Marion Schneid
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Man hat das Gefühl, als ob Corona schon lange zurückliegt, aber die Folgen von Corona sind leider immer noch spürbar. Das merkt man im Besonderen bei unseren Kindern und Jugendlichen, die durch die Einschränkung der sozialen Kontakte, durch die Schließung der Schulen, der Jugend- und Kultureinrichtungen stark gelitten und immer noch Nachholbedarf haben. Die zweite große Gruppe ist sicherlich die der Kulturschaffenden und der Kultureinrichtungen, die während der Corona-Pandemie oft an ihre Existenzgrenzen gekommen sind und auch jetzt noch kämpfen müssen, um wieder durchstarten zu können und sich neu zu etablieren. Der KulturPass ist eine gute Idee, um den Jugendlichen etwas vom Entgangenen zurückzugeben und gleichzeitig die Musik-, Kultur- und Kreativszene zu stärken. 100 Millionen Euro von der Bundesebene für diese beiden wichtigen Bereiche, das ist gut. Wir als CDU kämpfen seit Langem für eine bessere Kulturförderung. Deswegen freuen wir uns natürlich, wenn jetzt über diese Schiene mehr Geld in die Kultur fließt. (Beifall der CDU und der FREIEN WÄHLER) Natürlich freuen wir uns auch für die 18-Jährigen, die diesen Bonus nutzen können. Es bleiben aber auch offene Fragen. Warum nur 18-Jährige? (Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER: Genau!) Welche Strategie steht dahinter? Weiter: Ist es eine einmalige Sache über ein Jahr, über zwei Jahre, oder können wir dann vielleicht auch im nächsten Jahr schon vom Bund die Ausweitung auf die 16- und 17-Jährigen haben? Vielleicht haben Sie in der Sonntagsausgabe der RHEINPFALZ den Tweet der Woche gelesen. Ich zitiere: Enttäuschte Jugend. Meine Tochter ist im Jahr 2023 17 geworden und mein Sohn 19. Wir haben leider keinen KulturPass für Euch. Sie können sich den Eintritt auch ohne Zuschuss leisten, aber es ist mal wieder ein schönes Beispiel für willkürlich gesetzte Parameter ohne Sinn. – (Beifall der CDU sowie des Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER) Das ist die Aussage von Eltern, aber es wird oftmals draußen tatsächlich so empfunden. Ich möchte das Fass der unterschiedlichen Lebensbedingungen der Jugendlichen jetzt gar nicht aufmachen, aber die Frage ist doch tatsächlich: Wie wird der KulturPass angenommen, und zu welchen Ergebnissen kommt die Evaluation? Soll eine dauerhafte Bezuschussung erfolgen? Letztendlich: Wie sieht es in dem Bereich mit der Nachhaltigkeit aus? Für uns beginnt eine nachhaltige kulturelle Förderung unserer Kinder und Jugendlichen viel früher. Wir müssen unsere Kinder von Anfang an mit Kultur vertraut machen. Kulturförderung und kulturelle Bildung müssen im frühkindlichen Alter beginnen, das heißt mit frühkindlichen musikalischen Angeboten in den Musikschulen oder mit Krabbelkonzerten der Orchester, mit Musizieren und Singen in den Kitas, mit der guten Unterrichtsausstattung gerade in den musischen Fächern, die oftmals ausfallen oder zu kurz kommen, aber auch mit den Angeboten der Jugendkunstschulen, mit zum Teil auch freiwilligen Angeboten für Familien, um Museen, Theater und Konzerte zu besuchen. All das ist ganz wichtig, um Kinder frühzeitig an die Kultur heranzubringen. Hauptsächlich diese müssen finanziert werden, damit wir eine Nachhaltigkeit bekommen. (Beifall der CDU, bei den FREIEN WÄHLERN sowie des Abg. Martin Louis Schmidt, AfD) Wenn die 18-Jährigen jetzt die Möglichkeit haben, diesen KulturPass, diesen Bonus zu nutzen, sollen sie das natürlich in Anspruch nehmen, und sie sollen die Angebote der Kulturszene vor Ort nutzen. Deshalb: Ja, es muss jetzt wirklich publik gemacht werden, damit möglichst viele dieses Angebot nutzen, aber nein, wir sollten der Evaluation und dem weiteren Vorgehen des Bundes finanziell nicht vorgreifen. Wir erwarten für das nächste Jahr Antworten bzw. Anpassungen des Bundes im Hinblick auf eine nachhaltige, dauerhafte Förderung der Live-Kultur für Jugendliche. Danke. (Beifall der CDU)
