Fabian Ehmann
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Am vergangenen Samstag war ich mit meiner Kollegin Pia Schellhammer und Klimaschutzministerin Katrin Eder im Ober-Olmer Wald im Naturschutzgebiet. Wir haben dort bei unserem Rundgang mit dem zuständigen Förster gesehen, wie sehr unser Wald mit der Klimakrise zu kämpfen hat. Wir sehen, die Klimakrise ist längst bei uns in Rheinland-Pfalz vor Ort angekommen. Hitze und Trockenheit, aber auch Dürre zeigen uns jetzt schon noch viel mehr in Frankreich, Spanien und Italien, also in Südeuropa, welche Auswirkungen die Klimakrise in Europa jetzt schon im April hat und was uns vielleicht im Sommer erwarten wird. Aktuell, wenn wir einen Blick über den Atlantik werfen, sehen wir, dass in Kanada 30.000 Menschen vor Waldbränden fliehen müssen und ihre Heimat verlassen haben. Das zeigt uns, Trockenheit und Dürre werden auch in diesem Sommer unseren Wäldern zu schaffen machen. Das gilt ganz besonders für uns als waldreichstes Bundesland, für den Hunsrück, die Eifel, den Pfälzerwald, den Westerwald oder den Soonwald. Letztes Jahr, wenn wir uns erinnern, hatten wir einen Waldbrand unweit des Hambacher Schlosses, der gelöscht werden konnte. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei den Feuerwehrleuten bedanken, die diesen Waldbrand gelöscht und Schlimmeres verhindert haben. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD, bei der FDP und vereinzelt bei der CDU) So wie überall auf der Welt steigt auch in Rheinland-Pfalz das Waldbrandrisiko weiter an. Natürlich ist die Klimakrise der große Grund dafür. Im Vergleich zu anderen Bundesländern haben wir aber in Rheinland-Pfalz eine vergleichsweise bessere Ausgangsposition in der Waldbrandprävention. Warum das so ist, dazu komme ich gleich. Dennoch kam es im letzten Jahr zu einer Verdreifachung der Waldbrände und einer Vervierfachung der Waldbrandfläche im Vergleich zu den 20 Jahren davor. In Zahlen bedeutet dies: 103 Waldbrände im Jahr 2022 mit einer betroffenen Fläche von 41 ha. Die höheren Temperaturen und längeren Trockenphasen führen künftig zu intensiverem Brandverhalten in den Wäldern. Die Waldbrandsaison – sie beginnt in Südeuropa schon jetzt – wird in Zukunft länger dauern. Der Grund dafür, warum wir in Rheinland-Pfalz vergleichsweise besser aufgestellt sind als zum Beispiel Brandenburg und andere Länder, liegt auch in 30 Jahren naturnaher Waldwirtschaft unserer Försterinnen und Förster bei Landesforsten in Rheinland-Pfalz. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt bei der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP) Dank der naturnahen Waldwirtschaft haben wir in Rheinland-Pfalz deutlich mehr als die Hälfte Laubholz in den Wäldern. Vier von fünf Wäldern sind bei uns Mischwälder und eben keine Nadelwälder, die einen viel höheren Anteil an Ölen und Harzen haben, die im Zweifelsfall Brände beschleunigen. Deswegen ist es so wichtig, dass unsere engagierten Försterinnen und Förster weiter an der naturnahen Waldwirtschaft festhalten und wir unsere Wälder klimaresilient umbauen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Ein weiterer Vorteil sind die Gemeinschaftsforstämter, die wir haben, die sich gleichzeitig um Landeswald, Kommunalwald und Privatwald kümmern. Das heißt, wir haben für alle Waldbesitzenden einen Ansprechpartner bei Landesforsten. Trotzdem müssen wir uns auf noch heißere Sommer und ein noch trockeneres Klima in Rheinland-Pfalz einstellen und schon jetzt Maßnahmen ergreifen, um unsere Wälder für die kommenden Waldbrandsaisons zu schützen. Das heißt, wir müssen die klimastabilen Mischwälder, die die beste Prävention vor Waldbränden sind, weiter vorantreiben. Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass unsere Wälder gerade in den regenreichen Jahreszeiten im Herbst und Winter mehr Regenwasser speichern können. Im Forschungsprojekt „Klimawald 2100“, das die Landesregierung im Klimaschutzministerium gestartet hat, arbeiten wir bereits jetzt daran, in Musterforstämtern den Regen- und Wasserrückhalt, der natürlich geschieht, auszubauen. Wenn bei uns ein Waldbrand passieren sollte, ist es ebenso wichtig, dass wir ein ausgebautes und gut erschlossenes Wegenetz in unseren Wäldern haben, damit die Feuerwehren die Brandstellen im Zweifelsfall auch erreichen können. (Abg. Marco Weber, FDP: Sehr gut! Sehr gut!) Deswegen ist es wichtig, dass wir weiter in den Erhalt des Wegenetzes in unseren Wäldern investieren. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Zu einer guten Infrastruktur in den Wäldern gehört in Zukunft aber auch das Vorhalten von Löschwasser in Zisternen. Löschwasser vorzuhalten gehört also in Zukunft und ab jetzt zur guten Waldinfrastruktur dazu. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass das Klimaschutzministerium angekündigt hat, in Zukunft die Installation von Zisternen und Löschwasserbehältern zu fördern, finanziell zu unterstützen. Für alle Waldbesitzenden in Rheinland-Pfalz ist es ein großer Schritt nach vorne – in der Klimakrise können wir im Zweifelsfall nicht mehr Seen und Tümpel anzapfen, wenn sie ausgetrocknet sind –, dass Löschwasser in Wäldern vorgehalten wird. Deswegen dafür ein großer Dank an das Klimaschutzministerium. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Für uns ist klar: Waldschutz ist Klimaschutz, Klimaschutz ist Waldschutz. Es liegt in unser aller Interesse, dass wir als waldreichstes Bundesland unsere schönen Wälder in Rheinland-Pfalz erhalten und schützen; denn sie sind so wichtig für uns. Sie sind Heimat. Sie sind ein Wertschöpfungsfaktor für unsere regionale Wirtschaft. Sie leisten Naherholung, und sie sind ein Erlebnis für uns alle, wenn wir uns dort im Urlaub aufhalten oder Wandern gehen. Mehr in der zweiten Runde. Danke schön. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP – Vizepräsidentin Astrid Schmitt übernimmt den Vorsitz)
