Katrin Eder
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wenn wir das Wort „Waldbrand“ hören, haben wir alle die Bilder aus früheren Zeiten aus Südeuropa vor den Augen, aber ich glaube, im vergangenen Jahr haben uns die Bilder aus Sachsen alle sehr bewegt und uns gezeigt: Der Waldbrand ist auch in deutschen Wäldern angekommen. Ja, wir reden hier zum Glück sehr oft über unseren Wald und ganz oft über die Schäden, die der Klimawandel auch in RheinlandPfalz in unserem Wald hinterlassen hat. Es ist zunehmend wärmer, es ist zunehmend trockener. In dieser Konsequenz steigt die Waldbrandgefahr. Wir müssen uns also auf Gefahrenlagen einstellen, die wir bisher nur aus der weltweiten Berichterstattung zu Waldbränden kannten. Mit über 840 ha Wald und einem Anteil von ca. 42 % der Landesfläche haben wir die relativ waldreichste Fläche im Land. Mit fortschreitendem Klimawandel steigt das Waldbrandrisiko. Ich möchte noch einmal Zahlen benennen, weil sie vorhin in Zweifel gezogen wurden. Während in den vergangenen 20 Jahren die jährliche Anzahl von Waldbränden regelmäßig unter 40 lag, kam es im Jahr 2022 in RheinlandPfalz begünstigt durch den sehr heißen und trockenen Sommer fast zu einer Verdreifachung der Brände und zu einer Vervierfachung der Waldbrandfläche. Das größte Waldbrandrisiko – Abgeordneter Marco Weber hat es eben benannt – ist dabei das menschliche Verhalten. 99 % der Brände sind diesem Faktor ursächlich zuzuordnen. Fehlverhalten trifft dabei vermehrt auf ausgetrocknete und leichter entflammbare Waldflächen. Aufklärung und Sensibilisierung sind daher das oberste Gebot. (Abg. Marco Weber, FDP: Richtig!) Durch den Klimawandel ändert sich unser Wald. Das haben wir im Kontext des Waldzustandsberichts immer wieder miteinander besprochen. Mit einer anderen Art der Waldentwicklung machen wir auch Waldbrandprävention. Dazu gehören Baumartenzusammensetzung, Bestandsstrukturen und die Walderschließung. Dank unserer laubbaumreichen Mischwälder ist die Gefahr ausgedehnter Waldbrände in Rheinland-Pfalz zum Glück geringer als anderswo. Gefahrenlagen wie etwa in Skandinavien, Südeuropa oder auch in den nordostdeutschen Kiefern- und Fichtengebieten sind hier weniger zu befürchten. Die von uns betriebene naturnahe Waldbewirtschaftung kann die Waldbrandgefährdung in den nächsten Jahrzehnten aber ebenfalls ganz wesentlich verringern. Dazu gehören – wir haben es vorhin schon gehört – viel mehr Laubbäume, viel weniger Reinbestockung aus öl- und harzreichen Nadelbäumen, viel mehr Mischung und vertikale Füllung des Kronenraums mit grünen Blättern und natürlich auch unser Projekt „Wasserrückhalt im Wald“. Diese Faktoren haben die Enzündbarkeit unserer Wälder auf großer Fläche sehr weit reduziert. Das heißt, der von uns eingeschlagene Weg des Waldumbaus hin zu den klimaresilienten Wäldern ist eine zentrale Stellschraube zur Verhinderung und Eindämmung von Waldbränden und somit die effektivste Waldbrandprävention. Dazu gehört auch die gute Erschließung mit Wegen, welche zudem digital erfasst und navigierbar sind. Die betreffenden Daten stehen den Feuerwehren bei den Leitstellen zur Verfügung. Wir reagieren immer auch flexibel und schauen nach Ereignissen, was geändert werden muss. Deswegen ist aus der Erfahrung des letzten Jahres unsere Förderverordnung, Förderrichtlinie entsprechend modifiziert worden. Wir werden diese im Hinblick auf die Waldbrandprävention anpassen. In Zukunft werden wir Maßnahmen der Waldbesitzenden zur Löschwassersicherung finanziell fördern. (Beifall bei der SPD und des Abg. Marco Weber, FDP) Um sich einfach einmal ein Beispiel vor Augen zu führen: Wir machen jetzt Gefährdungsbeurteilungen; kennt man auch aus anderen Bereichen, also nicht erst jetzt. Diese werden in Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren vor Ort und den Forstämtern analysiert. Wenn ein Bestand zum Beispiel aufgrund von Nadelreinbeständen, einer Ortsnähe oder hoher Bodenstreuauflage sehr gefährdet ist und für diesen Bestand keine Möglichkeit der Löschwasserversorgung besteht, dann wird der Einbau einer Zisterne neben einem Weg gefördert. Zum Schluss möchte ich ebenfalls auf eine bundesweite Besonderheit hinweisen: Der Landesbetrieb Landesforsten hat ein Kompendium Waldbrandschutz herausgegeben. Dieses Kompendium enthält Hinweise zur fachgerechten Prävention, Vorbereitung und Waldbrandverhütung sowie zur Erkennung von und Reaktion auf Waldbrände. Es steht im Internet zur Verfügung und kann allen Interessierten zur Lektüre empfohlen werden. Wir setzen hier auf Information. Herr Schreiner, weil Sie das Stichwort „Totholz“ genannt haben: In diesem Kompendium gibt es ein eigenes Kapitel zum Thema „Totholz“, in dem auch geschildert wird, wie mit Totholz im Hinblick auf die Waldbrandprävention umzugehen ist. Es gibt Unterschiede. Totholz ist nicht gleich Totholz. Es gibt unterschiedliche Holzarten. (Zuruf des Abg. Gerd Schreiner, CDU) Es gibt unterschiedliche Feuchte. Insofern kann man sich das alles runterladen und im Internet in unserem Kompendium Waldbrandschutz nachlesen. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Natürlich sind im Hinblick auf die Waldbrandprävention alle nötigen Akteure miteinander in regem Austausch, die Forstämter, die Feuerwehren, aber auch die ortsansässigen Landwirtinnen und Landwirte. Es finden gemeinsame Übungen statt. Wir sind auch stolz darauf, dass es diese Kooperation gibt. Das ist nicht, die bekommen es nicht auf die Reihe, deswegen müssen die Landwirte helfen. Nein, das sind jahrelange Verträge und Kooperationen, damit im Fall der Fälle die Landwirte vor Ort aushelfen, schnell Wasser dort hinzubringen. Herr Weber hat es geschildert. Jetzt gerade sind wir vor dem Beginn der warmen Jahreszeit. Eigentlich sehnen wir uns alle nach Sonne und Wärme. Lassen Sie uns hoffen, dass der Sommer so bleibt – kühl und feucht –, um die Dürren der letzten Jahre, die Grundwasserverfügbarkeit, die Grundwasserneubildung wieder aufzufüllen. Des einen Wohl ist des anderen Weh. Im Hinblick auf die Waldbrandgefahr, Schädlinge und die Vitalität unseres Waldes wäre es zu wünschen, dass der Sommer so bleibt wie er jetzt leider ist und uns allen nicht gefällt. Vielen Dank. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)
