Jennifer Groß
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf Kommando Hausaufgaben schreiben lassen, Gedichte oder Terminabsagen formulieren, heute alles binnen weniger Sekunden möglich. Menschen programmieren Roboter oder Maschinen, damit sich diese wie Menschen verhalten und bewegen können, um wie sie zu schreiben oder sogar wie sie zu denken. Bereits seit Jahresbeginn gibt es im Westerwaldkreis einen Gastronomen, der aufgrund des Fachkräftemangels einen Roboter eingestellt hat, sozusagen als Servicekraft. Ja, es funktioniert. Ob es mit Stand heute allerdings schon genügend verifizierte Erkenntnisse und Ergebnisse für den Bereich Bildung und Schule gibt, wage ich mit dem Stand jetzt etwas zu bezweifeln. Ich bin aber neugierig und sage, nichtsdestotrotz ist das Thema bereits in der Realität angekommen, wie es Kollege Teuber eben bereits sagte. Im wirtschaftlichen Leben, in der Arbeitswelt, im Bereich der Transformation und der Digitalisierung ist es nicht mehr wegzudenken. Laut Experten hatte die KI in den letzten Jahren eine große Entwicklung, und es sind viele Fortschritte erzielt worden. Heutzutage, so scheint es, kann man alles mit einer KI lösen, und sie gehört zu unserem Alltag dazu. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es klingt zunächst recht simpel, Maschinen oder Programme so zu programmieren, dass sie menschliche Fähigkeiten adaptieren. In der Realität ist es dann aber doch nicht ganz so einfach. Ironie, Humor, Feinfühligkeit sind für Maschinen nicht möglich. Emotionen haben Sie noch nicht, auch wenn immer wieder versucht wird, es zu programmieren. Maschinen treffen Entscheidungen auf der Grundlage von 0 oder 1. Wie weit kann oder darf es aber in den Schulen, den Universitäten und in der Ausbildung gehen? Wie sollen künftig Hausarbeiten, gar Debatten wie unsere heutige aussehen, wenn KI-Programme für uns die Arbeit erledigen und die Reden schreiben? Was, wenn ein Chat-Bot unsere Reden für das Plenum formuliert? – Jeder von uns geht an Debatten anders heran, hat einen anderen Ansatz, geht in andere Richtungen. Es sind eben die Emotionen, die hier gelebt werden. Davon leben unsere Debatten. Die CDU-Fraktion, das möchte ich klar sagen, steht für Digitalisierung, für Technologieoffenheit und für die Entwicklung dieser. (Beifall der CDU) Allerdings benötigen wir gleichzeitig Analysen und Studien, die uns wichtige Handlungsanleitungen mitgeben können und dabei helfen, mit Themen wie „Datenschutz“, „Cyberkriminalität“, „KI“ und „Verantwortungsbewusste Mediennutzung“ richtig und vernünftig umzugehen. Der richtige Umgang will gelernt sein. ChatGPT wird mit all seiner Dynamik, mit all seiner Arbeit Bildung und Wissenschaft grundlegend verändern. Schon jetzt testen viele Unternehmen seine Anwendung. Wir werden den Chat-Bot nicht aus den Schulen und Hochschulen und von unseren jungen Menschen, die gerade sehr technikaffin sind, weghalten können. Es geht nicht um ein pauschales Nutzungsverbot. Als Mutter weiß ich auch, dass meine kleine Tochter mit dieser oder vielen weiteren KI aufwachsen wird. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, ihr das Ganze zu erklären, einen Rahmen zu geben und das schlicht zu begrenzen, wenn es nötig ist. Unser Nachbarbundesland Hessen hat es vorgemacht. Sie haben das Schulfach Digitale Welten eingeführt, in dem über genau diese Themen gesprochen wird. Es geht uns darum, ein Bewusstsein für den Umgang mit KI zu schaffen. Für uns als CDU ist Bildung ebenso wie selbstbestimmtes Denken und Arbeiten ein hohes Gut, für das wir unbedingt einstehen. Deshalb dürfen wir bei all den Vorteilen von KI die Augen nicht vor den noch offenen Fragen verschließen und müssen die Gesellschaft im Gesamten mitnehmen können. Zwar ist es nichts Neues, wenn Prüflinge versuchen, mithilfe von Schreiboder Sprache-zu-Text-Programmen ihre Arbeiten zu vollenden, etwas zu perfektionieren. Die Debatte hat jedoch erst an Fahrt aufgenommen, als das KI-Programm ChatGPT im November in Amerika vorgestellt wurde. Noch sind die Auswirkungen auf unsere Bildungs- und Prüfungslandschaft nicht final und auch nicht absehbar. Wir müssen uns fragen, wie künftig eine Eigenleistung von Schülern und Studenten aussehen wird und wie sie bewertet werden soll. Wie sehen Prüfungsformate aus? Der Bundestag hat ebenfalls Mitte Februar darüber debattiert und eine Studie in Auftrag gegeben, deren Auswirkungen sich auf Bereiche wie Bildung und Forschung kaprizieren. Das Büro für Technik am Karlsruher Institut für Technologie wird dieses durchführen und den Bundestag bei entsprechenden Fragen beraten. Für Rheinland-Pfalz erwarte ich, dass die Landesregierung die Studie und die Ergebnisse ernst nimmt, sie intensiv verfolgt und schaut, was davon auf unser Land und unsere Bildungslandschaft übertragbar ist. Selbstverständlich muss dabei immer der Bereich der Wirtschaft und Arbeitswelt mitgedacht werden. Mit dem Chatbot GPT können, so die Experten, auch Prozesse und Unternehmen beschleunigt werden. Mehr in der zweiten Runde. (Beifall der CDU)
