Steven Wink
Sehr verehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Zu diesem Punkt darf ich sagen, dass wir in der letzten Legislatur die EnqueteKommission hatten. Wir haben darüber gesprochen, und ich darf einmal gewisse Punkte herausgreifen. Wir waren das erste Bundesland, das damals eine Tourismus-Staatssekretärin hatte. Das war einer der Punkte, den wir damals in der Enquete-Kommission als Erstes festgelegt haben, und wir wurden von allen Partnern im Bereich des Tourismus gefeiert, dass wir in Rheinland-Pfalz den Tourismus als harten, wesentlichen Standortfaktor anerkannt und jeden einzelnen Teilabschnitt über drei Jahre hinaus in der Enquete-Kommission betrachtet haben. Viele der Teile – Kollegin Klinkel hat es schon angesprochen – finden sich in der Tourismusstrategie als Living Document wieder. Es wurde schon die Stärkung des Tourismus erwähnt, die wir haben. Es ist eine Wachstumsbranche. Wir haben eine lange Tradition in Rheinland-Pfalz. Wir haben mit Familienunternehmen eine Gastgeberkultur, die auch dafür sorgt, dass wir viele ausländische Gäste in unserem Land begrüßen dürfen. Auch haben wir eine hohe Regionalität an Angeboten und eine extreme Dichte an Kultur. Jedoch – das finden Sie auch im Bericht der Kommission – ist der Tourismus im Wandel. Wenn es früher so war, dass man sein Geld gespart hat und einmal im Jahr mit der Familie zwei, drei Wochen an einen Ort gefahren ist, der vielleicht ein Stammort war, an dem man acht, neun, zehn Jahre Urlaub gemacht hat, so leben wir heute in einer Zeit, in der viele der jungen Generation – gerade junge Familien – sagen, sie wollen vier, fünf oder sechsmal im Jahr und dafür weniger Tage wegfahren. Sie wollen dann aber etwas erleben. Sie wollen die Stadt sehen, Erholung, etwas für die Kinder, vielleicht Natur und Wald. Sie switchen ihre Urlaubsziele, ihre Destinationen. Auch planen sie ihren Urlaub häufig von zu Hause aus. Ich habe damals von dem Beispiel mit den zwei Schweizern erzählt, die sich gemeldet und gesagt haben, sie planen den kompletten Urlaub von zu Hause aus: Wo wandere ich? Wo fahre ich Rad? Wo kann ich einkehren? Wo kann ich übernachten? All dies ist ein Wandel, den wir im Tourismus haben und den wir im Auge haben müssen. Wir haben heute eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von zwei bis drei Tagen bei gleichzeitigem Wunsch, viele verschiedene Dinge zu erleben. Daher ist es auch wichtig und in der Umsetzung durch die Tourismusministerin vorgesehen, die bisherigen Erfolge und Wachstumsimpulse zu nutzen und bereichsübergreifend zusammenzuarbeiten. Ich darf auf die Punkte eingehen, die angesprochen wurden. Zuerst nenne ich das Thema der Finanzen und des Geldes. Kollegin Schneider hat angesprochen, das Land müsse mehr Geld geben. Das war eine Forderung, die Kollege Licht, mit dem ich sehr gut zusammengearbeitet, aber viel diskutiert habe, damals schon in die Enquete-Kommission eingebracht hat. So waren es damals die Anzuhörenden, die gesagt haben, sie brauchen eine Strategie in Rheinland-Pfalz. Das Strategierad muss erst einmal bestimmen, wo wir herkommen, welchen Bedarf wir haben, wohin wir wollen, was unser Tourismusverständnis ist und welche Wege und Projekte wir haben. Dann diskutiert man über Geld, indem man diese Strategie immer wieder evaluiert. Die plumpe Forderung, einfach zu sagen, das Land müsse mehr Geld hineinschütten und mehr Geld zur Verfügung stellen, ist an dieser Stelle schlichtweg falsch. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Als nächster Punkt kommen die Strukturen und die Kleinteiligkeit hinzu. Dazu will ich jetzt die Opposition ansprechen. Frau Schneider, Sie müssen das jetzt leider mitnehmen – tut mir leid –, aber auch Kollege Schmidt, sie waren Teil der Enquete-Kommission. (Abg. Sven Teuber, SPD: Ja, leider!) In der Enquete-Kommission wurde festgestellt, dass wir in Rheinland-Pfalz eine extrem hohe Kleinteiligkeit haben. (Abg. Sven Teuber, SPD: Ja!) Ich rede nicht von der Regionalität der Angebote, sondern von der Kleinteiligkeit, von der Angst vor Machtverlusten bei manchen Vertretern – politischen Vertretern – vor Ort. Es gibt Städte, die zwei Tourismus-Informationscenter haben, nur weil sie einen Doppelnamen haben, (Zuruf von der SPD: So ist es!) bei denen die eine Stadt sagt, die andere Stadt nebenan solle bitte nicht wissen, dass sie Touristen dort hat. (Heiterkeit und Zuruf der Abg. Jaqueline Rauschkolb, SPD: Ja!) Diese sollen bitte nicht die Stadtgrenze verlassen. Sie wehren sich vehement dagegen, dass man eine gemeinsame Strategie vor Ort fasst, bei der man den Touristen, die zu uns kommen, ein ganz großes Angebot bietet und damit vielleicht auch die Aufenthaltsdauer ein Stück weit verlängern könnte. Das ist der eine Teil der Strukturen. Der andere Teil der Strukturen lag in dem Punkt der RPT, im Drei-StufenModell der lokalen Ebene, der regionalen Ebene und der Landesebene. Die RPT hat eine sehr klare Gesellschafterstruktur, in die das Land nicht involviert ist. Bei dem Thema „Rhein in Flammen“ haben die Gesellschafter angewiesen, dass die RPT sich herausziehen solle, nicht das Land. Als es darum ging, diese Kleinteiligkeit anzugehen, (Glocke des Präsidenten) und darum, die Struktur der RPT anzugehen, waren es genau diese oppositionellen Vertreter, die das Thema heute wieder hier in den Vordergrund gestellt haben, die das abgelehnt haben. (Abg. Sven Teuber, SPD: So ist es!) Das will ich hier einmal gesagt haben. Mehr folgt in Runde zwei. Danke schön. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
