Dr. Katrin Rehak-Nitsche
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Kontinuierliche Qualifizierung, lebenslanges Lernen und eine hohe Durchlässigkeit im Bildungssystem sind das Gebot der Stunde. Deshalb ist es uns wichtig, dieses Thema heute umfassend zu beleuchten. Weiterbildung ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine gelungene Transformation von Arbeitswelt und Gesellschaft. Ich freue mich sehr, dass auch das neue Bürgergeld zu der Stärkung von Weiterbildung beiträgt, wie meine Kollegin Lana Horstmann gestern schon ausgeführt hat. Dafür brauchen wir hier in Rheinland-Pfalz eine plurale Weiterbildungslandschaft, ein flächendeckendes und hochwertiges Angebot so nahe an den Menschen, ihrem Leben und ihren Bedürfnissen wie nur irgend möglich. Meine Damen und Herren, das alles leisten die Weiterbildungsträger hier im ganzen Land. Dabei zeichnet sie ein hoher Grad an Professionalität aus. Dafür gilt ihnen unser herzlicher Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Tatsächlich haben wir in Rheinland-Pfalz eine einzigartige Weiterbildungslandschaft, die sehr eng, äußerst konstruktiv und überaus erfolgreich zusammenarbeitet. Es gibt sieben anerkannte Träger der Weiterbildung, auch WB 7 genannt. Das sind die Volkshochschulen sowie die Landesorganisationen anderes lernen, Arbeit und Leben, der Landessportbund, die evangelische, katholische und die ländliche Erwachsenenbildung. Das Weiterbildungsgesetz bildet die Grundlage ihrer Arbeit, ist konstitutiv für ihre Anerkennung und Förderung, für Kooperationen und für die Entwicklung und Erprobung neuer Konzepte. Die Grund- und Angebotsförderung wird dabei ergänzt durch thematische Förderungen wie das Nachholen von Schulabschlüssen, die so wichtige Alphabetisierung und Grundbildung, digitales Lernen oder politische Bildung. Zusätzlich gibt es weitere vielfältige Instrumente und Programme zur beruflichen Weiterbildung, von denen wir gestern bereits gehört haben. In diesem Zusammenhang ist die Möglichkeit der Bildungsfreistellung enorm wichtig. Übrigens unterstützt Rheinland-Pfalz als das erste und heute noch als eines von sehr wenigen Bundesländern auch Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten. Tatsächlich werden die meisten Anträge auf Erstattung im Bereich des Handwerks gewährt. Das zeigt, dass nicht nur unsere großen und mittleren Industrieunternehmen, sondern auch unser Handwerk sehr engagiert und sehr darum bemüht ist, stets auf dem neuesten Stand des Wissens und des Könnens zu sein. Ein großes Kompliment dafür. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Übrigens liegt der Schwerpunkt der Teilnehmenden nach dem Bildungsfreistellungsgesetz mit ca. 70 % bei den Beschäftigten bis 39 Jahren. Das ist total wichtig; denn das sind genau diejenigen, die jetzt nicht mehr in der Schule Neues lernen können, aber die Transformation gestalten werden; denn sie haben noch Jahrzehnte im Beruf vor sich. Wichtig ist es deshalb, die allgemeine und die berufliche Weiterbildung zusammen zu denken; denn wir stehen vor enormen Herausforderungen. Die Weiterbildung nimmt sich derer an und orientiert sich stets an diesen. Denken wir nur an die Geflüchtetenbewegungen 2015/2016 und 2022 sowie die unzählig angebotenen Sprach- und Integrationskurse oder den umfassenden Bereich der Transformation. Dahinter verstecken sich gleich mehrere Megathemen: Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie. Um diese Veränderungen meistern zu können, benötigen die Menschen Kompetenzen, mit denen sie ihre und die Zukunft ihres Unternehmens, ihrer Kommune aktiv mitgestalten können, transformative Kompetenzen, Kooperation und unkonventionelles Denken, das Erfassen, Aushalten und Ausgleichen von widersprüchlichen Ideen, Verantwortungsübernahme und Reflexionsfähigkeit. Weiterbildung und Umschulungen sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig für die Vermittlung dieser Zukunfts- und Schlüsselkompetenzen, zu denen auch interdisziplinäres Arbeiten, Selbstorganisation, Innovationskompetenz, Dialog-, Konfliktfähigkeit und viele andere gehören. Es gilt ebenfalls, die Menschen durch Bildung für nachhaltige Entwicklungen mitzunehmen, ihr Verständnis für komplexe Zusammenhänge im globalen Kontext zu fördern und es ihnen zu ermöglichen, die notwendigen Maßnahmen zum Klima- und damit zum Menschenschutz einordnen zu können. Alle Menschen in diesem Veränderungsprozess mitzunehmen, ist eine ebenso große wie wichtige Herausforderung. Ich bin froh, dass die Landesregierung diese Aufgabe so engagiert und erfolgreich anpackt. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Tatsächlich ist das auch eine Aufgabe der Demokratiebildung; denn neben der Landeszentrale für politische Bildung sind die Weiterbildungsträger hier wichtige Partner. Es gilt, Menschen zu aktiver Partizipation und im Sinne unserer Demokratie anzuregen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und so antidemokratischen Tendenzen, Hass und Hetze entschieden entgegenzutreten. Für so viele Aufgaben braucht es eine verlässliche Förderung. Als Koalitionsfraktion und gemeinsam mit der Landesregierung haben wir seit 2017 die bestehenden Förderansätze massiv erhöht, um die Weiterentwicklung zu unterstützen. (Glocke der Präsidentin) Die Grund- und Angebotsförderung umfasst 1 Million Euro an Alphabetisierungsmaßnahmen, für Schulabschlusskurse und die Digitalisierung. – Ich komme zum Schluss. Das zeigt, wir geben Raum zur Weiterentwicklung, sichern ab, dass die Aufgaben gut erfüllt werden können und passen die Regelungen immer wieder den Herausforderungen an. Die Weiterbildungsträger machen einen großartigen Job. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
