr

AfD 27.09.2023 Sitzungen 18/50

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Einsamkeit und soziale Isolation sind eine sehr ernst zu nehmende gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nicht zuletzt infolge der pandemischen Lage der letzten Jahre zunehmend in den Fokus geraten ist. Das ist gut so; denn Einsamkeit und soziale Isolation sind komplexe Problemfelder mit nicht zu unterschätzenden Auswirkungen auf die Gesellschaft. Komplex ist die Thematik vor allem deshalb, weil Einsamkeit als wahrgenommene Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen beschrieben wird, es also eine subjektive und eine objektive Komponente gibt, die nicht zwingend übereinstimmen müssen. So können Menschen zwar sozial isoliert sein, sich aber nicht einsam fühlen. Allerdings kann auch das Gegenteil der Fall sein. Jeder Mensch empfindet dabei anders. Das macht dieses Problemfeld so vielschichtig. Zudem sind zum Beispiel die gesundheitlichen Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Einsame Menschen leiden etwa häufiger an Herz-KreislaufErkrankungen, erleiden häufiger Schlaganfälle und versterben nicht selten früher als Menschen, die eben nicht einsam sind. Einsamkeit wird generell mit psychischen Erkrankungen wie Depression oder auch Angststörungen in Verbindung gebracht. Gerade bei Kindern und Jugendlichen konnte man das zuletzt im Zusammenhang mit der pandemischen Lage und den diesbezüglichen Bekämpfungsmaßnahmen deutlich beobachten. Generell hat die pandemische Lage Einsamkeit und soziale Isolation verstärkt. Kinder und Jugendliche konnten über lange Zeiträume keine sozialen Kontakte in der Schule, bei gemeinsamen Aktivitäten oder im Vereinsleben pflegen. Das betraf aber nicht nur junge Menschen. Im Homeoffice fehlte es oftmals an der persönlichen Interaktion mit Kollegen am Arbeitsplatz. Viele alte Menschen litten unter den strengen Zugangsbeschränkungen in Einrichtungen der Altenpflege. Der Präsident des französischen Conseil scientifique Covid-19 brachte es auf den Punkt, als er sagte: Bei uns haben viele alte Leute mehr unter Einsamkeit als unter Corona gelitten. – Eine Erkenntnis, die man sicherlich auch hierzulande nicht von der Hand weisen kann. Gut also, dass wir uns hier und heute noch einmal mit dem Thema „Einsamkeit“ beschäftigen; denn gerade während der pandemischen Lage ist dieses Thema viel zu häufig bei wichtigen Entscheidungen außen vor geblieben. Sich ernsthaft mit Einsamkeit und sozialer Isolation auseinanderzusetzen, verlangt es, deren unterschiedliche Ausprägungen von emotionaler über sozialer bis hin zu kollektiver Einsamkeit zu beleuchten. Hier ist eine Gesamtstrategie in jedem Fall zielführend, wenn man sich nicht lediglich mit vereinzelter Symptombekämpfung beschäftigen möchte. Die Anhörung im Rahmen der 20. Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Pflege und Transformation am 5. September hat durchaus gezeigt, dass hier schon einiges gerade für ältere Menschen getan wird, die beim Thema „Einsamkeit und soziale Isolation“ sicher als eine der besonders vulnerablen Gruppen zu nennen sind, auch wenn es hier sicherlich noch Verbesserungspotenzial gibt. Allerdings muss man konstatieren, dass der Fokus vieler Maßnahmen und Angebote bisher vor allem auf der Gruppe der älteren Menschen liegt. Ich möchte in diesem Zusammenhang das Thema der digitalen Einsamkeit ansprechen, das sich bei jungen Menschen ganz unabhängig von den negativen Aspekten der pandemischen Lage als problematisch darstellt. Jugendliche nutzen soziale Netzwerke, um sich mit Gleichaltrigen zu vernetzen. Doch diese Vernetzung kann auch zu Einsamkeit führen, weil die virtuellen Kontakte oft reale Kontakte ersetzen und sich Jugendliche dadurch zunehmend von ihrem Umfeld und sogar von der Familie isolieren. Wichtig ist es vor allem, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Einsamkeit und soziale Isolation verhindern. Das bedeutet auch die Förderung von Familien, die Förderung des Vereinslebens, die Förderung des Ehrenamts und vieles mehr. Das Vereinsleben prägt und belebt die Gemeinden in unserem Land stark und ist ein wichtiger Faktor gegen Einsamkeit. Aus Sicht der AfD-Fraktion muss an dieser Stelle angesetzt werden; denn Vereine haben es momentan nicht leicht. Immer strengere Auflagen und Kosten verhindern oder beschränken Vereine bei der Durchführung von Veranstaltungen, welche die betroffenen Gemeinden eigentlich mit Leben füllen sollen. Es gehen Einnahmen verloren, die in der Regel eingeplant sind, um gemeinnützige Dinge zu finanzieren: Geselligkeit gegen Einsamkeit. Die durch die Ampelkoalition befeuerte Inflation hat ebenfalls negative Folgen für die Vereine; denn sie zwingt unsere Ehrenamtler dazu, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Es stellen sich immer mehr existenzielle Fragen: Wie bezahle ich die nächste Stromrechnung, wie bezahle ich die nächste Heizrechnung usw.? Wenn diese Fragen in Zukunft nicht mehr gestellt werden müssen, bleibt sicher wieder mehr Zeit für das Vereinsleben übrig, das gesellschaftlich unersetzlich ist. (Glocke des Präsidenten) Mehr in der zweiten Runde. (Beifall der AfD)

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