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Katrin Eder

22.06.2023 Sitzungen 18/47

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit habe zu sprechen. Das Thema „Wolf“ neigt dazu, dass viele Fake News im Raum stehen und sich einige oder viele in der Emotionalität dieses Themas dazu hinreißen lassen, ein paar Hinweise auf persönliche Lebensgewohnheiten von Menschen zu geben. Insofern ist es vielleicht gut, dass wir darüber sprechen, um die Wahrheit besprechen zu können bzw. sachliche Informationen zu geben. Herr Weber hat es soeben angesprochen: Wir sind bei uns im Haus unentwegt mit Weidetierhaltern im Gespräch. Natürlich sind diese Menschen besorgt um ihre Schafe, Ziegen, Rinder, Ponys, Alpakas oder Lamas. Natürlich ist jeder erschüttert, der morgens nach einem Riss auf die Weide kommt, und natürlich wissen wir auch, welche Auswirkungen es auf das Verhalten der Tiere in den Herden hat, wenn sich ein Wolf oder auch ein Hund einer Herde nähert. Häufig fällt der Verdacht auf den Wolf, und am Ende stellt sich heraus, dass es ein Hund war. All das wissen wir, weil wir dauernd im Gespräch sind mit dem Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter. Herr Weber hat von meinem Besuch im vergangenen Jahr berichtet. Gerade nächste Woche bin ich mit drei Schafhaltern wieder im Bereich der Eifel unterwegs, ohne Presse, ohne dass andere Leute dabei sind, um ihnen einfach einmal die Gelegenheit zu geben, ihre Sichtweise darzustellen. Allein das KLUWO hat in eineinhalb Jahren 885 Beratungs- und Gesprächstermine wahrgenommen, und das ist auch gut so. Wir pflegen diesen intensiven Kontakt, weil – es wurde von Frau Heidbreder gesagt – die Weidetierhaltung wichtig in Rheinland-Pfalz ist. Wir hatten gerade erst ein Gutachten zum Thema der Schutzgebiete und des Insektenschutzes, bei dem herauskam, dass die Weidetierhaltung und die Beweidung die Biodiversität hoch halten. Deswegen hat die Landesregierung im Haushalt 2021 eine Weidetierprämie eingeführt, und zwar aus dem Naturschutzetat, nicht aus Landwirtschaftsmitteln. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Ich sage das, weil der Bauernverband sich auch gerne zum Thema der Weidetiere und des Wolfs äußert. Im Jahr 2022 waren das knapp 1 Million Euro, und wir sind sehr froh, dass es ab dem Antragsjahr 2023 – lange von Rheinland-Pfalz gefordert und von der GAP finanziert – eine bundesweite Prämie gibt. Es sind, anders als im Antrag suggeriert, vor allen Dingen wirtschaftliche Gründe, die die Weidetierhaltung bedrohen. Hier wirken wir mit der Prämie entgegen. Der Wolf spielt hier eine untergeordnete Rolle. Das hat auch ein Artikel aus der WELT vom 6. Juni gezeigt. DIE WELT ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie besonders naturschutzfreundlich ist, aber in ihr stand am 6. Juni, dass in Brandenburg die Zahl der schafhaltenden Betriebe sowie der gehaltenen Schafe steigt, während wir über 50 Wolfsrudel in Brandenburg sprechen. Genau zu diesem Narrativ möchte ich noch etwas sagen. Hier wurde von fast jedem Redner – nur nicht von der Rednerin – gesagt, die Zahlen beim Wolf würden explodieren. Nur ganz kurz: Wir gehen im Moment davon aus, dass wir drei bis fünf residente Wölfe in Rheinland-Pfalz haben. (Abg. Marcus Klein, CDU: Ich habe gesagt, wir wissen nicht, wie viele!) Das Leuscheider Rudel hat sich stark reduziert, weil die Fähe weg ist. Es gibt keine Jungtiere mehr, die alten Jungtiere sind abgewandert, und wir haben im Moment die Vermutung, dass sich ein neuer residenter Wolf südlich von Hachenburg angesiedelt hat. Das macht nach Adam Riese drei Wölfe; es könnten auch fünf sein. Wir hatten dieses Jahr in der Leuscheid drei Risse, drei an der Zahl. Insgesamt hatten wir dieses Jahr an Rissen acht im ganzen Land. (Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER: Bestätigte Risse! Und die anderen?) Wir haben uns die Zahlen angeschaut. Im Jahr 2021 hatten wir 45 Risse mit 101 gerissenen Tieren, im Jahr 2023 gab es im ersten Halbjahr acht Risse mit 16 gerissenen Tieren, (Abg. Dr. Joachim Streit, FREIE WÄHLER: Bestätigte Risse! Und die anderen?) und das sind vor allen Dingen durchziehende Tiere gewesen. Es wurde bereits angesprochen, wir sind mit unseren Prämien, unseren Unterstützungssystemen, unserem Wolfsmanagementplan hinterher, die Tierhaltenden dahin gehend zu unterstützen, und im Moment sehr intensiv im Gespräch. Ich komme jetzt zur Bayerischen Wolfsverordnung. Das Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags ist bereits zitiert worden. Die Verordnung erweckt einen falschen Anschein. Das Gleiche gilt im Übrigen für den Wolf im Jagdrecht. Auch der Landesjagdverband hat sich vergangene Woche beim runden Tisch dagegen ausgesprochen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. (Zuruf des Abg. Stephan Wefelscheid, FREIE WÄHLER) Ich bin sehr froh, dass die Gesetze – – – (Unruhe im Hause – Glocke der Präsidentin) – Danke. Ich bin sehr froh, dass die Gesetze, nämlich das Europarecht und die Bundesgesetze, überall gelten, und zwar in Bayern, in Brandenburg, in der Vulkaneifel und auch in der Mainzer Neustadt. Das gilt auch für den Wolf. Die Verordnung in Bayern negiert das Bundesnaturschutzgesetz (Anhaltend Unruhe im Hause – Glocke der Präsidentin) und dessen Auslegung durch die Verwaltungsgerichte. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –

Protokoll ↗