Dr. Herbert Drumm
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Nachdem ich gestern wieder ein Lebensjahr vollendet habe, erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick in die manchmal gute alte Zeit. Es gab einmal ein Ministerium, in dem alles, was zusammengehört, auch zusammen war. Es trug den Namen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Es war ein Superministerium, das aber mit gutem Personal sehr wohl beherrschbar war und gut arbeitete. Wenn Frau Ahnen heute anwesend wäre, fände ich sicherlich ihre Zustimmung. Die Aufsplitterung dieser Bereiche, politisch oder aus anderen Gründen gewollt, in verschiedene Ministerien und Zuständigkeiten ist in meinen Augen mehr als unklug. Doch nun zum eigentlichen Thema. (Abg. Martin Haller, SPD: Das wäre recht!) Seit Jahrzehnten sichert technologischer Vorsprung den wirtschaftlichen Erfolg der Industrie- und Exportnation Deutschland, deren wertvollste Ressource gut ausgebildete Menschen sind, ob Facharbeiter, Handwerker, Ingenieure oder Wissenschaftler. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Arbeitswelt in naher Zukunft von Künstlicher Intelligenz und Robotik geprägt sein. Von Menschen ausgeführte einfache Arbeiten wird es nur noch in geringem Maße geben, genauso wenig wie lebenslang garantierte und unveränderliche Arbeitsplätze. Geistige Flexibilität und die Fähigkeit, sich in neue Gebiete einzuarbeiten, werden also von herausragender Bedeutung sein und müssen lebenslang bestmöglich entwickelt und gefördert werden. Vor diesem Hintergrund ist eine breite Palette an Weiterbildungsangeboten, durch die das vorhandene berufliche Wissen immer wieder aktualisiert und erweitert werden kann, für die Zukunft unseres Landes unverzichtbar. Daher bedarf es auch für das Weiterbildungsangebot einer stetigen Ausweitung und Anpassung an aktuelle und künftige Themenfelder. Es ist gut, dass das Land die Weiterbildungsträger, also vor allem die Volksbildungswerke und Volkshochschulen, nach Kräften unterstützt. Es ist wichtig dafür zu sorgen, dass durch Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft bereits notwendige und künftig sinnvolle Weiterbildungsangebote den Trägern nahegelegt werden, damit das zu vermittelnde Fachwissen frühzeitig bereitgestellt werden kann. Vor diesem Hintergrund begrüßen die Freien Wähler die Initiative der Transformationsagentur, Kooperationen mit Trägern der Weiterbildung einzugehen und diese in sogenannte Praktikertalks einzubinden, bei denen Handlungsbedarfe erkannt und aufgezeigt werden können. Doch es ist nicht damit getan, neue Weiterbildungsangebote zu schaffen. Gerade in Rheinland-Pfalz müssen das Land und die Weiterbildungsträger auch dafür sorgen, dass diese Angebote in der Fläche wahrgenommen werden und viel mehr Menschen die wachsende Bedeutung von lebenslangem Lernen erkennen. Nur dann werden sie bereit sein, einen Teil ihrer Lebens- und Freizeit zu investieren, um zusätzliche Qualifikationen für ihre Beruflichkeit zu erwerben und ihren Wert als Arbeitskraft zu erhöhen. Die rheinland-pfälzischen Arbeitgeber sollten durch die Landesregierung noch stärker motiviert werden, ihre Mitarbeiter noch mehr als bisher auf sinnvolle Weiterbildungsangebote aufmerksam zu machen und deren Teilnahme daran durch zeitliche Freiräume oder finanzielle Anreize zu fördern; denn es liegt im Interesse der Unternehmen, in einer Phase des zunehmenden Fachkräftemangels die vorhandene Manpower durch optimale Aus- und Weiterbildung voll nutzen zu können, um eine möglichst hohe Wertschöpfung zu erzielen. Daher muss auch die innerbetriebliche Weiterbildung gewürdigt und unterstützt werden. Auch im Bereich der politischen Bildung sehen die Freien Wähler erheblichen Handlungsbedarf. Der zunehmend feststellbaren Demokratieverdrossenheit muss entgegengewirkt werden, indem möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes ein ausreichendes Fundament an politischer Bildung und Wissen um die Grundlagen unseres Staates vermittelt wird. Dies birgt auch die Chance, dass die Bereitschaft zum politischen Engagement wieder zunehmen könnte. Bei der Vermittlung von Basiswissen, beispielsweise bei der Alphabetisierung oder beim Erwerb eines Schulabschlusses, haben die Weiterbildungsträger in der Vergangenheit wertvolle Beiträge für unser Gemeinwesen geleistet, auf das wir auch in Zukunft nicht verzichten können. Doch sollte der Bereich der allgemeinen Weiterbildung nach Einschätzung der Freien Wähler noch stärker als bisher durch Angebote zur beruflichen Weiterbildung ergänzt werden. (Glocke der Präsidentin) Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal kurz den Bogen zum Anfang meiner Rede schlagen. Wie schon der Name sagt, hat Weiterbildung etwas mit Bildung zu tun. Vor allem ist sie nur dann wirklich erfolgreich und den Anforderungen der Zukunft gewachsen, wenn sie auf Grundlage einer guten, einer sehr guten Bildung aufbauen kann. Meine Damen und Herren, da ist auch in RheinlandPfalz bei Weitem nicht alles Gold was glänzt. (Glocke der Präsidentin) Das ist ein ganz weites Betätigungsfeld, aber mit einer Anhebung der Besoldung der Grundschullehrer auf A 13 ist es sicherlich nicht getan. Vielen Dank. (Beifall der FREIEN WÄHLER)
