Jaqueline Rauschkolb
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Präsident! Kollege Weber hat recht. Der Dialog ist wichtiger denn je, weil es einfach so viele Unsicherheiten in der aktuellen Zeit gibt. Das Damoklesschwert Pflanzenschutzverordnung ist das große, das über allem schwebt, über all unseren Diskussionen, auch im Ausschuss. Es ist eines, für das wir noch keine Regelungen gefunden haben. Wir bemühen uns alle. Wir sind alle in unseren Dialogen und Gesprächen, aber das ist nur eines der großen Dinge, die viel Unsicherheit provozieren. Kollege Weber hat recht, wir müssen Mut machen. Wir müssen den jungen Menschen Mut machen, den Beruf zu ergreifen, den Generationen vorher ergriffen haben, und klarmachen, wie wichtig es ist, die Arbeit wertzuschätzen. Wir freuen uns doch alle. Er hat es gerade gesagt: Ferien auf dem Bauernhof, übernachten im Weingut, der tägliche Einkauf im Hofladen, der Wochenmarkt, die Kitakinder, die auf den Bauernhof gehen können. Das sind doch alles Dinge, die wir auch in Zukunft noch tun wollen. (Beifall der SPD, der FDP und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen doch alle regional einkaufen, saisonal. Wenn ich vor Ort bei den Landwirtinnen und Landwirten bin, ist es oft so, dass sie sagen: Jaqueline, was machen wir dann? (Abg. Roger Lewentz, SPD: Dosenwurst!) – Die Dosenwurst, genau. Was sollen wir denn machen? Was sollen die jungen Menschen machen, es gibt doch so viele Unsicherheiten? – Genau diesen Unsicherheiten müssen wir begegnen, weil es so düster doch gar nicht aussieht. Wir haben bereits im September letzten Jahres alle – fast alle – gemeinsam beschlossen, dass wir die Hofübernahmeprämie auf den Weg bringen. Die Prämie ist sicherlich kein Zauberstab. Sie wird nicht alle Probleme lösen, die junge Menschen haben. Wir fördern aber in so vielen Branchen kluge Ideen. Es gibt so viele Start-ups, die wir unterstützen. Es wird jetzt Zeit, dass wir auch im Bereich der Landwirtschaft junge Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Gerade im Bereich der Landwirtschaft ist Gründung sehr kapitalintensiv. Wenn man sich vor allem anschaut, was große Maschinen kosten, ist es sehr gut, dass wir damit ein kleines Stückchen helfen. Es ist aber auch wichtig – das ist in vielen Dialogen immer gesagt worden –, dass man nicht immer jedes halbe Jahr die Regeln ändern kann. Man muss mehr Beständigkeit schaffen, weil die Planungen für die Ernte, das Einsäen keine sind, die man von Woche zu Woche ändern kann. Das sind alles Dinge, die einer größeren Planungssicherheit bedürfen. Wir müssen zudem unseren ländlichen Raum unterstützen. Wir haben es gerade durch den schrecklichen Angriffskrieg gesehen, wie wichtig die heimische Landwirtschaft ist, die wir so unterstützen. Wenn man sich die Zahlen zum Höfesterben ansieht, wie viele in die Nebentätigkeit gehen und sagen, ich mache noch ein bisschen nebenbei, aber es ist mir alles zu schwierig und zu komplex, dann müssen wir doch etwas finden, was dagegen wirkt. Die jungen Menschen sind heute doch besser ausgebildet denn je. Die Agrarministerkonferenz hat gerade beschlossen, dass die Ausbildung noch einmal reformiert und moderner wird. Sie sind heute klimaschonend unterwegs. Sie wollen für den Klimaschutz arbeiten, weil sie wissen, dass die Böden auch in Zukunft, auch in zehn, 20, 30 Jahren noch bearbeitet werden wollen. Sie sind mit dabei, was die Forschung angeht, bei Kartoffeln oder der Zuckerrübe. Das sind alles Sorten, die von Zikaden, von Tieren bedroht werden, die der Klimawandel mit sich bringt. Das kann man alles nicht verleugnen. Deswegen ist es wichtig, dass wir gerade diesen jungen Menschen jetzt mit diesem Signal Hoffnung geben, dass wir ihnen Perspektiven schaffen und sagen: Ihr seid für uns die Zukunft. Ihr seid die Zukunft der Erzeugung von Lebensmitteln, aber auch im Bereich Klimawandel unterwegs. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Sie sind aber auch digitaler denn je. Gerade Smart Farming oder autonome Lenksysteme ermöglichen effizienteres und ressourcenschonenderes Arbeiten. Deswegen ist es wichtig – das wurde im September schon gesagt –, dass nicht nur die Landwirte, sondern auch viele Winzerinnen und Winzer mit diesem Programm unterstützt werden. Natürlich ist es so, dass wir alle wissen, es muss sich am Ende auch finanziell lohnen, dass man den Hof führt, wie in vielen anderen Bereichen auch, wenn man sich selbstständig macht. Deswegen müssen wir darauf schauen, dass sich Ökologie und Ökonomie am Ende die Waage halten. Ich habe es am Anfang genannt: Das Damoklesschwert Pflanzenschutz schwebt über jeder Diskussion. Egal, wo man im Moment hinkommt, wird man dazu befragt. Ich würde das heute noch einmal nutzen, um wirklich zu sagen, dass wir zusammen – wie es Ministerin Schmitt macht – auf allen Ebenen, wo wir alle unsere Europaabgeordneten kennen und mit ihnen im Dialog stehen, darüber sprechen. Es ist uns allen klar, dass wir etwas tun müssen. Es ist auch klar, dass wir anders werden müssen, um in Zukunft noch Landwirtschaft vorzufinden. Wir müssen aber irgendwie auch einen Kompromiss finden, damit am Ende Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht werden und wir die Waage finden. Es haben sich schon viele verpflichtet, weniger zu tun. Es gibt, wie gesagt, viel passgenauere Systeme und die Forschungen. Wie gesagt, die Zuckerrübe ist so ein Paradebeispiel, an dem man sieht, dass es gute und kluge Forschung gibt. Wir sind zudem alle gefordert. Bei jedem Einkauf, den wir machen, sind auch Verbraucherinnen und Verbraucher gefordert, darauf zu schauen, wo die Lebensmittel herkommen, und damit zu sagen: Wir schaffen mehr Bewusstsein; wir setzen uns dafür ein. Wir haben kluge Programme wie Schulobst und Ähnliches, mit denen man schon die Kleinsten am Lernort Bauernhof heranzieht, damit sie sehen, wie viel Wertschätzung entgegengebracht werden kann. (Beifall bei der SPD) Ich freue mich darüber, wenn wir heute noch einmal ein Zeichen setzen für die Hofübernahmeprämie und gemeinsam unsere Landwirtinnen und Landwirte unterstützen. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP –
