Dr. Christoph Gensch
Danke. – Ich freue mich, dass ich bei dem landesregierungsinternen SchwarzePeter-Spiel, wer sich zu der Thematik äußern muss, heute mit Ihnen diskutiere, Herr Minister Ebling. (Zurufe von der SPD) Ich möchte Ihnen gerade zu Beginn sagen, dass auch Ihnen scheinbar nur die Hälfte von dem, was der Wahrheit entspricht, aufgeschrieben wurde, und zwar am Beispiel der Medizienstudienplätze. Tatsächlich wurden diese um 15 % erhöht, aber es ist trotzdem so, dass Rheinland-Pfalz in einem bundesweiten Vergleich an viertletzter Stelle einer Statistik zu Medizinstudienplätzen pro Einwohnerzahl steht. Es gibt kaum ein großes Bundesland, außer noch NRW, an das sich diese Äußerung, neue zusätzliche Medizinstudienplätze zu schaffen, mehr als an Rheinland-Pfalz richtet. (Beifall der CDU und der FREIEN WÄHLER) 2. Punkt: Sie sind beim Fachkräftemangel. In vielen Bereichen ist es richtig, dass wir einen Bewerbermangel haben und ein großes Problem haben, ausreichend Bewerber zu finden, aber nicht bei den Ärzten. Wir haben 12.000 Studienplätze. Wir haben eine künstliche Verknappung des Angebots, und wir haben jedes Jahr zwischen 40.000 und 44.000 Bewerber. Wir haben allein auf die Studienplätze in Mainz 22.000 Bewerbungen, weil es zu Doppel- und Dreifachmeldungen kommt. (Zuruf der Abg. Kathrin Anklam-Trapp, SPD) Wir haben eine unglaubliche Anzahl an willigen jungen Menschen, die gerne diesen Beruf ergreifen würden. Herr Ebling, einzig die Studienplätze fehlen. (Beifall der CDU, der FREIEN WÄHLER und bei der AfD) 3. Punkt: Frau Scharfenberger, der Notarzt wird zu oft gerufen. – Ja, der Notarzt wird tatsächlich zu oft gerufen, aber das ist eine völlig falsche Sichtweise auf die Dinge. In unserem System definiert der Patient den Notfall. Das ist ein subjektives Empfinden. Das können wir aber auch niemals objektivieren. Das System definiert die richtige Reaktion. Wir sind bei einer der Maßnahmen, die man ergreifen muss. Deswegen ist quasi ein effizientes, integriertes Leitstellensystem mit einer Vernetzung der Nummern 112, 116117 und anderen Dingen, eine strukturierte, Algorithmen folgende Zuteilung der Patienten am Beschwerdebild zu den Versorgungsträgern ein ganz entscheidender Punkt. Das habe ich von Ihnen heute und in den letzten Monaten in den Debatten noch nie gehört. Es ist Ihnen unter Umständen neu. (Beifall der CDU und der FREIEN WÄHLER) 4. Punkt Ausbildungsberuf: Herr Fernis hat wichtigere Termine, hat uns eben aber noch erklärt, dass es statt dem Rettungssanitäter jetzt den Notfallsanitäter gibt. Es gab früher den Rettungsassistenten und den Rettungssanitäter. Der Rettungsassistent war von der Begrifflichkeit her nicht direkt eingängig der höherwertige Ausbildungsberuf, ein voller Ausbildungsberuf. Dieser wurde in den Notfallsanitäter überschrieben. Mehr hat sich in diesem Bereich bisher nicht geändert. Ich hätte Herrn Fernis gerne gefragt, wenn er von grundsätzlichen Umstrukturierungen spricht, wen er denn gerne hätte, wenn er einen lebensgefährlichen Notfall hat, und ob er gerne hätte, dass ein Arzt kommen sollte. (Beifall der CDU und bei den FREIEN WÄHLERN) 5. Punkt: Wir haben außerhalb unserer berechtigten Forderung, 200 zusätzliche Medizinstudienplätze in Rheinland-Pfalz zu schaffen, durchaus andere Vorschläge gemacht. Einen habe ich eben skizziert. Die Notarztvergütung im Vergleich der Länder ist ein weiterer Punkt. Die Unterstützung der Krankenhäuser bei der Bereitstellung von Notärzten ist ein weiterer Punkt. Das sind wichtige Punkte, bei denen man tätig werden kann. Letzter Punkt georeferenziell: Zu solchen Worthülsen fällt mir nichts mehr ein. Ja, in Zweibrücken haben wir eine relativ geringe Ausfallquote. Unser Problem ist aber, wenn bei uns der Notarzt nicht da ist, dass der nächstgelegene Standort Rodalben Ausfallquoten zwischen 15 % und 20 % hat. So viel zu ihrem georeferenziellen System. Wenn Sie sich die Karte von Rheinland-Pfalz anschauen, wie hoch die Ausfallquoten der einzelnen Standorte sind, dann wird das mit dem georeferenziell schwierig. Es sind nämlich an allen Standorten keine Ärzte da. (Beifall der CDU und der FREIEN WÄHLER) Ich fordere Sie dringend auf, (Glocke der Präsidentin) sich um dieses Problem zu kümmern. Es ist ein drängendes, und es ist ein Problem, das die Gesamtbevölkerung betrifft und Urängste der Menschen schürt, dass entsprechende Hilfe nicht kommt, wenn sie gefordert wird. (Abg. Kathrin Anklam-Trapp, SPD: Sie schüren! – Glocke der Präsidentin) – Wir schüren sie nicht. Die Zahlen sind, wie sie sind. (Beifall der CDU, der FREIEN WÄHLER und bei der AfD)
