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Daniela Schmitt

12.05.2023 Sitzungen 18/45

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Bereits heute begegnet uns der Fachkräftemangel in alltäglichen Situationen, seien es zusätzliche Schließungen der Gastronomie, lange Wartezeiten auf Handwerker oder auch Personallücken in der Verwaltung. Doch in zehn bis 15 Jahren werden wir den Fachkräftemangel noch heftiger spüren, wenn wir nicht auf allen staatlichen Ebenen gegensteuern. Im Einzelnen beantworte ich Ihre Fragen namens der Landesregierung wie folgt: Zu Frage 1: Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt für Rheinland-Pfalz: Fachkräfte mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung fehlen besonders im Lebensmittelhandwerk, in einigen technischen Berufen sowie Bauberufen, aber auch in der Verwaltung. Spezialisten mit Meister-, Fachschul- oder Bachelorabschluss fehlen insbesondere in Erziehungsberufen, der Sozialarbeit, aber auch in der Energie- und Elektrotechnik. Experten mit Masterabschluss fehlen insbesondere in der Medizin, im IT-Bereich, in der Rechtspflege, in der hochschulischen Forschung und Lehre sowie im Bau und der Elektrotechnik. Zu Frage 2: Laut einer aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamts wird in Rheinland-Pfalz im pessimistischten Szenario, das heißt eine ganz leicht steigende Geburtenrate und eine Nettozuwanderung von null ab dem Jahr 2025 unterstellt, die Zahl der Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren, also der Erwerbspersonen, von heute rund 2,4 Millionen auf unter 2 Millionen im Jahr 2040 sinken. Der Fachkräftemangel würde sich entsprechend deutlich verschärfen. Wollte man die Zahl der Erwerbspersonen konstant halten, müssten netto Zehntausende Erwerbspersonen jährlich zuwandern. Zu Frage 3: Die vom Wirtschaftsministerium finanzierte Plattform „Make it in Rheinland-Pfalz“ bietet für hiesige Unternehmen und Fachkräfte aus dem Ausland ein umfangreiches Informations- und Unterstützungsangebot. Wir nutzen hierbei den Rückenwind der Kampagne „Make it in Germany“ der Bundesregierung, indem wir die Aufmerksamkeit von internationalen Fachkräften auf Rheinland-Pfalz lenken und für unser Bundesland werben. Dieses Angebot soll gemeinsam mit den Wellcome Centern der Industrieund Handelskammern weiter bekannt gemacht und ausgebaut werden. Auch im Rahmen der Fachkräftestrategie III wird die Landesregierung gemeinsam mit den Partnern am Ovalen Tisch daran arbeiten, gezielt qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland für eine Tätigkeit in Rheinland-Pfalz zu gewinnen. Dabei geht es auch um die Beschleunigung und Optimierung der Verfahren für die Einwanderung und die Berufsanerkennung. Wir wollen damit den Rückenwind durch die Weiterentwicklung des Einwanderungsrechts durch die Bundesregierung nutzen. Den Gesetzentwurf der Bundesregierung hierzu, der sich derzeit im parlamentarischen Verfahren befindet, unterstütze ich ausdrücklich. Daneben steht auch die Attraktivität unserer weltoffenen und toleranten Arbeitgeber im Fokus. Nicht zuletzt greifen wir das mit der neuen Wirtschaftsstandortmarke „Rheinland-Pfalz.Gold“ auf. Zu Frage 4: Das Wirtschaftsministerium fördert ganz konkret zwei Projekte zur Information und Beratung von Geflüchteten mit dem Ziel, diese nicht nur für eine duale Ausbildung zu interessieren, sondern direkt in ein Ausbildungsverhältnis zu vermitteln. Zum einen das Angebot der KAUSA-Landesstelle, die aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wird. Hierbei handelt es sich um ein landesweites Angebot speziell für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund, um sie über die ihnen vielfach unbekannte duale Berufsausbildung zu informieren und für diesen Ausbildungsweg zu gewinnen. Diese KAUSAServicestelle ist bei der Handwerkskammer Koblenz angesiedelt, ergänzt um Außenstellen in den anderen Kammerbezirken, sodass dieses Angebot flächendeckend zur Verfügung steht. Mit dem im Rahmen des Bundesprogramms „JOBSTARTER“ geförderten Projekts sollen auch deren Eltern zum Schul- und Berufsbildungssystem in Deutschland beraten werden. Beraten und unterstützt werden außerdem von Migranten geführte Unternehmen mit dem Ziel, sie für die Ausbildung von Jugendlichen mit Migrations- oder Fluchthintergrund zu gewinnen. Seit Anfang 2022 ist ein zusätzlicher Schwerpunkt der KAUSA-Servicestelle RheinlandPfalz die Beratung und berufliche Integration von Geflüchteten aus der Ukraine. Zum anderen gibt es die Coaches für betriebliche Ausbildung zur Vermittlung von jungen, auch geflüchteten Menschen in eine Ausbildung oder eine Einstiegsqualifizierung. Wir haben insgesamt 24 Coaches in Rheinland-Pfalz am Start und arbeiten eng mit der Berufsberatung der Arbeitsagenturen zusammen. Diese Coaches unterstützen junge Menschen und Ausbildungsbetriebe bei der Anbahnung von Ausbildungsverhältnissen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1.039 junge Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund in einer Ausbildungsstelle begleitet. Das entspricht etwa 5 % aller in diesem Jahr abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse. Hinzu kommen 153 Langzeitpraktika, die häufig auf ein Ausbildungsverhältnis hinführen. Herzlichen Dank.

Protokoll ↗