Steven Wink
Verehrter Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich darf jetzt an dieser Stelle um diese Jahreszeit über ein schönes Thema sprechen, nämlich über das Thema „Tourismus in Rheinland-Pfalz“. Ich möchte zu Beginn erwähnen, dass der Tourismus mit all seinen Facetten – ob das die Weinberge sind, ob das die historischen Städte sind, die Kultur oder auch die Wälder, ganz vorn natürlich der Pfälzerwald – ein harter Wirtschaftsstandortfaktor und überhaupt Standortfaktor für unser Land ist. Deshalb freut uns auch, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer gerade in Zeiten der Pandemie auch unter den Rahmenbedingungen durch die Landesregierung und das Wirtschaftsministerium gut aus dieser Pandemie herausgekommen sind und es jetzt wieder schaffen, viele Menschen aus dem In- und Ausland in ihre Häuser und Region zu ziehen und durch Investitionen ihre Position weiter zu stärken. Die Zahlen zeigen es: ein bemerkenswerter Anstieg mit 62 %, was die Gästezahl betrifft, oder auch 48 %, was die Übernachtungen betrifft. Auch für das erste Quartal in diesem Jahr zeigt sich, dass sich weitere Steigerungen ergeben haben und Branchen wie der Städtetourismus oder der Campingund Wohnmobiltourismus positiv davon betroffen sind. Das zeigt, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer stark aus dieser Krise herausgekommen sind. Ebenfalls investieren sie wieder. Sie investieren in Gastfreundschaft durch Schulungen des Personals. Sie schaffen Individualität, Arbeit am und mit dem Gast und attraktive Angebote sowie Dienstleistungen. Dadurch erleben die Gäste, die nach Rheinland-Pfalz kommen, eine herzliche Aufnahme, eine Liebe zu der jeweiligen Region und ein extrem starkes Binnenmarketing. Ich habe immer gesagt, Binnenmarketing ist sehr wichtig, weil nur die Menschen innerhalb einer Region den stärksten Marketingfaktor überhaupt darstellen können. Auch Investitionen in Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die zwei großen Schlagworte, finden sich in der Tourismusbranche wieder. Einiges hat uns die letzte Zeit aber auch gezeigt, zum Beispiel dass die Debatte über die Tourismusstruktur in Rheinland-Pfalz nicht zu Ende sein darf. Wir müssen in eine große Denke kommen. Wir benötigen die große Denke, keine Kleinteiligkeit und kein Kirchturmdenken, nicht nur an meinem Ort zu sein und Angst vor irgendwelchen Machtverlusten oder Sonstigem zu haben, sondern sich überregional zu verzahnen, dem Gast überregionale, großflächige Angebote zu bieten, um ihn vielleicht auch länger als drei Tage an einen Ort zu binden und nicht die Angst zu haben: Um Gottes willen, hoffentlich sieht der Gast nicht die Stadt neben meiner Stadt. – Davon müssen wir weg. Wir brauchen eine große Denke im Bereich des Tourismus. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das noch als Ergänzung zu dem Punkt eben. In puncto „Geld“ schafft es natürlich Synergien. Es setzt Ressourcen und Synergien frei und kostet weniger Geld, wenn ich zusammenarbeite. In puncto „Geld“ danke ich auch der Regierung und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau gerade wegen der letzten Jahre, ob das das Corona-Sondervermögen, der Einsatz für den Tourismus oder einzelbetriebliche Förderungen waren, ob das die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, die Stärkung der Tourismusinfrastruktur oder der letzte Haushalt, in dem die Mittel für den Tourismus erheblich gestiegen sind, waren. Das sind alles Förderungen, die zielgerichtet spezifisch eingesetzt werden können und nicht mit der Gießkanne über das Land verteilt wurden. Für die Ressourcen der Fach- und Arbeitskräfte bin ich froh, dass sich nun der Bund mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg macht. Punkte wie die Chancenkarte mit einem echten Punktesystem berücksichtigen nun auch Mangelberufe und richten sich nach dem Bedarf des Arbeitsmarkts. So gewinnt man Fach- und Arbeitskräfte. Weiter gibt es aber auch praktische Erleichterungen in der Bürokratie für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für die zweite Säule in unserem Land ist hier weiterhin die Aus-, Fort- und Weiterbildung eine stabile und eine wichtige Säule. Das Land nimmt aber auch Geld für Marketing in die Hand. Ich möchte nur erwähnen, dass sich viele Marketingexperten spezifisch Gedanken darüber machen, wie man über die rheinland-pfälzischen Landesgrenzen hinweg werben kann, damit man gegen nationale und internationale Topdestinationen standhalten kann, wie die Werbung hier aussehen soll. Natürlich regt Werbung auch zum Nachdenken an. Natürlich kann Werbung auch einmal provokativ sein. Schade finde ich es dann, wenn viele rheinland-pfälzische Vertreter – auch aus diesem Hause – lieber öffentliche Zahlungsdebatten führen, anstatt wirklich über die Wirkung eines Slogans nachzudenken. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Als Letztes möchte ich sagen, viele Stärken, die wir haben – wie den Weinbau oder die zu eingangs genannten Punkte –, sind saisonabhängig. Das ist auch eine Stärke, die Rheinland-Pfalz hat. Weiterhin muss es dennoch wichtig sein, für die Zukunft eine Entsaisonalisierung für den Tourismus in Rheinland-Pfalz voranzutreiben – auch die Enquete-Kommission hat dieses Thema schon ganz oben auf der Agenda gehabt –, also Angebote zu schaffen, die ganzjährig verfügbar sein können, ohne unsere saisonabhängigen Stärken zu verletzen. Abschließend möchte ich allen Akteuren im Tourismus für ihr Engagement, ihre Begeisterung und ihre Gastfreundschaft für eine positive Weiterentwicklung des Wirtschaftsfaktors Tourismus danken. Danke schön. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
