Marco Weber
Meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Präsident! Mit der Vorstellung von ChatGPT im November 2022 wurde für eine breite Öffentlichkeit sicht- und erlebbar, welche Möglichkeiten mithilfe Künstlicher Intelligenz bestehen. Auf Basis einer gigantischen Menge an Datensätzen kann dieses Programm zu einem beliebigen Thema Texte erstellen. So können etwa Reden, Gedichte oder Sachtexte in kürzester Zeit von der Künstlichen Intelligenz erstellt werden. Die Ergebnisse sind faszinierend, aber ein Einser-Kandidat ist der Textroboter noch nicht. Im Gegenteil, je nach Fach fällt das Programm bisher durch die Abiturprüfung. Das hat der Bayerische Rundfunk in Zusammenarbeit mit einigen Gymnasien festgestellt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, dennoch dringt Künstliche Intelligenz in all seinen Facetten immer stärker in unsere alltägliche Lebens- und Arbeitswelt ein. Nicht zuletzt im Bereich der Bildung werden Risiken und Chancen von Anwendungen dieser Systeme heiß diskutiert, wie auch heute hier. Um auf diese neue Entwicklung zu reagieren, wurde bereits am 10. Februar das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag beauftragt, ChatGPT und vergleichbare Computermodelle vertieft zu untersuchen und ihre Auswirkungen zu analysieren. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf Bildungsprozessen in Schule, Hochschule und der Aus- und Weiterbildung. Auch die Kultusministerkonferenz beschäftigt sich bereits mit dem Thema. Für uns Freie Demokraten ist allerdings jetzt schon klar: Wir brauchen mehr Transparenz bei der Künstlichen Intelligenz sowie einen regelbasierten Einsatz im Unterricht und keine voreiligen Verbotsdebatten. Der Mehrwert bei der Integration von Künstlicher Intelligenz in der rheinland-pfälzischen Bildungskette ist enorm. Lehrkräfte können so bei der Unterrichtsvorbereitung entlastet werden, und Schülerinnen und Schüler erhalten ein weiteres Tool zum Lernen in einer modernen Welt. Gleichzeitig verfügen rheinland-pfälzische Lehrkräfte über die nötigen Fähigkeiten, um bereits jetzt über die Gefahren und Risiken im Unterricht zu informieren. Dennoch muss in der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften auf die Integration solcher KI-gestützter Werkzeuge ein Fokus gelegt werden. Abhängig von der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz müssen eventuell Lehrpläne und pädagogisch-didaktische Herangehensweisen überarbeitet werden. Genau deswegen haben wir als Ampelkoalition das digitale Kompetenzzentrum geschaffen, um den Lehrkräften und Schulen Unterstützung aus einer Hand zu bieten. Zudem hat Rheinland-Pfalz mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz eine Einrichtung, die spezielle Lehr- und Lernprozesse mithilfe intelligenter Analyseverfahren modelliert und bereits Erfahrungen und Expertise in diesem Bereich gesammelt hat. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Schule ist und war schon immer ein lernendes System. In der neuen Normalität einer digital geprägten Welt wird die Künstliche Intelligenz zunehmend eine Rolle spielen. Diesen Prozess gilt es zum Mehrwert für alle zu begleiten. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn ich mir anschaue, wie ich 1991 die landwirtschaftliche Lehre nach Abschluss der Realschule mit landwirtschaftlichen Maschinen und Einsatz auf den Feldern im Vergleich zu der heute weiterentwickelten eingesetzten Technik gemacht habe, dann brauchen wir keine Angst vor Künstlicher Intelligenz bzw. neuen Techniken zu haben, sondern wir müssen mit Mut und Tatendrang an das Thema herangehen. Ich finde es gut, dass wir heute diskutieren und abwägen, welche Folgen es für unsere Kinder bzw. für einen selbst haben kann und wird. Ich persönlich bzw. wir als Freie Demokraten sind davon überzeugt, dass künftig die Schlitze im Haus für die Elektroleitung, das Setzen einer Elektrodose, die Dachlatten auf dem Dach, die Dachpfannen und die Installation einer Solaranlage zwar planerisch von Künstlicher Intelligenz unterstützt werden können, aber dennoch Personal, handwerkliche Fähigkeiten und handwerkliche Ausbildung vonnöten sind. Das sind die Themen, die wir zueinander bringen müssen, indem wir moderne, auch Künstliche Intelligenz im Handwerk und Gewerbe zum Vorteil aller, zum Wohlstand der Lebensverhältnisse von uns, in Europa und auf dieser Welt einsetzen. Daher heißt es, mutig an das Thema heranzugehen, abzuwägen und die Chancen zu nutzen, die in ChatGPT und anderen Formaten liegen. Vielen Dank. (Beifall der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
