landtag-rlp.de ↗

Philipp Fernis

FDP 12.05.2023 Sitzungen 18/45

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Abgeordneter Bollinger, Bezug nehmend auf Ihre letzte Bemerkung will ich Ihnen zwei Dinge mit auf den Weg geben. Es gibt einen Unterschied zwischen Besserwisser und besserem Wissen. (Heiterkeit der Abg. Dr. Anna Köbberling, SPD) Weiter: Wer viel verspricht, ist deswegen noch lange nicht vielversprechend. (Beifall bei der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Jan Bollinger, AfD) Das gilt in Teilen auch für die Debatte, die wir gerade führen und die eigentlich für meine flapsige Bemerkung soeben ein bisschen zu ernst ist. Deswegen will ich zur Ernsthaftigkeit zurückkehren. Wir haben, gerade auch mit Blick auf die Demografie, eine Situation der ärztlichen Versorgung, die wir gemeinsam sehr ernst nehmen müssen. Ich bin sicher, Herr Staatssekretär Dr. Alt wird gleich dazu ausführen, gerade was die Entwicklung des Medizincampus in Koblenz angeht. Ich möchte an dieser Stelle auch einmal darauf hinweisen, dass die entsprechenden Studienplätze in Rheinland-Pfalz um 15 % erhöht wurden. Diese Studienplätze sind voll ausgestattet. Die Universität Mainz ist neben zwei anderen Fakultäten – der LMU in München und der Universität in Berlin – die größte Ausbildungsstätte für Studierende der Medizin. Wir haben insofern eine besondere Situation im Land, als wir nur diesen einen Ausbildungsstandort haben und nur das eine Universitätsklinikum und dass daher Kapazitäten eben nicht so schnell skalierbar sind, wie es sich, glaube ich, alle wünschen würden. Es gibt schließlich keinen Dissens in der Frage, dass wir an diesem Thema arbeiten müssen. Die Erhöhung um 15 % ist der eine Schritt, und die Landesregierung – das ist in der Diskussion immer wieder ausgeführt worden – arbeitet konsequent daran, auch das Problem der Teilstudienplätze, welches an der Bettenkapazität und der Approbationsordnung hängt, zu lösen, sodass es mehr vorklinische als klinische Studienplätze in Rheinland-Pfalz gibt; denn natürlich ist dieser Zustand nicht so, wie wir uns das wünschen. Jedoch relativ pauschal einfach zu sagen – ich glaube, wir haben es zuletzt im Haushalt sehr intensiv debattiert –, wir wollen 200 Plätze mehr, die man mit einem Haushaltsvorschlag – damals ein Vorschlag der CDU – unterlegt, der nicht ansatzweise ausreichend war, neben den ganz praktischen Problemen, dass dafür entsprechende räumliche Kapazitäten und entsprechende Stellen geschaffen werden müssen, die dann auch alle besetzt werden müssen, greift zu kurz. Das ist alles ein Riesenprozess, gleichwohl ist das Thema in der Fläche. Man muss sagen, es ist erfreulich, dass sich mitunter kreative Lösungen in den Kommunen entwickeln. Deswegen will ich es an dieser Stelle gar nicht in solch ein negatives Licht rücken, wenn es heißt, da tut man Dinge, für die man nicht zuständig ist. Wir haben alle eine gemeinsame Verantwortung für die ärztliche Versorgung in der Fläche. Kollege Wink ist heute aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend, aber mir ist schon wichtig zu betonen, dass es der Kollege war, der das Thema der telemedizinischen Versorgung in der Vergangenheit sehr stark forciert hat. Das ist etwas, für das wir uns nach meiner Überzeugung noch weiter öffnen müssen, gerade im Bereich der notfallmedizinischen Versorgung. Wir haben mit dem Notfallsanitäter zwar jetzt doch ein deutlich höheres Ausbildungsund Qualifikationsniveau bei denjenigen erreicht, die in der Regel immer schon vor dem Notarzt da sind – außerhalb der städtischen Ballungsgebiete ist das die Versorgungsstruktur in allen Flächenländern –, die haben einen besseren Ausbildungsstand, aber die Ressource Notarzt wird eine knappe Ressource sein. Wir sollten diese knappe Ressource besser einsetzen und damit die Versorgungsqualität erhöhen. In der notfallmedizinischen Versorgung geht es, wenn man mit denjenigen spricht, die dort arbeiten, eben oftmals um ärztliches Wissen, aber nicht in dem Maße um ärztliches Können im Sinne manueller Fähigkeiten. Es geht darum, die richtigen Medikamente aufgrund einer entsprechenden Diagnose anzuordnen. Dabei liegt in der Telemedizin ein wahnsinnig hohes Potenzial, schneller die ärztliche Entscheidung über eine Medikamentengabe herbeiführen und schneller eine entsprechende Therapie einleiten zu können, um Patienten transportfähig zu bekommen und in die Krankenhäuser zu bringen. Wenn dann kritisiert wird, dass man im Rahmen eines Modellprojekts dort, wo das entsprechend eingesetzt wird, als Backup einen Notarzt im Hintergrund hält, dann wundert mich das ehrlich gesagt ein bisschen; denn das ist genau das Wesen solcher Modellprojekte. Auf der einen Seite geht es darum, zunächst einmal zu schauen: Funktioniert das? Ist das, was ich gerade artikuliert habe, was meine Überzeugung ist, in der Praxis auch tatsächlich richtig, oder brauche ich eben doch den Notarzt, der dabei ist? Dann aber wäre es doch schwer verantwortbar zu sagen, ich mache einmal dieses Modellprojekt, jedoch ohne ein notärztliches Backup im Hintergrund zu haben. Das wäre doch genau der richtige Weg. Perspektivisch werden wir uns, glaube ich, diesen Dingen weiter öffnen müssen, weil darin ein großes Potenzial liegt, um die Versorgungsqualität zu steigern. Herzlichen Dank. (Beifall der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Philipp Fernis Protokoll ↗