Dr. Katrin Rehak-Nitsche
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Damen und Herren! Hier alte Geschichte aufzuwärmen und Einzelfälle zu verallgemeinern, trägt sicherlich nicht zum Verständnis bei, ebenso wenig wie Pauschalierung. (Beifall bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bevor ich zur inhaltlichen Auseinandersetzung komme, möchte ich mich ebenfalls zunächst sehr herzlich bei allen Beschäftigten der Unimedizin bedanken für ihre unverzichtbare und tatsächlich lebenswichtige Arbeit. Nehmen wir zum Beispiel die Corona-Pandemie. Da haben sich einmal mehr die herausragenden Leistungen unserer Unimedizin und ihrer Mitarbeitenden gezeigt. Nicht nur konnten zahlreiche Menschen gerettet und erfolgreich behandelt werden, nein, wir haben auch die Gutenberg Long-COVID Studie, die sich jetzt damit beschäftigt, welche Spätfolgen der Corona-Erkrankung auftreten können. Das ist eine der größten Studien in ganz Deutschland. Erst diese Woche wurde zudem die neue neonatologische Intensivstation eingeweiht. Als Level-1-Versorger der höchsten Stufe dürfen dort Früh- und Neugeborene mit dem höchsten Risiko versorgt werden. Die Menschen und Maschinen dort sind für die Allerkleinsten da und bieten ihnen lebensrettende Versorgung und den Familien großes Glück. Das zeigt, die Unimedizin bietet nicht nur eine verlässliche Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten, sondern verbindet diese auch mit innovativer Forschung und exzellenter Lehre. Darauf können wir Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen stolz sein. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Im Übrigen, Herr Schreiner, hoffe ich, dass Sie noch nie ernsthaft krank waren. Ich habe leider im Bekanntenkreis solche Fälle. Denen ist es völlig egal, ob Sie in Rheinland-Pfalz oder sonst wo behandelt werden. Wenn die Spezialisten und Spezialistinnen in Mannheim sitzen, dann ist es einfach so. Gemessen an den Medizinstudienplätzen ist Mainz nach Berlin und München das drittgrößte Uniklinikum von 33 in ganz Deutschland. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Mainz nicht die drittgrößte Stadt in Deutschland ist. Zahlenvergleiche mit anderen Ländern und anderen Kliniken sind insofern nicht aussagekräftig. Die Kosten einer Uniklinik, überhaupt einer Klinik, sind nämlich auch nicht linear. Gleichzeitig steht unsere Unimedizin wie nahezu jedes Krankenhaus und jede Uniklinik vor sehr großen Herausforderungen. Wir alle hoffen, dass die Reformen im Bund den Unikliniken zugutekommen. Dafür setzen wir uns massiv ein; denn wir wissen alle, die hohen Defizite der Unikliniken, auch unserer in Mainz, kommen vor allem aus der Versorgung und der unzureichenden Vergütung aus den Leistungen. Forschung und Lehre sind immer ausgeglichen und müssen das sein. Wenn wir schon bei Forschung und Lehre sind, pro Studierendem geben wir pro Jahr circa 34.500 Euro aus. Der Wissenschaftliche Vorstand selbst hat gefordert, dass eine Finanzausstattung von 35.000 Euro pro Studierendem und Jahr angemessen wären. Anspruch und Wirklichkeit stimmen also perfekt überein. Es greift allerdings sowieso entschieden zu kurz, all die Herausforderungen der Unimedizin mit unzureichenden Finanzen zu begründen. Es gibt tatsächlich strukturelle Probleme, und die Landesregierung arbeitet – im Gegensatz zu Ihnen – bereits seit ein paar Jahren intensiv gemeinsam mit der Unimedizin an Lösungen. Sie sind auch schon ein großes Stück vorangekommen. Zum Beispiel ist bekannt, dass die Gebäudestruktur den modernen Anforderungen nicht gewachsen und die Raumsituation schwierig ist. Es wurde aber auch schon viel erneuert. Ich habe gerade die Neonatologie angesprochen. Die Transfusionszentrale, die Zahn-, Mund- und Kieferklinik und vieles andere werden gerade um- oder neu gebaut. Praktisch wird die ganze Unimedizin in den kommenden Jahren vollständig neu gebaut. Das scheint irgendwie komplett an Ihnen vorbeigegangen zu sein. Hierfür wurden im vergangenen Jahr die Baumasterplanungen vorgelegt. Auch im Wissenschaftsausschuss haben wir uns mehrfach dazu beraten. Wir begleiten den Umbau sehr intensiv. Ich möchte noch einmal die Zahlen betonen: Über 2 Milliarden Euro werden wir in den kommenden Jahren dort investieren. Diese neue Unimedizin wird neue Maßstäbe setzen in der medizinischen Versorgung, in der innovativen Lehre, in der exzellenten Forschung und – by the way – auch, was das Thema „Nachhaltigkeit“ betrifft. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Im Doppelhaushalt dieses Jahres haben wir für dieses und kommendes Jahr dafür schon 288 Millionen Euro bereitgestellt. Das Geld ist also vorhanden. Selbst bei den Energiekosten, die öffentlich stark debattiert wurden, hat das Land im Jahr 2022 die Unimedizin natürlich mit zusätzlichen 2 Millionen Euro unterstützt. Hinzu kommt, dass die zunächst wirklich viel kritisierte kurzfristige Energiebeschaffung des Hauses auch schnell wieder von den zurückgehenden Preisen profitieren konnte. Sie sehen also, die Herausforderungen sind alle im Blick. Wo Probleme sind, arbeitet die Landesregierung intensiv an Lösungen. Es gibt kein Wünsch-DirWas, so wie Sie das vielleicht wollen. Wir arbeiten seriös. Wir haben ein klares Ziel und eine klare Strategie, wie wir dahin kommen. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
