Dr. Katrin Rehak-Nitsche
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Kennen Sie AMMONPAKTOR oder das Weltglasurarchiv oder vielleicht Villaris? Das alles sind Dinge, die es in Rheinland-Pfalz gibt, die hier erforscht werden oder sogar hier erfunden worden sind. AMMONPAKTOR ist ein Projekt des Fraunhofer-Instituts für Mikrotechnik und Mikrosysteme in Mainz. Es erforscht ein Verfahren, mit dem Wasserstoff vor Ort aus Ammoniak hergestellt und als Energieträger an Tankstellen wie Treibstoff getankt werden kann. Das internationale experimentelle Glasurarchiv befindet sich am IKKG. Das ist das Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz. Hier werden Glasuren und Keramikfarben von der Jungsteinzeit bis heute gesammelt und nachgebildet sowie die Herstellungsprozesse archiviert. Es kommen Menschen aus der ganzen Welt hierher, um die Tausenden dort gesammelten Glasuren und Farben zu studieren. Villaris gehört zu den sogenannten PIWIs, den pilzwiderständigen Rebsorten. Mit zunehmendem Klimawandel und der Nachfrage nach nachhaltigem Wein werden diese Sorten immer wichtiger. Deshalb werden sie am Weincampus in Neustadt intensiv erforscht. Wenn Sie übrigens die Runde einmal beeindrucken möchten, wenn der Wein irgendwie so ein bisschen korkig und muffelig schmeckt, sagen Sie doch einfach: Also, das Trichloranisol tut dem Wein wirklich nicht gut. – Das ist genau der Kohlenstoff, der diesen Weingeschmack verursacht. All diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, der Forschungs- und Wissenschaftsstandort Rheinland-Pfalz bietet die notwendigen Voraussetzungen dafür, dass aus erkenntnisorientierter Grundlagenforschung anwendungsorientierte Forschung und schließlich auch soziale und technische Inventionen und Innovationen zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen entstehen können. Genau deswegen legen wir heute den Fokus auf die angewandte Forschung im Land. Wir sind sehr, sehr stolz auf unsere Unis, auf die Hochschulen, auf die Außeruniversitären, gerade auch was sie in diesem Bereich für ihre Region, für Rheinland-Pfalz und international leisten. Vielen Dank dafür. (Beifall der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) An dieser Stelle möchte ich ein kurzes Plädoyer für das deutsche Wissenschaftssystem halten, das oft auch kritisch beleuchtet wird. Es ist ausdifferenziert. Wir haben die Universitäten, wir haben die Hochschulen, wir haben die Außeruniversitären. Sie alle haben unterschiedliche Aufgaben und Missionen. Wir haben die Spitze, aber wir haben auch die Breite. Egal ob man an der Hochschule in Mainz studiert, der neuen RPTU oder der neuen Universität Koblenz, überall erhält man einen qualitativ hochwertigen Abschluss, eine Ausbildung, mit der sich die jungen Menschen aussuchen können, wohin sie gehen, und mit der sie überall willkommen sind. Deswegen begrüßen wir es, dass jetzt ein eigenständiges qualitätsgeleitetes Promotionsrecht für die HAW, für die Hochschulen für angewandte Wissenschaften, auf den Weg gebracht wird, mit Fokus auf die besonders forschungsstarken Bereiche. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die gesamte Wissenschaftscommunity in Rheinland-Pfalz, die an diesem Thema sehr konstruktiv gemeinsam gearbeitet hat. Wir freuen uns darauf, wenn die notwendigen gesetzlichen Anpassungen in dieser Legislaturperiode dem Landtag vorgelegt werden. Gleichzeitig sollten wir die Gelegenheit nutzen, wie es auch vom Wissenschaftsrat empfohlen worden ist, auf die Kriterien für gesellschaftsorientierte Forschung zu schauen, sie zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Wenn wir gerade bei Gesellschaft sind: Es ist total wichtig, dass wir den Transfer von Wissen und Technologien auch zur Bekämpfung der drängenden Herausforderungen nutzen; denn nur mit dem Wissen aus der Wissenschaft werden wir in der Lage sein, Dinge wie den Klimawandel, die Klimafolgenanpassung, Krankheiten, aber auch die Stabilisierung unserer Demokratie zu meistern. Deswegen begrüßen wir die Weiterentwicklung von innovativen Studiengängen, sei es in flexiblen Formaten oder inhaltlich, zum Beispiel in Birkenfeld, Kaiserslautern, Trier oder Ludwigshafen. Dafür ist es notwendig, verstärkt inter- und transdisziplinäre Ansätze in Lehre und Forschung zu nutzen. Das unterstützen wir explizit. Zu den guten Rahmenbedingungen gehört aber auch die notwendige spezialisierte Infrastruktur: Geräte, Labore. Es ist wichtig, dass die Landesregierung hier weiterhin gut unterstützt. Eines ist aber klar. Wir müssen uns davon verabschieden, dass jeder sein eigenes Reich hat, jeder sein eigenes Pferd, also sein eigenes Gerät. Oft ist das schon der Fall. Die Zukunft liegt auch dort im Sharing. Es gibt gemeinsam genutzte Gerätepools. Wenn die Geräte gemeinsam genutzt werden, wird erstens die Zeit besser ausgenutzt, und zweitens, wenn man Dinge häufiger benutzt, kann man das auch kompetenter tun. Das ist also eine Win-win-Situation für alle. Ich komme zum Schluss und möchte mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für das Engagement des Landes bedanken, auch Bundesgelder nach Rheinland-Pfalz zu holen, sei es Fraunhofer, Leibniz, Helmholtz. Wir möchten, dass das Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft für Alternsforschung gemäß Koalitionsvertrag des Bundes in Mainz angesiedelt wird. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Das wäre eine sehr wertvolle Ergänzung für die lebendige, kreative und erfolgreiche Forschungslandschaft in Rheinland-Pfalz. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
