Clemens Hoch
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! In den vergangenen Jahren haben unsere Universitäten, unsere Hochschulen für angewandte Wissenschaften und die außeruniversitären Forschungseinrichtungen im engen Schulterschluss kontinuierlich Spitzenleistungen in der Forschung erbracht. Ich bin schon ein bisschen überrascht über die Redebeiträge der Opposition. Sie hätten hier kritisieren können, dass an der einen oder anderen Stelle die Landesregierung vielleicht aus Ihrer Sicht etwas zu wenig tut. Dass Sie es aber noch nicht einmal schaffen, aus Ihrer „Alles ist doof“-Höhle herauszukommen, (Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER: Oh!) wenn es um die Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Rheinland-Pfalz geht, überrascht mich schon; (Beifall bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn es ist der unermüdliche Einsatz, die Leidenschaft, das Engagement für die Wissenschaft selbst, die Menschen in diesem Land antreiben, die Neugier, den Wissensdurst zu stillen, um Grenzen, die bisher aufgezeigt waren, zu überwinden, zu überschreiten, die Welt um uns herum besser zu verstehen und auch besser zu machen. Das prominenteste Beispiel ist hier längst angesprochen worden. Dass die Erfindung des weltweit ersten und erfolgreichsten Corona-Impfstoffs aus Mainz kommt, ist doch nicht irgendein historischer Zufall, (Vereinzelt Heiterkeit und Zurufe von der CDU: Doch! – Weitere Zurufe von der CDU) sondern geht auf 30 Jahre Grundlagenforschung an der Universität Mainz und auf die Vision von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zurück, etwas möglich zu machen, was es bisher nicht gab. Im Moment läuft das aktuelle Antragsverfahren für die Exzellenzcluster und die Exzellenzuniversitäten. Wir stehen in Mainz und in Rheinland-Pfalz im Wettbewerb mit 140 Antragsskizzen bundesweit. Drei kommen oder sind mit rheinland-pfälzischer Beteiligung und beziehen sich auf die Medizin, auf Biomaterialien und auf die Quantentechnologie. Ja, wir haben gemeinsam vor, auch aufgrund genau dieser Exzellenz im Bereich der Medizin, gemeinsam mit dem BMBF ein Großforschungsinstitut für Alternsforschung nach Mainz zu bringen. Sie aber haben die Chuzpe, hier zu sagen, es gäbe keine Spitzenforschung in Rheinland-Pfalz. (Abg. Joachim Paul, AfD: Wer hat das denn gesagt?) Was ist mit der Physik in Mainz? Was ist mit der Biologie hier? Was ist mit der Künstlichen Intelligenz in Kaiserslautern? Herr Dr. Reuber, es tut mir leid, fahren Sie einfach einmal hin. Es ist Spitzenforschung bundesweit. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Was ist mit der Materialforschung, die wir in Koblenz haben? Dass wir als Landesregierung und auch in der Ampelkoalition ein besonderes Augenmerk auf Forschungsstärke und Anwendungsorientierung legen, ist genau der Markenkern, den wir im Schulterschluss mit der heimischen Wirtschaft brauchen. Wir haben zurückgehende Studierendenzahlen und zurückgehende Ausbildungszahlen, und das nicht in Rheinland-Pfalz alleine, weil es im Hinblick auf die demografische Entwicklung zu wenige junge Menschen gibt. Deswegen wollen wir beides über duale Studiengänge fördern. Wir fördern sie pro Einrichtung eines dualen Studiengangs mit 100.000 Euro. Es ist ein beliebtes Instrument der großen Firmen, allen voran Boehringer, bei denen ich am letzten Wochenende wieder sein konnte und gesehen habe, wie erfolgreich duale Studiengänge funktionieren. Ich nehme Sie aber auch gerne mit. Gestern Abend ist ein neues Forschungskolleg etabliert worden, Data2Health, bei dem es um die Grenze zwischen Gesundheitsdaten und KI geht, genau um die Anwendungsorientierung. Wie kann ich die KI lernen lassen, wenn ich die Daten aufgrund von Datenschutzvorschriften nicht zur Verfügung stellen darf? Wir haben mit all unseren Forschungskollegs über 60 Doktorandinnen und Doktoranden in RheinlandPfalz, die wir bis zum Jahr 2025 mit 7 Millionen Euro fördern werden. Dazu gehören auch die Materialwissenschaften, wie zum Beispiel das Forschungskolleg CerMaProS. Es ist eine Stärke in Rheinland-Pfalz, dass die Universitäten und HAW Hand in Hand kooperative Promotionen machen. Deswegen ist es für uns in der Anwendungsorientierung der notwendige richtige Schritt, jetzt weiter zu gehen und zu sagen, daneben, nicht ersetzend, wollen wir auch das Promotionsrecht an forschungsstarken HAW ermöglichen. Da Sie viel über Gründungen und Ausgründungen reden, lade ich ein, das Hochschulgesetz zu lesen. Ich gebe Ihnen auch gerne eine Lesehilfe. Es ist nämlich heute schon sehr, sehr viel angelegt in unseren Hochschulen und wird auch dort gemacht. Der nächste Punkt, um zu anwendungsorientierter Forschungsstärke zu kommen, ist Internationalisierung, und zwar sehr viel konsequenter als bisher in unserer Hochschullandschaft in Rheinland-Pfalz. Wer könnte das besser als wir, Rheinland-Pfalz im Herzen von Europa? Wir haben aktuell über 1.000 Studiengänge, 10 % davon sind englischsprachig. Mir ist das zu wenig im Hinblick auf internationale Anwendungsorientierung. Ich will, dass bis zum Ende des Jahrzehnts jeder vierte Studiengang englischsprachig ist, wir sehr viel stärker auf das Erwerben von Microcredentials setzen im Sinne von lebenslangem Lernen und uns ganz gezielt für Zuwanderung aus dem Ausland öffnen, damit junge Menschen nach Rheinland-Pfalz kommen, hier gut ausgebildet werden können und bestenfalls natürlich bei uns bleiben. Herr Dr. Reuber, wenn Sie davon sprechen, dass wir so wenig Spitzenforschung hätten (Abg. Dr. Matthias Reuber, CDU: Habe ich doch nie gesagt!) und dann Prozentwerte auswerfen in manchen Bereichen, (Zuruf von der CDU: Zuhören! – Zuruf des Abg. Gordon Schnieder, CDU – Weitere Zurufe von der CDU) dann will ich Ihnen einmal sagen, was im letzten Jahr in Rheinland-Pfalz an anwendungsorientierter Spitzenforschung gelungen ist. (Zuruf von der CDU: Lächerlich ist das! Lächerlich!) Es gab ein Wettbewerbsverfahren der Clusters4Future beim BMBF. Da gab es 117 Antragsskizzen bundesweit. Es gab sieben Bewilligungen bundesweit, zwei davon sind nach Rheinland-Pfalz gekommen. Herr Reuber, die Prozentwertausrechnung überlasse ich Ihnen, aber es geht um CurATime und ETOS, also vor allem um individualisierte Medizin und die Synthese chemischer Materialien mittels Strom. Das sind beides wichtige Zukunftsfelder, und wir sind froh, dass wir diese Anwendungsorientierung in Rheinland-Pfalz haben. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
