Philipp Fernis
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Versorgung mit Notärzten ist ein Thema, das uns immer wieder einmal beschäftigt. Es ist eine Frage von großer Bedeutung für die Daseinsvorsorge der Menschen in Rheinland-Pfalz. Wir haben jetzt eine Reihe von Zahlen gehört, die sich insbesondere mit der Frage von Abmeldequoten beschäftigen. Es ist aber auch schon viel gesagt worden, was sich in der notfallmedizinischen Versorgung in den letzten Jahren verändert hat. Wir haben mit dem Notfallsanitäter heute einen echten Ausbildungsberuf, anders als in der Vergangenheit mit Rettungssanitätern und Rettungsassistenten, die keine vollwertigen Berufsausbildungen waren. Jeder in Rheinland-Pfalz eingesetzte Rettungswagen ist mit mindestens einem voll im Rahmen einer dreijährigen Berufsausbildung ausgebildeten Notfallsanitäter besetzt, sodass die Qualität der notfallmedizinischen Versorgung zunächst einmal zugenommen hat. Wir haben in Rheinland-Pfalz ein Netz von Standorten für Notärztinnen und Notärzte, häufig und regelmäßig angesiedelt an den Krankenhausstandorten. Die Frage, ob ein Notarzt zur Verfügung steht, ist eines der Themen, die uns immer wieder beschäftigen, wenn wir über die medizinische Versorgung im Land sprechen. Dann will ich aber auch sagen, dass das System, das wir in Deutschland mit Notärztinnen und Notärzten haben, die rausfahren zu Patientinnen und Patienten, im Bereich der notfallmedizinischen Versorgung eher ein Minderheitssystem ist und wir auch einfach zur Kenntnis nehmen müssen, dass – das will ich an dieser Stelle auch einmal sagen – Deutschland mit seiner durchaus hohen Ärztedichte im Verhältnis zur Bevölkerung – wenn Sie sich die Zahlen einmal anschauen, wie das mit Ärzten je 10.000 Einwohnern aussieht – weltweit im oberen Bereich steht. Auf Platz 1 steht Kuba. Ich würde mich jedoch auf das dortige Gesundheitssystem nicht zwangsläufig verlassen wollen. Das mag einer grundlegenden Skepsis des Liberalen gegenüber dem Sozialismus geschuldet sein, (Vereinzelt Heiterkeit bei der SPD) aber dennoch sehen wir daran, dass die Quantität vielleicht nicht gleichzusetzen ist mit Qualität. Warum sage ich das? – Ich sage das deswegen, weil wir unabhängig von der Debatte der Frage der zusätzlichen Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern, die wir brauchen – das haben wir schon gesagt; wir haben über viele Maßnahmen diskutiert, die die Landesregierung ergriffen hat, zum Beispiel um mehr klinische Studienplätze in Rheinland-Pfalz zu schaffen –, diese Frage weiter diskutieren, auch ehrlich diskutieren müssen, wie wir dafür sorgen können, eine qualitativ hochwertige notfallmedizinische Versorgung sicherzustellen, wissend, dass wir nicht jederzeit jeden Standort mit einem Notarzt werden besetzen können. Das ist einfach die Realität des medizinischen Arbeitsmarkts. Da hilft es auch nicht, wenn wir letzten Endes dafür sorgen, dass sich verschiedene Aufgaben ein Stück weit kannibalisieren. Dazu sind hier Stichworte genannt worden. Das ist dann die Frage – mit dem Notfallsanitäter haben wir viel erreicht –: Können wir mehr tun für die Qualifizierung von denjenigen, die im Rettungsdienst sowieso schneller bei den Patientinnen und Patienten sind, weil die Rettungswachen doch noch einmal eine ganz andere Dichte haben als die Notarztstandorte? Können wir mit Telemedizin erreichen, dass ärztliche Diagnosen mit moderner Technologie schneller erstellt werden, dass ärztliche Diagnosen, ärztliche Handlungsanweisungen schneller dem Patienten zugute kommen können, ohne dass man den Anfahrtsweg für eine Notärztin oder einen Notarzt hat? Das ist in weiten Teilen das US-amerikanische System, das, wenn man auf die Indikatoren schaut, oft sehr, sehr gut abschneidet, was die Ergebnisse notfallmedizinischer Behandlung angeht. Ich glaube, dass wir uns diesen Fragen, weil immer wieder einmal nach Lösungen gefragt wurde, in der gemeinsamen Debatte in den kommenden Jahren sehr viel stärker werden widmen müssen; denn wir dürfen, unabhängig von der Aufgabe, zusätzlich Ärztinnen und Ärzte ausbilden zu müssen, nicht davon ausgehen, dass sich das Problem, das im Übrigen Rheinland-Pfalz nicht spezifisch betrifft, sondern ein Problem ist, das die Bundesrepublik insgesamt betrifft, kurzfristig lösen lässt im Sinne von: Wir haben wesentlich mehr Ärzte im System. Das hat natürlich auch mit Veränderungen im Verhalten zu tun, mit der Bereitschaft, gegebenenfalls zusätzliche Dienste zu übernehmen etc. All dem müssen wir Rechnung tragen. Deswegen liegt der Fokus für uns ganz klar auf der Modernisierung des Rettungsdienstes, auf der weiteren Qualifizierung des Rettungsdienstpersonals und auf den Chancen der Telemedizin, um bestmögliche notfallmedizinische Versorgung für die Menschen in adäquater Zeit sicherstellen zu können. Herzlichen Dank. (Beifall der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
