Florian Maier
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man momentan mit dem Auto über die Landstraßen in unserem Bundesland fährt, dann findet man in vielen Teilen von Rheinland-Pfalz eine ganz ähnliche Situation vor. Die Weinlese läuft auf Hochtouren, es herrscht Hochbetrieb, und es ist gut, dass wir das bemerken, weil einem die Präsenz von Landwirtschaft in unserem Bundesland zu keiner Zeit so deutlich wird wie zur Erntezeit. (Zuruf aus dem Hause: In der Eifel!) Ich will daher heute an diesem Ort die Gelegenheit nutzen, um mich bei denjenigen zu bedanken, die unter oft herausfordernden Arbeits- und Marktbedingungen dafür sorgen, dass unsere Bevölkerung durch unsere heimische Landwirtschaft ernährt wird und ganzjährig hervorragende regionale Produkte zur Verfügung hat. Gleichzeitig will ich als weinbaupolitischer Sprecher meiner Fraktion sagen dürfen, dass ich für diejenigen, die sich momentan beschweren, weil sie mal 5 Minuten einem Traubenvollernter oder einem Traubenwagen hinterherfahren müssen, überhaupt kein Verständnis mehr aufbringen kann. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie des Abg. Markus Wolf, CDU) Da die FREIEN WÄHLER heute angekündigt haben, das Thema „Fachkräftemangel“ ansprechen zu wollen, will ich auch daran ein bisschen anknüpfen; denn es liegt auch an uns, dabei mitzuhelfen, dass das Image der Landwirtschaft aufgewertet wird. (Abg. Jutta Blatzheim-Roegler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ja!) Das beginnt dann ehrlicherweise bei der Auswahl des Titels einer Aktuellen Debatte. Ich glaube, niemand von uns versteht hier absichtlich den Begriff „Bauer“ falsch – ich persönlich habe auch nichts dagegen –, aber man kann nicht sicher sein, dass man damit alle Leute abholt. Landwirtinnen und Landwirte sind keine einfachen Bauern, sondern hoch qualifizierte Fachleute, die komplexe Aufgaben bewältigen. Wenn wir die Menschen begeistern wollen, grüne Berufe zu erlernen, dann müssen wir das auch so vermitteln; denn nur so haben wir die Chance, dass die Landwirtschaft auch für junge Menschen attraktiv wird, die vielleicht nicht familiär bedingt in direkten Kontakt mit ihr gekommen sind. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP – Vizepräsidentin Astrid Schmitt übernimmt den Vorsitz) Es ist so – lieber Kollege Schwab, Sie haben es angedeutet –, wir müssen auch Menschen aus dem Ausland für die Arbeit in der Landwirtschaft gewinnen; denn die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften ist branchenübergreifend allgegenwärtig. Ich bin Ministerin Daniela Schmitt und ihrem Haus für die verschiedenen Initiativen und Maßnahmen sowie die Umsetzung der Fachkräftestrategie für Rheinland-Pfalz darum sehr dankbar. Angesichts des Fachkräftemangels müssen wir landwirtschaftliche Prozesse verstärkt mit innovativen Technologien unterstützen. Das war Thema der Debatte vorher, ist aber auch hier wichtig, weil es angesichts des Fachkräftemangels eine immer bedeutsamere Rolle in der landwirtschaftlichen Praxis spielt. „Virtuelle Realität“, „KI-Drohnen“, „Datenmanagement“ und „Sensorik“ sind Themen, die einen immer größeren Stellenwert in der Landwirtschaft einnehmen werden. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Die Technologien haben ein großes Potenzial, weil sie im Arbeitsalltag unterstützen. Gerade in der Landwirtschaft und im Weinbau können so Arbeitskräfte gezielt gebündelt werden. Die rheinland-pfälzische Landwirtschaft und der Weinbau sind stark mittelständisch geprägt. Es gibt zahlreiche Familienunternehmen und viele kleine bis mittelgroße Betriebe. Diese wollen wir erhalten und besonders unterstützen. Darum ist die beschlossene Hofübernahmeprämie, über die wir hier vor einem Jahr ausführlich diskutiert haben, ein wichtiges Zeichen, mit dem wir einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der regionalen Landwirtschaft leisten können und dem Rückgang der Betriebe entgegenwirken wollen. Zusätzlich zur Bekämpfung des Fachkräftemangels haben wir eine Vielzahl weiterer Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung der heimischen Landwirtschaft auf den Weg gebracht. Als Beispiel sei die Ernteversicherung genannt. Die Häufigkeit und das Ausmaß von extremen Wetterereignissen hat zugenommen und wird weiterhin deutlich zunehmen. Hier minimiert die Ernteversicherung das betriebliche Risiko. Sie ist im Schadenfall ein wichtiges Element zur Stabilisierung der Einkommen von Weinbaubetrieben. Insgesamt werden derzeit durch die Ernteversicherung mehr als 35 % der Rebflächen in Rheinland-Pfalz gefördert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, durch die Corona-Krise und den Krieg in der Ukraine ist noch einmal ein verändertes Bewusstsein für regionale Lebensmittelproduktion entstanden. Das gilt es durch uns weiterhin zu unterstützen und zu fördern. Wir sollten gerade in der Erntezeit daran erinnern, dass es Menschen in unserem Land gibt, die hart dafür arbeiten, dass es ganzjährig hochwertige heimische Lebensmittel für Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer zu kaufen gibt. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
