Philipp Fernis
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben es zunächst einmal mit der erfreulichen Entwicklung zu tun, dass die Menschen zunehmend älter werden und damit die Zahl der älteren Menschen in der Gesellschaft steigt. Deswegen will ich in dieser Diskussion den erfreulichen Anlass dafür nutzen, dass wir darüber nachdenken, wie wir gleichzeitig dieser Herausforderung, weil im Alter der Bedarf an Pflege zunimmt, gerecht werden. Der Anlass aber ist ein erfreulicher, die Menschen werden älter. Bis zum Jahr 2040 wird voraussichtlich der Anteil der über 68-Jährigen, die in der Gruppe der Pflegebedürftigen stark repräsentiert sind, um 28 % steigen. Deswegen ist es wichtig, dass sich die Landesregierung Gedanken über die Frage macht, wie dieser Bedarf an Pflegefachkräften in den kommenden Jahren gedeckt werden kann und sie mit der Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative, Pflege 2.1, eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht hat, um zusätzliches Fachpersonal ausbilden zu können. Bei diesen Ausbildungsmaßnahmen geht es auch darum, sich mit der Frage zu beschäftigen – wenn man Gespräche sucht, ich habe ein großes Altenheim bei mir in Bad Kreuznach besucht und mit den Menschen dort gesprochen –, wie das, was eigentlich eine sehr erfüllende berufliche Tätigkeit ist und sein kann, nämlich der Dienst am Menschen, Menschen zu helfen, die auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind – das ist erst einmal eine schöne, eine sehr erfüllende Tätigkeit –, kritisch begleitet werden kann. Auf die Frage, welche Punkte kritisiert werden, sagen die Menschen, dass dieser Beruf manchmal nicht die Erfüllung hat, die sie sich eigentlich gewünscht haben, als sie diesen Beruf für Menschen ergriffen haben. Ein großes Thema ist das Thema „Bürokratie“. Deswegen ist es gut, dass diese Bürokratie kritisch hinterfragt wird, ob jede Dokumentation, so wie wir sie jetzt machen und die – das ist die andere Seite der Medaille – zum Wohle der zu Pflegenden eingeführt wurde, um Qualität sicherzustellen und um sicherzustellen, dass das getan wird, was erforderlich ist, notwendig ist. Wenn Pflegekräfte aber berichten, sie sind mehr damit beschäftigt nachzuweisen, was sie getan haben, als dass sie Zeit für die zu Pflegenden haben, dann ist hier etwas aus dem Lot geraten. Ich will an dieser Stelle – das nimmt viel Raum ein in der Beantwortung der Großen Anfrage, die wir heute besprechen – über das Thema „Digitalisierung und die Chancen, die für die Pflege darin liegen“ sprechen, weil manchmal versucht wird, Menschen Ängste zu machen, weil gesagt wird, Digitalisierung in der Pflege heißt, dass sich kein Mensch mehr kümmert, sondern wir kaltherzige Roboter im Einsatz haben. Das aber ist nicht das, was ich meine, wenn wir über die Chancen der Digitalisierung in der Pflege sprechen. Es geht darum, dass solche Dokumentationen vereinfacht, automatisiert werden können, dass Abläufe, Logistik, gerade in der ambulanten Pflege, verbessert, Angebote für die pflegenden Angehörigen geschaffen werden können, die sich in dieser Situation mitunter Fragen stellen, weil sie eben keine Fachkräfte sind, aber gleichzeitig diejenigen sind, die persönlich den Angehörigen das meiste geben können in einer solchen Situation, dass sie schnell Antworten, Anleitungen und Hinweise finden können, die es ihnen erleichtern, einmal eine Vertretung zu organisieren, wenn sie als pflegende Angehörige verhindert sind. All das sind Punkte, bei denen Digitalisierung dafür sorgen kann, dass mehr Zeit und Raum für die Menschen bleibt, um in der Pflege mit denjenigen, die pflegebedürftig sind, unmittelbar arbeiten zu können. Es geht um mehr, als darum, dass Menschen in ihren elementaren Grundbedürfnissen, Ernährung, Körperpflege, versorgt sind. Es geht darum, dass Menschen menschlich weiter ein Teil der Gesellschaft bleiben, im menschlichen Kontakt zu den zu Pflegenden stehen, gerade dort, wo Angehörige das nicht leisten können. All diesen Aspekten soll Rechnung getragen werden. Deswegen ist es gut, dass bei dem Thema „Pflegekräfte“ das Thema „Zuwanderung“ und das Thema „Qualifizierung Zugewanderter“ stärker im Blick ist, weil wir es mit der Personalreserve, die der deutsche Arbeitsmarkt hat, schwer haben werden, die Lücken zu schließen, wenn die Bedarfe weiter steigen. Am Ende will ich noch auf eine erfreuliche Idee verweisen, die in Mainz, in Rheinland-Pfalz vorangetrieben wird. Mit dem Institut für Molekulare Biologie haben wir eine herausragende Forschungseinrichtung. Die Bundesampel hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, ein Helmholtz-Zentrum für Alternsforschung in Rheinland-Pfalz zu etablieren. Dabei geht es darum, sich mit der Frage des gesunden Alterns wissenschaftlich zu beschäftigen; denn unabhängig von den Aufgaben, die ich in der Kürze der Zeit nur etwas skizziert habe und denen sich die Landesregierung widmet, der Verbesserung der Versorgung von Pflegebedürftigen, muss es doch auch unser aller Ziel sein, dass Menschen älter werden und dabei nicht gleichzeitig die Pflegebedürftigkeit in dem Maße zunimmt, wie es derzeit der Fall ist, damit Menschen nicht nur älter werden, sondern gesünder älter werden. Herzlichen Dank. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
