Sabine Bätzing-Lichtenthäler
So sieht’s aus!) Wir haben uns in den letzten Monaten an sehr vielen Stellen über die Anzahl und mit dem Bedarf an Medizinstudienplätzen auseinandergesetzt. Ich möchte die Argumente nicht alle wiederholen, aber natürlich eine gewisse inhaltliche Einordnung vornehmen. Die Rahmenbedingungen rund um die medizinische Ausbildung sind generell hochkomplex und derzeit in einem extremen Wandel befindlich. Zum einen gibt es Forderungen nach einer starken Steigerung der Medizinstudienplätze in Deutschland – bundesweite und landesweite Zahlen sind genannt worden –, zum anderen treibt gerade der Bund eine Approbationsordnung bzw. eine Änderung der Approbationsordnung voran, die es zu einer großen Herausforderung werden ließe, die bestehenden Ausbildungskapazitäten aufrechtzuerhalten. Die Situation der Kapazitäten wird durch die zunehmende Ambulantisierung weiter angespannt sein. Während wir hier immer mehr Ärztinnen und Ärzte als Forderung hören, erklärt uns der Medizinische Fakultätentag, dass ausreichend Ärzte im System seien, und warnt vor einer weiteren Ausdehnung; denn das führe zu einem Medizinstudium light. Unsere Position in Rheinland-Pfalz ist ganz klar, wir setzen uns bei der Neuordnung der Approbationsordnung dafür ein, dass die Kapazitäten erhalten bleiben und innovative Ausbildungsformen und Ausbildungselemente, wie beispielsweise unser Medizincampus in Trier (Zuruf von der SPD: Jawohl, genau!) und das, was wir in Koblenz anstreben, auch weiter möglich bleiben; denn ich glaube, es ist ein Weg in die Zukunft, nicht alles überall nachzubauen, sondern die Ressourcen, die man im Gesundheitssystem hat, sinnvoll und klug zu nutzen. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich merke an, dass die komplexe Gemengelage sich auch hier im Plenum bei unserem Austausch widerspiegelt. Die Landesregierung hat die Kapazitäten im Medizinstudium in der vergangenen Legislaturperiode erheblich ausgeweitet. Die 15 %, die wir hier nennen, sind eine sehr konservative Betrachtungsweise. Wir haben Ihnen Berechnungsgrundlagen im März dazu zur Verfügung gestellt und gezeigt, dass man – ich glaube, es ist einigen CDUAbgeordneten selbst aufgefallen – bei anderer Wahl der Referenzzeiträume sogar auf deutlich stärkere Steigerungsraten hätte kommen können. Die Landesregierung hat darüber hinaus innovative Instrumente eingeführt, um Impulse zu setzen, sodass die ausgebildeten Studierenden der Medizin später dort ankommen, wo sie benötigt werden. Die Stichworte sind „Landarztquote“ und „ÖGD-Quote“, aber auch „Regionalisierung“. Interessant fand ich, dass vorhin die Pressemitteilung der Landesärztekammer vom gestrigen Tag zu einer Ehre gekommen ist. Die Zahlen sind alle vorgetragen worden. Eine Steigerung allein bei der Zahl der Ärzte vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2022 in Rheinland-Pfalz, alle zusammengenommen, um 45 % ist erst einmal eine beachtenswerte Zahl. Ehrlich gesagt kann ich auch die Aufregung um die Frage des Durchschnittsalters – zumindest auf Grundlage dieser Zahl – nicht nachvollziehen. Wenn wir sehen, dass Ärztinnen und Ärzte ein langes Studium haben, wie es auch den komplexen Anforderungen entspricht, sich zum Beispiel Anfang der Dreißigerjahre mit ihrem Facharzt niederlassen und häufig bis zum 70. Lebensjahr über etwa 40 Jahre hinweg in ihrem Beruf aktiv sind, dann beunruhigt es mich rein mathematisch nicht, dass dort ein Durchschnittsalter von etwa 50 Jahren herauskommt bzw. die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte über 50 Jahre alt ist. Das würde ich jetzt nur einmal als Denksportaufgabe mitgeben. (Abg. Sven Teuber, SPD: Das habe ich jetzt verstanden! – Vereinzelt Heiterkeit bei der SPD) Es ist gut, wenn jeder hier ein Rätsel aufgibt. Ich möchte aber auch kurz darauf zu sprechen kommen, was für eine Entwicklung sich in Koblenz abzeichnet. In Koblenz gibt es sehr positive Entwicklungen, vielversprechende Gespräche. Dort wird zeitnah ein Konzept erarbeitet. Das haben wir auch bekannt gegeben, nämlich mit einer Zielsetzung bis zum Herbst dieses Jahres, wie wir einen klinischen Studienabschnitt am Standort Koblenz bewerkstelligen können. Es gab, wie Sie zu Recht alle sagten, in der Vergangenheit dazu auch schon Papiere. Die Umsetzungsreife ist aber immer etwas, worüber man sprechen muss. Im Moment werden jedenfalls umsetzungsreife Konzepte erarbeitet, die vorher nicht in der Weise vorlagen, dass die Expertinnen und Experten und auch diejenigen in Mainz, unsere Universitätsmedizin, der Meinung waren, das könne jetzt eins zu eins umgesetzt werden. Wir sind aber dran, und wenn es eine Möglichkeit gibt, dort ein klinisches Medizinstudium anzubieten, dann wird die Landesregierung diese Möglichkeit ergreifen. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Uns ist sehr wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die medizinische und gesundheitliche Versorgung nicht ausschließlich Sache der Ärztinnen und Ärzte ist. Ich kann nur unterstützen, was vonseiten der Koalitionsfraktionen vorgetragen wurde, welche Berufe hierbei alle eine Rolle spielen: die Pflege in Trier und Ludwigshafen neu aufgebaut, die Pflegepädagogik in Ludwigshafen, das Fach der Pflege für Lehramt an berufsbildenden Schulen in Koblenz, Hebammenwissenschaft in Ludwigshafen und künftig auch an der Universitätsmedizin in Mainz, Psychotherapeutinnen- und Psychotherapeutenausbildung in Mainz, Trier und Landau und künftig noch der Physician Assistant in Kaiserslautern an der Fachhochschule. Das hat die Landesregierung übrigens alles mit zusätzlichen Ressourcen hinterlegt, mit zusätzlichem Geld, mit zusätzlichen Stellen. In vielen anderen Bundesländern war es so, dass in den Hochschulen und Universitäten umgeschichtet werden musste, sodass viele Kolleginnen und Kollegen von mir an der Stelle durchaus mit einem gewissen Neid nach Rheinland-Pfalz blicken. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
